Die gefürchtete «Madame de»

Jegenstorf

Die Schlossspiele Jegenstorf gehen in die zehnte Runde. Diesmal mit einem Drama des Autors Daniel Ludwig. Die erfundene Geschichte rankt sich um das Leben von Madame de Meuron.

Aristokratin in schwarz: Madame de Meuron wird von Lilian Naef gespielt.<p class='credit'>(Bild: Iris Andermatt)</p>

Aristokratin in schwarz: Madame de Meuron wird von Lilian Naef gespielt.

(Bild: Iris Andermatt)

Seit zehn Jahren gibt es die Schlossspiele in Jegenstorf. Das Jubiläum feierten die Veranstalter am Samstag mit einer Uraufführung. «Madame de» wurde vom Berner Autor Daniel Ludwig als Milieu-Thriller geschrieben, und der Untertitel lässt keinen Zweifel offen, wer mit «Madame de» gemeint ist: «Wär i bi, weiss sowieso jede.»

Fantastische Geschichte

Wer sich dem Leben der eigenwilligen Aristokratin Elisabeth de Meuron-von Tscharner annähern will, tut jedoch gut daran, es nicht beim Besuch der Theaterinszenierung zu belassen. Die Geschichte ist der Fantasie des Autors entsprungen, unterlegt mit Rechercheresultaten aus der Burgerbibliothek und eigenen Kindheitserfahrungen. «Ich besuchte regelmässig die Pächterfamilie vom Betrieb Rümligen und sah, wie es dort zu und her ging», sagt Ludwig.

Um Distanz zum Original zu schaffen, verzichtete der Autor vollständig auf Zitate der exzentrischen Dame aus Bern. Ausdrücke wie «tenebo», was für die von Tscharner und Madame de Meuron als Losungswort für «die Stellung halten» galt, fliessen jedoch in das Stück ein. Und natürlich wird oft Französisch parliert.

Dunkle Geheimnisse

So stand sie also am Samstag vor ihrem Schloss in Jegenstorf, die gefürchtete «Madame de». Zuvor hatte noch eine Schreckensmeldung die Runde gemacht. Offenbar hatte sie ohne Aussprache und ohne Vorankündigung dem Pächter den Vertrag aufgekündigt. Ganz in schwarz gekleidet schritt sie den Weg zum Eingang empor, um mit ihrer Gefolgschaft den Ablauf des bevorstehenden Concours Hippique zu besprechen. Doch mysteriöse Schreie aus dem Innern des Schlosses lenkten immer wieder die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf sich.

Aus ruppigen Bemerkungen zum Gehörten wurde ein veritabler Streit, und bald einmal drangen dunkle Geschichten aus der Vergangenheit ans Tageslicht. Mittendrin ermahnte die Schlossherrin sich und ihre Grosskinder zu «tenebo». Der Aufruf blieb ungehört.

Ungehobelte Sprache

«Madame de» wird von Lilian Naef meisterhaft gespielt. Der aristokratische Dünkel, verbunden mit einer hohen Intelligenz, wirkt glaubhaft. Auch die restlichen Schauspieler überzeugen mit ihren Leistungen. Darunter Katja Flückiger, die beinahe seit Beginn der Schlossspiele mit dabei ist, diesmal in der Rolle er Köchin Gerda.

Gewöhnungsbedürftig ist der Einsatz der Sprache. Die Aristokratin war zwar für ihre herablassenden Ausdrücke bekannt. So nannte sie eine Landstreicherin ein «schturms Froueli und Tschaageli».

Doch in der Inszenierung von «Madame de» wird zünftig geflucht, Stammtischsprüche haben Hochkonjunktur. Es ist nicht ein Stück der feinen Seitenhiebe. Ein gut verdauliches Stück zu einem Mythos aber allemal.

Berner Zeitung

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