Die gestärkte Mitte wird das Zünglein an der Waage spielen

Ressortleiter Stephan Künzi über den Ausgang der Wahlen in Köniz.

Stephan Künzi

Die fünf vollamtlichen Sitze im Könizer Gemeinderat sind vergeben, die grossen Veränderungen ausgeblieben. Wie in den letzten vier Jahren setzt sich das Gremium auch ab nächstem Jahr aus je einem Vertreter von SP, SVP, FDP, Grünen und GLP zusammen. Ein bürgerlicher Zweierblock wird einem links-grünen Zweierblock gegenüberstehen, die Mitte spielt das Zünglein an der Waage.

Wenn man das Wort schon bemühen will: Die grösste Überraschung der diesjährigen Wahlen gabs beim Sitz in der Mitte. Dass der grünliberale Thomas Brönnimann sich derart problemlos im Gemeinderat halten konnte, ist nicht selbstverständlich. Auch wenn er wegen der in Köniz so strikten Amtszeitbeschränkung als Einziger aus der alten Garde erneut antreten durfte und damit vom Bisherigenbonus umso stärker profitieren konnte: Bei seiner schmalen Wählerbasis konnte er nicht von vornherein davon ausgehen, dass mehr als ein Wackelsitz drinliegen würde.

Nur halb zufrieden war am Sonntag die SP. Sie hat zwar ihren Sitz problemlos verteidigt und mit Annemarie Berlinger auch ihre Kandidatin fürs Gemeindepräsidium mit Blick auf den zweiten Wahlgang bestens in Position gebracht. Ihr zweites Wahlziel, den vor zwei Jahren verlorenen zweiten Sitz zurückzuholen, verpasste sie aber, wenn auch nur knapp. Aufatmen konnten dafür die Grünen, zu deren Lasten der zusätzliche Sitz der SP gegangen wäre. Sie verloren zwar Wähleranteile, verteidigten ihr Mandat aber stabil.

Mit weniger Wähleranteil ihren Sitz gut gehalten hat auch die SVP. Regelrecht abgestürzt ist dafür die BDP. Sie folgte einerseits dem allgemeinen Abwärtstrend ihrer Partei, bekundete ­andererseits auch Mühe, junge, unverbrauchte Kräfte für sich zu gewinnen. Bei den Bürgerlichen konnte einzig die FDP Boden gutmachen. Hans-Peter Kohler, ihrem Kandidaten für die definitive Ausmarchung ums Gemeindepräsidium, kann das nur recht sein.

Die Ausgangslage für diesen 22. Oktober ist spannend. Der erste Wahlgang fürs Präsidium hat gezeigt, dass das links-grüne und das bürger­liche Lager hier fast gleich stark sind. Und dass sich in einem Monat SP-Frau Berlinger wohl mit FDP-Mann Kohler messen wird – auch in dieser Frage können die erstarkten Mitteparteien um GLP-Gemeinderat Thomas Brönnimann das Zünglein an der Waage spielen. Mit einer Wahlempfehlung oder allenfalls gar mit einer eigenen, dritten Kandidatur.

Für die Bürgerlichen wäre es schon ein Erfolg, wenn das Mittebündnis Stimmfreigabe beschliessen würde. Eine aktive Unterstützung ist nicht denkbar: Mit zu grosser Beharrlichkeit bekämpft es die Spez-Sek-Klassen in der Lerbermatt, für deren Erhalt sich Mister Spez-Sek Kohler genauso pointiert einsetzt.

Berner Zeitung

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