Die Kehrtwende des Theaterchefs

Jetzt bleibt er doch: Schauspielchef Cihan Inan verlängert seinen Vertrag mit Konzert Theater Bern – nachdem er im April nur noch wegwollte. Es ist eine Kehrtwende mit Ansage, die auch den Schauspielern behagt.

Schauspielchef Cihan Inan erklärt an der Medienkonferenz im Stadttheater, wieso er jetzt doch bleiben will. Neben ihm sitzt Stiftungsratspräsidentin Nadine Borter.

Schauspielchef Cihan Inan erklärt an der Medienkonferenz im Stadttheater, wieso er jetzt doch bleiben will. Neben ihm sitzt Stiftungsratspräsidentin Nadine Borter. Bild: Christian Pfander

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Das Statement trägt sie schnörkellos und kraftvoll vor, so, wie sie auch auf der Bühne auftritt. Ensemblesprecherin Milva Stark hat neben Nadine Borter Platz genommen und sagt: «Wir sind glücklich.»

Ein so simpler wie bemerkenswerter Satz. Zuletzt hatten die Schauspielerinnen und Schauspieler wenig zu lachen. 2016 wurde Schauspielchefin Stephanie Gräve mitten in der Saison entlassen, dann übernahm Intendant Stephan Märki die Leitung in der Theatersparte interimistisch, dann kam Cihan Inan – und noch während der ersten Saison verkündete er diesen April, dass er so nicht mehr weiterarbeiten wolle und nach Erfüllung des Zweijahresvertrags das Weite zu suchen gedenke. Er hatte sich mit Stephan Märki unversöhnlich verkracht.

Dann kam die Wende. Stephan Märki wurde Anfang Juli freigestellt, in der ersten Arbeitswoche der neuen Stiftungsratspräsidentin Nadine Borter. Vordergründig erfolgte die Trennung wegen eines unangebrachten Liebesverhältnisses – in Wirklichkeit, weil Märki gegenüber dem Stiftungsrat Vertrauen und Glaubwürdigkeit verspielt hatte.

Der Bruch hat die Kehrtwende und das Einlenken Inans ermöglicht. Er bleibt bis 2021, hat also den Vertrag um zwei Jahre verlängert. Bereits im April hatten sich laut Milva Stark die Schauspieler von Konzert Theater Bern hinter ihren Vorgesetzten gestellt. Allerdings ohne Erfolg. Milva Stark betont die «respektvolle Art» von Cihan Inan. «Das vertrauensvolle Arbeitsklima mit ihm spornt uns zu guten Leistungen an.» Ganz klar: Die Schauspieler sind heilfroh, dass sie sich jetzt mutmasslich einfach mal auf ihre Arbeit konzen­trieren können.

Hier weht ein neuer Wind

Es ist ein ungewohntes Bild am Freitagmorgen im Foyer des Stadttheaters. Zuletzt traten Schauspieler an einer Medienkonferenz 2010 vor die Medien, als sie Marc Adam aufgewühlt, wütend und unter Tränen vorwarfen, die Theatersparte auszubluten. Ein Desaster für den damaligen Intendanten. Jetzt ist das Statement der Belegschaft ausdrücklich erwünscht. Die neue Stiftungsratspräsidentin Nadine Borter hat das Ensemble mit einbezogen in die Entscheidung, wie es in der Theatersparte weitergehen soll. Der Auftritt ist also auch ein Statement der Chefin: Hier weht ein neuer Wind.

Cihan Inan bleibt, alle sind zufrieden, Nadine Borter rühmt ihren Schauspielleiter: «Was wir bis jetzt gesehen haben, war gut und äusserst erfolgreich.» Der Entscheid, erneut auf den Theaterleiter zuzugehen und ihn zum Bleiben zu bewegen, habe zwei Gründe. Die «künstlerisch grossartige Arbeit» – und, dass sich das Ensemble klar hinter ihn gestellt ­habe.

Dabei übersieht sie grosszügig, dass Inan in seiner ersten Spielzeit nicht immer ein goldenes Händchen bewiesen hatte. Es gab auch einige Produktionen mit Schwächen, «Verdingbub» im grossen Saal war ein Flop. Später sagte Borter, die Walliserin: «Das war auch die erste Saison, und wir ziehen daraus die richtigen Schlüsse. Wir sind schliesslich nicht beim Füessball.»

Weiterhin mit Intendant

Mit Cihan Inan kann Borter vorderhand die wichtigste Personalie abhaken. Die Chefposten in Kommunikation und Marketing stehen jetzt an. Und dann natürlich die Suche nach dem neuen Intendanten. Dafür will sich das Theater Zeit nehmen. Erst 2021 soll Stephan Märkis Nachfolge die Leitung des Vierspartenhauses übernehmen. Es zeichnet sich ab, dass Bern weiterhin auf ein Intendantenmodell setzt. Dieses steht in der Kritik als überholtes, zu hierarchisches Konstrukt.

Borter sieht es nicht als gescheitert, betont aber eher die Vermittlungs- als die Machtkomponente: «Ein Intendant als Moderator zwischen den Spartenleitern bringt den Vorteil, dass einer den Überblick übers Ganze behält.» Schliesslich gelte es den Leistungsauftrag der Geldgeber zu ­erfüllen.

In den nächsten drei Jahren wird das Haus durch den kaufmännischen Direktor interimistisch geführt. Der Geschäftsleitung, in der die Spartenvertreter Einsitz haben, kommt mehr Verantwortung zu. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.09.2018, 22:22 Uhr

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