Die Fassade reicht bis nach Zürich

Im Murifeld entstehen derzeit 170 Mietwohnungen, die ab Frühling 2020 bezugsbereit sind. Es ist das erste Bauprojekt, bei dem die städtische Wohninitiative greift.

170 Mietwohnungen eingefasst von Hartbrandziegeln: So soll die Wohnsiedlung Weltpost Park dereinst aussehen.

170 Mietwohnungen eingefasst von Hartbrandziegeln: So soll die Wohnsiedlung Weltpost Park dereinst aussehen.

(Bild: Visualisierung: PD)

Michael Bucher@MichuBucher

Nicht zum Spatenstich, zur Grundsteinlegung oder zur Aufrichte, nein zur Baustellenbesichtigung luden am Dienstag die Verantwortlichen der Überbauung Weltpost Park. Bei Grossprojekten ist ein solcher Anlass mittlerweile State of the Art.

Informationen zum Stand der Arbeiten, Baustellenbegehung, gegenseitiges Lobpreisen, Apéro riche: Vom Standardablauf wurde am Dienstag auch im Murifeld nicht abgewichen. Zugegen waren die Investoren (Swiss Prime Site AG und Allianz Suisse Immobilien AG), das Totalunternehmen (Frutiger AG) und der Stadtpräsident (Alec von Graffenried).

Lob dem Immobilienriesen

Das Objekt, derentwegen die Herren eingeladen hatten, befindet sich noch im Rohbau. Auf dem Grundstück an der A6, wo einst ein Fussballplatz und Tennisplätze standen, werden ab Frühling 2020 drei fünfstöckige Wohnblöcke stehen mit 170 1,5- bis 5,5-Zimmer-Wohnungen.

Obwohl erst im Frühling dieses Jahres Baubeginn war, haben zwei der drei Gebäude bereits ihre vorgesehene Höhe erreicht. Swiss Prime Site, die Investorin mit einem schwindelerregenden Immobilienportfolio von 11 Milliarden Franken, ist zufrieden mit den Fahrplan. Das Immobilienunternehmen bekam von der Grundeigentümerin (Burgergemeinde Bern) das Baurecht gewährt. Sobald die Überbauung fertiggestellt ist, geht diese an die Allianz Suisse über.

Für die Stadt Bern läutet der Weltpost Park eine neue Ära ein. Denn erstmals wurden bei der Planung die Forderungen der 2014 von der Stimmbevölkerung angenommenen Wohninitiative berücksichtigt – obwohl noch ein Bundesgerichtsurteil dazu aussteht. Diese verlangt,dass bei Um- und Neueinzonungen mindestens ein Drittel des Wohnraums in Kostenmiete angeboten wird.

Dass solche Vorgaben für potenzielle Investoren etwas abschreckend wirken können, ist Alec von Graffenried bewusst. Dementsprechend gabs vom Stapi viel Lob für den Generalunternehmer. «Dass sich der grösste Player auf dem Schweizer Immobilienmarkt mit dem Anliegen der sozialen Durchmischung identifiziert und von sich aus bereit ist, einen Drittel der Wohnungen zur Kostenmiete anzubieten, ist ein starkes Zeichen», sagte er.

Gemäss Allianz Suisse wird sich die Kostenmiete (netto) für eine 2,5-Zimmer-Wohnung bei 1300 Franken bewegen, bei 4,5 Zimmern werden rund 2000 Franken fällig. Die Marktmieten sind indes noch nicht bestimmt.

Eis hilft beim Heizen

«Nachhaltigkeit», «Energieeffizienz», «2000-Watt-Gesellschaft»: Beinahe mantrahaft wiederholen die Verantwortlichen die Schlagworte der Stunde. Die Überbauung im Minergie-Eco-Standard besticht in den Augen der Entwickler vor allem durch zwei nicht alltägliche Installationen.

Zum einen wären das die drei Eisspeicher, welche bei einem Durchmesser von 30 Metern rund 6 Meter in den Boden reichen. Vereinfacht gesagt wird dort im Winter beim Gefrierprozess des Wassers Energie gewonnen, um die Mietwohnungen zu heizen.

Auffallend wird auch die Klinkerfassade sein. Diese sei zwar teuer, meinte Bauleiter Michael Baumberger, die doppelte Schale besteche jedoch durch ihre Nachhaltigkeit. Da ist es wieder, das Wort der Stunde. Die Menge an Hartbrandziegeln für die Fassaden ist imposant. Würde man diese aneinanderreihen, reichten sie bis nach Zürich. Und: Bis alle Steine in der Fassade verbaut sind, dauert es rund ein Jahr.

Berner Zeitung

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