Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die Schliessung des Gurnigel-Berghauses wird weitherum beklagt. Stellt sich die Frage: Wo finden Touristen im Gantrischgebiet überhaupt noch Verpflegung und Unterkunft?

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Nach dem Hotel Schwefelbergbad ist jetzt auch das Gurnigel-Berghaus geschlossen. Ob diese Häuser jemals wieder öffnen, weiss niemand. Ein potenzieller Käufer des Berghauses ist abgesprungen, und die Initianten für eine Käserei mit Restaurant wollen nicht verraten, ob ihr ambitiöses Projekt jemals zustande kommt.

An der Mitgliederversammlung des Fördervereins ­Naturpark Gantrisch sagte Adolf Käser von Schwarzsee Tourismus: «Alles ist auf guten Wegen. Im Moment wird mit der Liegenschaftsbesitzerin Armasuisse verhandelt.» Ein langer Moment, hatte sich Käser doch bereits vor vielen Wochen so geäussert.

Gurnigelbad: Winterpause aufheben?

Eine Person wehrt sich gegen das Gejammer wegen des geschlossenen Berghauses: Ursula Beyeler vom Berggasthof Gurnigelbad, das fünf Kilometer unterhalb der Passhöhe liegt. «Das Berghaus ist nicht das einzige Hotel-Restaurant. Es gibt noch uns», betont sie. Die Schliessung des Berg­hauses gebe ihr zu denken, setze aber auch Prozesse in Gang.

«Wir überlegen uns, ob wir im kommenden Winter offen haben und Packages mit Schneeschuhlaufen und Hotel anbieten wollen», erklärt Beyeler. Sie und ihr Partner Markus Stämpfli würden sich verschiedene Möglichkeiten überlegen, um das Vakuum, das durch die Berghausschliessung entsteht, aufzufüllen. «Wir wohnen ja auch im Gurnigelbad, sind motiviert und haben motiviertes Personal», sagt Beyeler.

Berghütten: Massenlager und Holzöfen

Im Gebiet Gantrisch-Gurnigel gibt es ein gutes Dutzend einfacher Berghütten mit insgesamt rund 500 Betten, beziehungsweise Schlafplätzen. Die meisten dieser Hütten können als Gruppenunterkünfte gemietet werden. Allerdings bedeutet das meist, dass auf den gewohnten Komfort verzichtet werden muss: In diesen Hütten gibt es meist nur rudimentäre Massenlager, Holzöfen, und man muss selber kochen – Dinge, die nicht alle mit einem gemütlichen Wochenende verbinden. Zudem muss überall schon längere Zeit zum Voraus reserviert werden.

Eine SAC-Hütte mit Abend- und Morgenessen ist in der Region Gurnigel nicht vorhanden. «Das finde ich schade», sagt Fabienne Bachmann. Sie ist Mitglied des Fördervereins Naturpark Gantrisch und vom Vorstand beauftragt, eine Bestandesaufnahme der Berghütten im Naturpark zu machen. Einige wurden bereits an Private verkauft. «Das möchte ich in Zukunft verhindern, weil private Hütten meist nicht mehr zugänglich sind», sagt Bachmann.

Zudem würden die verbleibenden Restaurants einen Rückgang von Gästen beklagen, wenn immer weniger Gruppen in der Region übernachteten. Deshalb sollen die Hüttenbesitzer mit einem Konzept ins Boot geholt, ihre Angebote und Bedürfnisse eruiert werden. «Damit wären einfache Unterkünfte gesichert», sagt Fabienne Bachmann.

Schwarzenbühl: Ungewisse Zukunft

Das Kurhaus Schwarzenbühl ist seit 1897 in den Händen der Familie Hänni. Heute ist es nebst dem Gurnigelbad das letzte Hotel-Restaurant der Region und jeweils von Mitte Mai bis Ende Oktober geöffnet (siehe Kasten).

Ursula Hänni bewirtet es zusammen mit ihrem Sohn Andreas. «Dieses Jahr mache ich noch weiter», sagt die Wirtin. Sie sei über 70 Jahre alt, und die Zukunft des Schwarzenbühls sei ungewiss. «An den Wochenenden und bei schönem Wetter läuft es gut, aber während der Woche ist es oft sehr ruhig.»

Seit sich das Militär aus dem Gurnigelgebiet zurückgezogen habe und kaum noch Skilager durchgeführt würden, seien die Umsätze gesunken. Ein weiterer Faktor seien auch die veränderten Gewohnheiten der Gäste. Machten früher viele vierzehn Tage Hotelferien im Schwarzenbühl, bleiben sie heute höchstens noch für ein Wochenende. Aber zum Glück können Hännis auf eine treue Stammkundschaft zählen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Neue Angebote fehlen im Gurnigelgebiet. Und wenn in der Zwischensaison Wanderwetter ist, bleibt gezwungenermassen nur die Verpflegung aus dem Rucksack und die Hoffnung, dass sich die Situation verbessert. Im Moment sieht es allerdings nicht danach aus.

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