Die Gnomen erwachen zum Leben

Die Schwarzenburgerin Miriam Ernst hat das Leben ihres Vaters, des Künstlers Jürg Ernst, verfilmt. Entstanden ist dabei eine berührende Geschichte über den Gnomengarten und seinen Erschaffer.

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Annic Berset

Wie gross die Bedeutung von Jürg Ernsts Skulpturen und seinem Garten in Schwarzenburg ist, wird klar, wenn man die Menge an Zuschauern sieht, die an diesem sonnigen und heissen Tag den Weg ins Berner Kino Bubenberg gefunden haben. Es sind rund 200 Leute anwesend, die sich Miriam Ernsts Verfilmung über ihren Vater anschauen.

Im Film «Narrenbühl», sagt Jürg Ernst, er habe etwas kreieren wollen, was es nicht gibt. Und genau das hat er über ein Jahrzehnt lang mit seinem Gnomengarten in Schwarzenburg getan. «Eigentlich habe ich mit meinen Skulpturen meinen Kindheitstraum wahr gemacht», sagt Ernst im Film. Er habe bei seinem Vater, der ebenfalls Künstler war, schon als Kind bedauert, dass seine Figuren nur aufgemalt gewesen waren. «Sie haben sich nicht bewegt, nicht geleuchtet, nicht geduftet.» Dies hat er mit der Erschaffung des Gartens geändert, hat den Gnomen Leben eingehaucht.

Authentisch und berührend

In der Verfilmung wird deutlich, wie unermüdlich Ernst an den Figuren arbeitet, wie motiviert er ist und wie viel Kreativität in ihm steckt. «Alles, was die Gesellschaft so ‹uselaht›, verbetoniere ich», erklärt er in einer Szene.

Auch von gesundheitlichen Rückschlägen liess er sich nicht von seiner Arbeit abbringen. Weder vom kaputten Rücken noch von einem Hirnschlag, dessentwegen er das Sprechen wieder erlernen musste. Die Biografie, die Miriam Ernst über ihren Vater gemacht hat, ist echt, nicht übertrieben und gefühlvoll. Sie berührt die Zuschauer im Saal, und das nicht nur die eingefleischten Schwarzenburger oder die Freunde der Familie. Auch diejenigen, die sich überhaupt nicht mit dem Gnomengarten und dem Gnomenvater auskennen und auch keine Verbindung zu ihm haben. Keiner kann sich dem Bann der poetischen und manchmal surrealen Bilder entziehen.

«Mehr kann man aus meinem ganzen Wirrwarr, das ich rauslasse, nicht herausholen», sagt Jürg Ernst am Ende der Vorstellung nach den Standing Ovations des Publikums. Und er ergänzt: «Meine Tochter und ich sprechen also auch nach dieser intensiven Zeit noch miteinander.» In der Tat sei diese Zeit sehr intensiv gewesen, sagt auch die Filmemacherin Miriam Ernst. «Hunderte von Stunden habe ich im Schnittstudio verbracht, und nun bin ich überwältigt von den vielen positiven Reaktionen.»

Die Arbeit ist für die Schwarzenburgerin aber noch nicht ­vorbei. Nun gilt es, den Film für die Festivals vorzubereiten, damit er an anderen Orten präsentiert werden kann.

Berner Zeitung

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