Die «Innere Enge» swingt seit zwei Jahrzehnten

Bern

Mit dem Bildband «Innere Enge – The World’s Unique Jazz Hotel» begeht das Berner 4-Stern-Hotel das 20-Jahr-Jubiläum des erfolgreichen Jazzkonzepts.

Die «Innere Enge» hat zahlreiche Erinnerungsstücke wie Fotografien (hier Louis Armstrong), Instrumente und Briefe berühmter Musiker aufbewahrt.

Die «Innere Enge» hat zahlreiche Erinnerungsstücke wie Fotografien (hier Louis Armstrong), Instrumente und Briefe berühmter Musiker aufbewahrt.

(Bild: zvg)

Ob Joséphine de Beauharnais im Oktober 1810 nach dem Genuss des reichhaltigen Grand Déjeuner mit gut zwei Dutzend Einzelposten die Rechnung der burgerlichen Gastwirtschaft Engi, auf der Faktura vornehm «l’Engue» genannt, tatsächlich auch beglichen hat, scheint angesichts der notorischen Überschuldung nach ihrer Scheidung von Napoleon zumindest fraglich. Dass die Immer-noch-Kaiserin aber die romantische Parkanlage mit dem atemraubenden Alpenblick sehr geschätzt hat, gilt als sicher.

Die Aussicht hat sich seit den Zeiten des Empire nicht geändert, anderes wohl. So realisierte die Burgergemeinde 1865 das heute noch bestehende, neue Gebäude. Als Restaurant Innere Enge war es 1914 Teil der Landesausstellung. Alle mussten daran vorbei. Nicht allein die malerische Lage, auch der ländliche Charme, die gute Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr und die kundenfreundliche Preisgestaltung machten den grossen Saal der «Inneren Enge» während der folgenden Jahrzehnte zu einem beliebten Kulturtreffpunkt, mit regelmässigen Vortragsübungen privater Musikpädagoginnen und sporadischen Grossanlässe internationaler Stars.

Ein neuer Konzertraum

Trotzdem bewilligten die Berner Behörden 1981 ein Grossprojekt, dem die «Innere Enge» zum Opfer gefallen wäre. Es gab Opposition. Sie bodigte die unselige Planung mit der Initiative «Rettet die Innere Enge», doch keiner wusste, wie es weitergehen sollte.

1991 traten Hans Zurbrügg und Marianne Gauer auf den Plan. Sie schufen ein Konzept, dessen Ergebnis zu jenem Hotel mit Jazzambiente führte, das Kenner mittlerweile als einmalig auf der Welt bezeichnen. Zwar musste der historische Saal zugunsten weiterer Gästezimmer weichen, doch im Untergeschoss entstand ein neuer Konzertraum. Unter dem Namen Marians erlangte er Weltruf. Seit der Neueröffnung 1992 haben weit über 1000 Musiker im Marians gastiert, darunter die Crème de la Crème des swingenden Jazz von Lionel Hampton über Oscar Peterson bis hin zu Dizzy Gillespie und Wynton Marsalis. Sie haben Spuren hinterlassen, einerseits in den Herzen des Publikums, wo ihre Musik in der Erinnerung weiterklingt, andererseits ganz real als Memorabilien, welche sie der zurbrüggschen Sammlung schenkten und ihr damit zu Museumsreife verhalfen.

Trompeten und Sandalen

Viele Erinnerungsstücke sind einmalig, etwa die Trompete von Louis Armstrong, an deren Entwicklung er bei der Firma Selmer während seiner Paris-Aufenthalte beteiligt war, oder jene «unseres» Hazy Osterwald. Neben Instrumenten, seltenen Schallplatten, Auszeichnungen und historischen Dokumenten gibts aber auch ganz Alltägliches, wie Oscar Petersons Fischrute oder Louis Armstrongs Sandalen. All diese Raritäten schmücken heute das Hotel, teils in den 15 Themenzimmern für Gäste, teils in allgemein zugänglichen Räumen. Auch Wände, Flure und Treppen sind voll davon und führen zu jener Atmosphäre, welche selbst weit gereiste und weltgewandte Gäste, wie es Jazzmusiker von Berufs wegen nun mal sind, zum Ausspruch verleiten: «There’s no hotel like the Innere Enge, the world’s unique jazz hotel.»

Berner Zeitung

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