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«Die ganze Auktion ist ein Armutszeugnis»

Den Kunstmarkt wird Hirsts Aktion wenig erschüttern, sagt Kathleen Bühler, Gegenwartskuratorin im Kunstmuseum Bern. Die Kunstbranche spricht von einer Revolution, weil Damien Hirst seine Werke nicht über Galerien oder Kunsthändler, sondern direkt mit einer Auktion auf den Markt bringt.

Ist das wirklich ein Novum?

Kathleen Bühler: Vereinzelt gab es das schon. Ein Novum ist aber der immense Umfang von 223 Werken. Neu ist auch, dass ein Künstler dafür ein Jahr lang Werke wie am Fliessband produziert.

Allerdings hat sie nicht Hirst selbst produziert, sondern seine Werkstatt, also eine fleissige Schar von Hirst-Jüngern.

Das gab es schon immer. Rubens zum Beispiel hatte auch so eine Werkstatt, er selbst hat am Schluss vielleicht noch die Augen gemalt.

Hat Hirsts Massenproduktion später überhaupt noch den Wert, für den sie versteigert wurde?

Es ist wie mit einem Maybach-Auto, das mit Swarovski-Steinen verziert ist. Es ist ein Brand, ein Statussymbol, das immer eine bestimmte Klientel haben wird. So gesehen werden Hirsts Werke ihren Wert wohl behalten. Aber in meinen Augen ist es ein künstlerisches Armutszeugnis.

Inwiefern?

Hirst produziert Ikonen um des Marktwertes willen, nicht aus einer künstlerischen Entwicklung heraus wie zum Beispiel Picasso, dessen Ikonen wie das berühmte Gemälde «Guernica» eine Botschaft, ein politisches Anliegen hatte. Die ganze Auktion ist reine Geldmacherei.

Oder eine reine PR-Aktion wie beim diamantenbesetzten Schädel, den Hirsts Galerie selber gekauft hat, um den Marktwert künstlich oben zu halten.

Tja, wer weiss. Ich würde es jedenfalls nicht ausschliessen. Solche Events sind schliesslich dazu da, um einen Hype zu produzieren. Und Hirst weiss die Marktmechanismen sehr gut für sich auszunutzen.

Wird es nun Nachahmer geben? Kaum. Ich finde es eh eine Frechheit, dass Hirst den Verkauf über ein Auktionshaus als «demokratisch» bezeichnet.

Eine solche Aktion kann sich ja nur ein Künstler leisten, der das gleiche wirtschaftliche Format wie Hirst besitzt. Und davon gibt es nur sehr wenige.

Werden Galerien im Internetzeitalter, wo sich jeder selber vermarkten kann, längerfristig überleben können?

Es wird sicher zu einer Reduktion kommen. Aber Galerien leisten nach wie vor eine wertvolle Arbeit, indem sie Künstler aufbauen, begleiten und strategisch platzieren. Eine Karriere ist ein Langstreckenlauf, da braucht es Experten, die diesen Weg ebnen.

Zurzeit erlebt der Kunstmarkt einen wahren Boom. Geht es bald wieder abwärts, wie Hirst offenbar befürchtet?

Das kann gut sein. Jeder Markt ist Schwankungen unterworfen, zudem ist der Gegenwartskunstmarkt nicht so stabil wie der Altmeisterkunstmarkt. Letzterer erzielt aber auch niemals so überrissene Preise wie die Gegenwartskunst.

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