Bern

Die Idee einer zweiten Tramachse lebt noch

BernDie Gegner des Trams Bern–Ostermundigen fürchten sich vor einer «Tramwand» in der Berner Innenstadt. Ein Argument, das Kanton und Stadt nicht gelten lassen. Das Projekt für eine zweite Tramachse behalten sie aber dennoch weiter im Blick.

Die zweite Tramachse hätte die Innenstadt von Trams und Bussen entlasten sollen.

Die zweite Tramachse hätte die Innenstadt von Trams und Bussen entlasten sollen. Bild: Stafan Anderegg

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Vor sechs Jahren war die Ideesehr angesagt: Eine zweite Tramachse durch Bern könnte die Innenstadt entlasten, den Verkehr besser verteilen. Viele Parteien und Vereine sprachen sich für das Projekt aus, ohne das, so hiess es damals, könne der öffentliche Verkehr in der Stadt gar nicht weiter ausgebaut werden.

Eine Vorstellung, die mit dem ersten Nein zum Tram Region Bern – das damals noch bis nach Köniz fahren sollte – von der Bildfläche verschwand. Seit Jahren spricht niemand mehr von einer zweiten Tramachse durch Bern. «Die Planung wurde damals sistiert», bestätigt auch Regierungsrätin Barbara Egger (SP). Die Abmachung zwischen Stadt und Kanton, das Projekt gemeinsam zu realisieren, wurde durch die Ablehnung zunichte­gemacht.

Keine aktive Planung

Und doch, so verrät Barbara Egger: Die Idee einer zweiten Tramachse lebt weiterhin – jedoch mit längerfristigem Horizont. «Eine aktive Planung gibt es nicht», ergänzt Ursula Wyss (SP), Gemeinderätin und Direktorin für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün. Zuerst wolle man sich auf die aktuelle Abstimmung zum Tram Bern–Ostermundigen konzentrieren.

Wann genau das Projekt wieder auf den Tisch kommt, kann keine der beiden Frauen sagen. Stattdessen äussert sich Egger zur ­Linienführung: Diese bleibe grundsätzlich bei der 2012 ausgearbeiteten Variante (s. Karte), könne sich aber allenfalls geringfügig ändern: «Zum Zeitpunkt einer allfälligen Wiederaufnahme des Projekts werden wir prüfen, ob sich relevante Rahmenbedingungen geändert haben.»

Keine «Tramwand»

Dass Kanton und Stadt das Projekt, gerade während des erneuten Abstimmungskampfs zum Tram Bern–Ostermundigen, einfach so auf Eis legen, erstaunt. Immerhin bezieht sich eines der stärksten Argumente der Tramgegner darauf, dass ein weiteres Tram, das durch die Spitalgasse fährt, die Innenstadt noch mehr belasten würde. Die Rede ist von einer «Tramwand», die sich durch das Nadelöhr Zytglogge zwängen müsse. Ein Argument, das mit einer zweiten Tramachse massgeblich geschwächt worden wäre.

Doch weder Regierungsrätin noch Gemeinderätin lassen das Argument überhaupt erst gelten. Egger meint: «Weil zum Ausgleich der 12er-Bus von der Spitalgasse in die Bundesgasse verlegt wird, erhöht das Tram Bern-Ostermundigen die Belastung in der Innenstadt gegenüber heute nicht.» Und Ursula Wyss stärkt ihr den Rücken: «Das Tram Bern–Ostermundigen würde die Innenstadt sogar entlasten, da es ein Gleichgewicht zwischen den Linien im Osten und im Westen der Stadt herstellt.»

Aktuell gibt es auf der Westseite eine Tram­linie mehr, nämlich die Linie 3 nach Weissenbühl, die zurzeit am Bahnhof wendet. Die zusätzliche Verbindung nach Ostermundigen würde für Ausgleich sorgen, und alle Tramlinien könnten beim Bahnhof durchfahren.

Keine Meinungsänderung

Weder Egger noch Wyss sehen ein Problem darin, dass die zweite Tramachse im Rahmen der jetzigen Abstimmung nicht wieder zum Thema geworden ist. «Es handelt sich um ein unabhängiges Projekt», meint Barbara Egger. Dieses lasse sich auch später noch realisieren.

An der Haltung der Abstimmungsgegner hätte eine alternative Tramachse wohl ohnehin nichts geändert. Das zeigt die Nachfrage bei SVP-Fraktionschef und Stadtrat Alexander Feuz, der sich politisch und auf den sozialen Medien gegen das Tram einsetzt. «Die zusätzliche Tramachse würde nur einen weiteren freien Perimeter der Innenstadt verbauen», sagt er.

«Ausserdem ist es in den Gassen viel zu eng für ein Tram.» Sinnvoller fände Feuz – «sofern es trotz S-Bahn und Doppelgelenkbussen mehr Kapazität braucht» – die Linienführung über Bollwerk, Lorraine und Wankdorf. Allgemein wünsche er sich, dass man «etwas mehr über den Tellerrand hinausblickt». (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.02.2018, 10:06 Uhr

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