Die Gewa-Stiftung liefert Essen für eine ganze Woche

Mittagessen für sechs Tage, fixfertig gekocht und in den Kühlschrank geliefert: Diesen wöchentlichen Service bietet die Stiftung Gewa seit Anfang Jahr. Obwohl das Geschäft für sie Neuland ist, verkauft sie bereits 1500 Menüs pro Woche.

Nudeln, Dorsch, Sauce und Gemüse: Angestellte der Stiftung Gewa machen die Essensportionen bereit.

Nudeln, Dorsch, Sauce und Gemüse: Angestellte der Stiftung Gewa machen die Essensportionen bereit.

(Bild: Urs Baumann)

Genau 180 Gramm Nudeln verteilt die Frau in jede weisse Plastikschale, dann schiebt sie sie zur Nachbarin weiter. Diese legt fünf Stückchen Dorsch und Seelachs aufs Teigwarenbett. Inzwischen hat der nächste Angestellte in der Reihe bereits 1,2 Deziliter Sauce geschöpft und überzieht so den Fisch. Der Letzte in der Reihe verteilt fein geschnittenes Gemüse über das Ganze. «Genau eine Hand voll», sagt er. Dann wiegt der Inhalt der Schale mindestens die deklarierten 430 Gramm und wird verschweisst.

Die Schale kommt zum Pasteurisieren in einen Ofen und dann zum Schockkühlen in den Kühlschrank. Zehn Tage lang ist die Mahlzeit dann haltbar. Wer sie bestellt, kann sie sich jederzeit in der Mikrowelle oder im Wasserbad aufwärmen.

Kartoffelstock ist beliebt

Anfang Jahr hat die Stiftung Gewa aus Zollikofen eine Mahlzeitendienst-Firma übernommen und selber mit der Produktion begonnen. Nun liefert sie jede Woche 1500 Schalen in die Kühlschränke von Firmen, Tagesschulen und überwiegend betagten Privatpersonen. Unter den 18 Menüs, die jede Woche zur Auswahl stehen, gibt es einen klaren Favoriten: Kartoffelstock – egal ob mit Geschnetzeltem oder mit einem Fleischvogel. Ein Menü kostet 13.40 Franken. Wer sich das Essen ins Haus liefern lassen möchte, muss pro Lieferung mindestens drei Schalen bestellen.

Nicht allein im Geschäft

Dass sich die Gewa ins Geschäft mit Mahlzeitenlieferungen vorwagt, ist nicht ganz ohne Risiko. In der Region Bern sind in diesem Bereich bereits zwei Anbieter tätig: die Altersheimbetreiberin Domicil und die Lebensmittelfirma Traitafina aus Lenzburg. Dazu kommt das Zürcher Unternehmen Menu and More, das sich erst vor ein paar Monaten den Auftrag für die Mahlzeitenlieferungen in die Berner Tagesschulen und Tagesstätten geschnappt hat.

Gewa-Chef Samuel Schmid lässt sich darob nicht entmutigen, «wir kamen immerhin in die Auswahl der drei besten Bewerber». Bis zu 2500 Mahlzeiten pro Woche könnte das Unternehmen produzieren, ergänzt Jan Rutschi, der Leiter Administration des Gastronomiebereichs, mit einem Blick in die neu eingerichtete Küche. Und eigentlich sei es auch das erklärte Ziel, «dass wir uns von den aktuell 1500 auf 2500 Menüs steigern», fügt er zuversichtlich an.

Ob sich die Kunden ihren Braten mit Kartoffelstock lieber von der Gewa oder von einem anderen Unternehmen liefern lassen, ist einerseits Geschmackssache: «Wir machen unsere Menüs mit Erhitzen haltbar und begasen sie nicht wie andere Lieferanten», sagt Helmut Walliser, der stellvertretende Leiter der Gastronomie bei der Gewa. Die Menüs, welche die Gewa an Privatpersonen liefert, sind ausserdem etwas günstiger. Eine Wochenration mit sechs Mahlzeiten kostet 80.40 Franken. Bei Domicil kostet das 88 Franken.

Ein weiterer Unterschied zu den Konkurrenzunternehmen: Die Gewa ist kein herkömmliches Unternehmen, sondern eine Stiftung, die Menschen mit psychischen Problemen hilft, im Arbeitsleben wieder Tritt zu fassen. 33 der 52 Angestellten, die bei der Gewa im Gastronomiebereich arbeiten, fänden in einer herkömmlichen Firma kaum Arbeit.

Der Markt verändert sich

Allerdings ist es auch für die Gewa nicht immer einfach, genug Jobs anzubieten. Das Spielwarengeschäft Chlätterbär, das die Gewa an der Amthausgasse in Bern betreibt, leidet laut Samuel Schmid unter der Konkurrenz von Internet und Grossverteilern. Und auch beim Büroservice merken die Verantwortlichen, dass sie neue Dienstleistungen anbieten müssen. Denn herkömmliche Büroarbeiten werden von Computern oft rascher und billiger erledigt.

Solche Veränderungen sind ein weiterer Grund für den neuen Mahlzeitendienst: So sorgt die Stiftung Gewa dafür, dass ihr die Arbeitsplätze nicht plötzlich ausgehen.

Berner Zeitung

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