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Die Frau an der Schleuse

Claudia Schuler arbeitet als Schleusenwärterin in Port. Im Winter hat sie im Kabäuschen nicht so viel zu tun.

Hinter dieser Tür in Port bei Biel liegt das Reich von Schleusenwärterin Claudia Schuler.
Hinter dieser Tür in Port bei Biel liegt das Reich von Schleusenwärterin Claudia Schuler.
Beat Mathys

Langsam leert sich das Schleusenbecken. Das kleine Motorschiff mit dem beladenen Anhänger schwebt in die Tiefe. Es sieht nach Routine aus für Schleusenwärterin Claudia Schuler: Eine Baufirma will heute eine Ladung Steine und Kies vom Bielersee nach Solothurn transportieren. Dafür muss das Schiff die Schleuse beim Regulierwehr in Port passieren.

Claudia Schuler: Von diesem Display aus steuert sie den Schiffsverkehr. Fotos: Beat Mathys
Claudia Schuler: Von diesem Display aus steuert sie den Schiffsverkehr. Fotos: Beat Mathys

Heute beträgt die Differenz zwischen den beiden Niveaus 2,8 Meter, mehr als die üblichen 2,5 Meter. Das Schleusenbecken ist so breit und lang wie immer, 12 mal 52 Meter. Die Schiffskomposition ist fast gleich lang wie das Becken. Das führt zu einem Problem.

Das kleine Schiff, das den Lastkahn lenkt, bleibt auf dem Betonabsatz vor dem Schleusentor hängen. Das Schiff stellt sich auf, gerät immer mehr in Schieflage. Ein paar Meter über dem Schiff öffnet Schuler die Tür ihres Kabäuschens und tritt hinaus an den Rand des Beckens.

Im kleinen Häuschen

Sie hat den Alarmknopf gedrückt, sodass sich das Becken wieder füllen sollte. Doch auch das klappt heute nicht so richtig. Sie braucht Hilfe. «Kannst du mal kommen?», ruft sie ihrem Kollegen zu, der zufällig vor Ort ist. Gemeinsam lösen sie das Problem, bald verlässt der Kahn Port in Richtung Solothurn. Der Schiffsführer kündigt noch rasch für den nächsten Tag einen Transport an.

Dieser Schlepper hat sich in der Schleuse verkeilt.
Dieser Schlepper hat sich in der Schleuse verkeilt.

«Ich habe ihm noch gesagt, er solle aufpassen», sagt Schuler und regt sich ein bisschen auf. «Das sind Momente, die nicht sein müssten.» Es ist ihr lieber, wenn alles planmässig verläuft an der Schleuse in Port. Vor fünfzehn Jahren meldete sich die gelernte Verkäuferin auf ein Stelleninserat beim Kanton. Nun teilt sie sich die Aufgabe an der Schleuse mit ihrem Kollegen und zwei Kolleginnen. 365 Tage im Jahr.

Probleme mit Böötlern

Schuler öffnet die Tür zum Häuschen mit den getönten Scheiben, damit es von aussen nicht einsehbar ist. Ein paar Quadratmeter, ein kleiner Tisch, an der Wand hängen Schiffsfahrpläne und Merkzettel, das Herzstück aber ist das Display am Fenster. Von hier aus steuert die Wärterin den Schiffsverkehr. Sie kann die Ampeln auf Grün und Rot stellen, die schweren Schleusentore bedienen und die oberen und unteren Schieber bewegen, damit das Wasser rein- und wieder rausläuft.

«Manchmal kann es etwas einsam werden. Im Winter gibt es Tage, da kommt kein einziges Schiff.»

Claudia Schuler, Schleusenwärterin Regulierwehr Port

Jedes Jahr passieren gegen 5000 Schiffe und Boote die Schleuse: Kursschiffe, Lastkähne, Motorschiffe, Gummiboote, Kanus. «Kursschiffe und die Seepolizei haben immer Vortritt», sagt die Wärterin. Im Sommer herrsche manchmal grosser Andrang, dann müssten sich die privaten Bootsführer halt eine Weile gedulden. «Bei Rot müssen die Boote an den Stegen beim Ober- und beim Unterwasser warten.» Leider hielten sich nicht alle daran. Manchmal hat sie Probleme mit Gummiböötlern, die sich zusammenbinden. «Aber das ist verboten.»

Jedes Jahr passieren fast 5000 Schiffe und Boote diese Schleuse.
Jedes Jahr passieren fast 5000 Schiffe und Boote diese Schleuse.

Auch keine gute Idee ist es, wenn sie sich an der Schleusenwand festmachen und dann in der Luft hängen, wenn sich das Wasser abgesenkt hat. Vor allem aber im Sommer, wenn die Schleuse täglich von 7 bis 19.30 Uhr geöffnet ist. Jetzt, zwischen Oktober und April, sind die Betriebszeiten kürzer. Schleusungen gibts nur gegen Voranmeldung.

Tage ohne Schiff

Es wird Mittag an der Schleuse. Der grösste Teil der Arbeit ist für heute getan. Am Nachmittag wird Claudia Schuler nochmals vorbeikommen und kontrollieren, ob alles in Ordnung ist. Und um 17 Uhr wird sie noch eine Leerschleusung durchführen, die Mails checken und den Anrufbeantworter abhören. Um zu erfahren, ob sich für den nächsten Tag noch ein weiteres Schiff ankündigt hat.

Im Winter ist es meistens ruhig. «Es gibt Tage, da kommt kein einziges Schiff.» Dann braucht Claudia Schuler nicht ständig vor Ort zu sein. Sie wohnt in der Nähe, sie ist schnell da, wenn es sein muss. «Nur kann es manchmal etwas einsam werden», sagt sie. Dann freut sie sich an den Spuren im Gras, die «Schleubi» hinterlässt. So heisst der Biber, der seit Jahren in der Nähe lebt. Wenn er die Seite wechselt, macht er meistens einen Umweg um das Wehr. Aber manchmal lässt er sich auch rauf- oder runterschleusen.

Für den BZ-Adventskalender schauen wir bis Weihnachten jeden Tag hinter eine Tür, die sonst nicht geöffnet wird oder werden darf. Hier können Sie nachlesen, wo wir bisher zu Besuch waren:

Was sich hinter dieser Tür im Berner Inselspital verbirgt, erfahren Sie im letzten Bericht unserer Serie: Die Adventstür vom 24. Dezember.
Was sich hinter dieser Tür im Berner Inselspital verbirgt, erfahren Sie im letzten Bericht unserer Serie: Die Adventstür vom 24. Dezember.
Christian Pfander
Durch diese gfürchige Tür dürfen nur wenige gehen. Wer das ist, erfahren Sie hinter der Adventstüre vom 23. Dezember.
Durch diese gfürchige Tür dürfen nur wenige gehen. Wer das ist, erfahren Sie hinter der Adventstüre vom 23. Dezember.
Florine Schönmann
Hinter dieser Tür im Erlacherhof befindet sich das Sitzungszimmers der Stadtregierung. Wie es dort aussieht, lesen Sie hier: Adventstüre vom 1. Dezember.
Hinter dieser Tür im Erlacherhof befindet sich das Sitzungszimmers der Stadtregierung. Wie es dort aussieht, lesen Sie hier: Adventstüre vom 1. Dezember.
Beat Mathys
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