Die Fusion ist gut für die Finanzen

Die Fusion von Kirchdorf, Gelterfingen, Mühledorf und Noflen würde sich in der Gemeindekasse positiv auswirken, sagt Projektleiter Franz Müller.

Franz Müller: «Diese Fusion ist nicht mehr mit so grossen Emotionen verbunden wie das erste Projekt.»

Franz Müller: «Diese Fusion ist nicht mehr mit so grossen Emotionen verbunden wie das erste Projekt.»

(Bild: Urs Baumann)

Johannes Reichen

Die Einwohner von Kirchdorf, Gelterfingen, Mühledorf und Noflen haben Erfahrung mit Fusionsentscheiden. So weit wie jetzt haben sie es aber noch nie gebracht. Übernächsten Sonntag findet die alles entscheidende Schlussabstimmung statt. Das letzte Projekt scheiterte wegen des Neins aus Gerzensee noch vor der eigentlichen Abklärung.

Am 21. Mai sollen die Stimmberechtigten nun den Fusionsvertrag, das Reglement und das Organisationsreglement genehmigen. Tun sie es, kommt die Fusion auf Anfang 2018 zustande. Die neue Gemeinde hiesse Kirchdorf und würde rund 1700 Einwohner zählen. Alle vier Gemeinderäte empfehlen ein dreifaches Ja.

Stolzer Kantonsbeitrag

Franz Müller, Projektverantwortlicher und Kirchdorfer Gemeinderat (Forum), ist zuversichtlich. Im Herbst haben bereits alle vier Gemeinden in einer Grundsatzabstimmung Ja gesagt. «Zudem ist das Thema nicht mehr mit so grossen Emotionen verbunden wie beim ersten Projekt.»

Die Fakten sprächen klar für eine Fusion. Insbesondere fin­anziell ergäben sich nur Vorteile. Da wäre einmal der «schöne ­Fusionsbeitrag» des Kantons von rund 840'000 Franken. Die ­Kosten für die Umsetzung der Fusion von rund 390'000 Franken würden damit bei weitem ­gedeckt.

Ins Gewicht fiele auch die schlankere Organisation der neuen Gemeinde. Heute kommt die Verwaltung allein in Kirchdorf auf 400 Stellenprozente. Mit der Fusion wären es 420 Prozent für doppelt so viele Einwohner. Für die Übergangsphase würden jedoch zusätzlich 50 Prozent geschaffen. «Bei der Fusion in Fraubrunnen wurde der zusätzliche Aufwand in dieser Phase unterschätzt. Diesen Fehler wollen wir vermeiden.»

Neu würde die Verwaltung von drei auf einen Standort konzentriert. Pro Jahr fänden nur noch zwei statt acht ­Gemeindeversammlungen statt. «Damit kann eine Riesenarbeit eingespart werden», sagt Müller. Schliesslich könnte der Verkauf der nicht mehr benötigten Gemeindehäuser in Gelterfingen und Mühledorf die Gemeindekasse aufbessern.

Steuern liegen in der Mitte

Der Steuerfuss der neuen Gemeinde würde an einer Gemeindeversammlung am 9. November festgelegt. Er würde 1,59 Einheiten betragen oder leicht darunter liegen. Somit profitierten die Einwohner Noflens (aktuell 1,64 Einheiten) von einer Senkung. In Kirchdorf und Mühledorf (1,59) dürfte sich nichts ändern. Nur Gelterfingen (1,40) müsste eine Erhöhung in Kauf nehmen.

Gemeindepräsident Daniel Hublard (parteilos) misst dieser Tatsache wenig Bedeutung bei. «Die Kantonssteuern fallen viel mehr ins Gewicht als die Gemeindesteuern.» Er ist überzeugt, dass die Vorteile einer Fusion stärker gewichtet werden und tippt: «Wer A sagt, sagt auch B.» Denn bei der Grundsatzabstimmung sagte Gelterfingen klar Ja, wenn auch mit 62 Prozent am knappsten aller Gemeinden.

Das habe wohl mit den topografischen Verhältnissen zu tun, sagt Hublard. «Wir liegen sowohl in der Talebene wie auch auf dem Berg.» Die Orientierung ins Gürbetal sei deshalb grösser als bei den anderen Gemeinden.

Der Kanton unterstützt die Fusion, auch wenn es sich nicht um ein Grossprojekt handelt. «Immerhin würde die neue Gemeinde bezüglich Grösse in die erste Tabellenhälfte aufsteigen», sagt Rolf Widmer, Leiter der Abteilung Gemeinden. Denn noch immer zähle fast die Hälfte der bernischen Gemeinden weniger als 1000 Einwohner.

«Jede Fusion bringt eine Effizienzsteigerung in der Gemeinde», sagt Widmer. «Zum Beispiel müsste in diesem Fall statt vier nur noch ein ­Gemeinderatsgremium betreut werden.» Ob sich der Kantonsbeitrag längerfristig lohne und die Fusion wirtschaftlich erfolgreich sei, werde man sehen. Er solle aber auch einen Anreiz für die Gemeinden darstellen.

«Wenn mehr Gemeinden involviert sind, gibt es viel mehr ­Angriffspunkte, und manchmal macht die Grösse auch Angst», sagt Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP). Deshalb sei ein Ja in diesem Fall wahrscheinlicher als bei einer Grossfusion. Er ist also ebenso zuversichtlich wie der Projektleiter. Und doch sagt Franz Müller: «Etwas nervös bin ich schon.»

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