Die Diebe schlichen sich mit Präservativen an

Zollikofen

Die Gemeindeverwaltung von Zollikofen wurde von Einbrechern heimgesucht. Die ungebetenen Gäste nahmen 20'000 Franken an sich – und setzten für ihren Coup auf unkonventionelle Methoden.

20'000 Franken konnten Diebe aus dem Tresor der Gemeindeverwaltung von Zollikofen stehlen (Symbolbild).

20'000 Franken konnten Diebe aus dem Tresor der Gemeindeverwaltung von Zollikofen stehlen (Symbolbild).

(Bild: Fotolia)

Stephan Künzi

Fast könnte man meinen, in Zollikofen begänne die närrische Zeit schon heute. Kurz vor Weihnachten melden sich die Fasnächtler des Vororts von Bern auf ihrer Website mit einem ersten launigen Beitrag zu den schönsten Tagen des nächsten Jahres zu Wort. Das erstaunt umso mehr, als sie jeweils lange nach allen anderen zu feiern pflegen. Wie die sprichwörtliche alte Fasnacht – aber eben, diesmal gibt ihnen die Gemeindeverwaltung lange vor dem Spätwinter eine Steilvorlage, die sie sich nicht entgehen lassen wollen.

Passiert ist es vorletzte Woche, in der Nacht von Donnerstag auf Freitag. Dunkle Gestalten machten sich am Gemeindehaus zu schaffen und fanden schliesslich einen Weg hinein, indem sie eine schwere Metalltüre aufwuchteten. Sie fanden die Tresore, in denen die Gemeinde ihr Bares aufzubewahren pflegt, und sie wussten auch schon, wie sie an ihre Beute kommen wollten. Eine Trennscheibe sollte es richten.

In ihrem Treiben liessen sie sich nicht einmal durch die Rauchmelder stoppen, die im Raum angebracht waren. Sie hatten vorgesorgt: Um zu verhindern, dass die Dinger unvermittelt losgingen, hatten sie Präservative dabei. Diese stülpten sie nun flugs über die Sensoren – was den scharfen Beobachtern aus den Reihen der Narrenzunft eine erste süffisante Bemerkung entlockt: «Nicht jeder mit einem Pariser in der Hand will Sex», halten sie im Internet fest.

Es sollte nicht der einzige Seitenhieb bleiben. Immerhin konnten die dreisten Diebe nicht weniger als 20'000 Franken abstauben, als sie ihr Werk vollbracht hatten. «Offenbar sind heute die Gebühren bei den Banken höher als die Zinserträge, wenn man solche Beträge lieber im heimischen Tresor hütet», schreiben die Fasnächtler (sie taten dies übrigens noch vor den jüngsten Beschlüssen der Nationalbank, die die Angst vor Negativzinsen für Kleinsparer derart befeuerten). Und: «In Buchsi wären solche Einbrüche sinnlos», flapsen die Narren weiter. Aha. Einmal mehr bekommen die Nachbarn ihr Fett weg. In den Kassen der Gemeinde Münchenbuchsee herrscht nämlich gähnende Leere.

Die Behörden ihrerseits haben sofort Erklärungen parat. Für die 20000 Franken etwa, die laut Gemeindepräsident Daniel Bichsel (SVP) «der betriebsnotwendigen Liquidität» entsprechen. Der Betrag lasse sich nicht zuletzt damit erklären, fährt Bichsel fort, dass die Sozialhilfe ihr Geld zum Teil in bar auszahle. Womit er elegant den Bogen nach Münchenbuchsee schlagen kann: Bei den Nachbarn lägen die Dinge anders. Sie hätten den Sozialdienst an den Fürsorgeverband abgegeben – und bewahrten allein deshalb weniger Bares im Tresor auf.

Eine Sauerei haben die Einbrecher auch noch hinterlassen. Im Putzraum hatten sie mehr oder weniger scharfe Mittel gefunden, die sie zum Beseitigen der Spuren äusserst grosszügig anwendeten. Dass sie gleichzeitig auch Gebührenmarken tränkten und den Siegellack des Bodens zerstörten, war ihnen egal. Mit der Beute im Sack stand ihnen der Sinn nur nach einem: möglichst schnell weg.

Berner Zeitung

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