Die Detaillisten schöpfen Hoffnung

Liebefeld

Die Neuhausplatzgemeinschaft im Liebefeld ist zuversichtlich, dass die neue Metzgerei Kunden anziehen wird.

Marianne Künzi hält grosse Stücke auf den Fabrikladen des Fleischverarbeiters Lüthi & Portmann.

Marianne Künzi hält grosse Stücke auf den Fabrikladen des Fleischverarbeiters Lüthi & Portmann.

(Bild: Raphael Moser)

Stephan Künzi

Kehrt etwas vom alten Glanz an den Neuhausplatz zurück? Lange Jahre pulsierte mitten im Liebefeld das Leben. Laden reihte sich an Laden an der Kreuzung, die heute ein Kreisel mit farbiger Pyramide ist. Eine Reklame aus den späten 1970er-Jahren zeigt neben den Grossverteilern Mi­gros und Coop zahlreiche Detaillisten. Milch- und Käsespezialitäten gab es hier ebenso zu kaufen wie Radios und Fernseher, Textilien und Mercerie, Uhren und Schmuck oder Velos und Töffli. Auch zwei Schuhhandlungen, eine Apotheke, eine Bäckerei und eine Bank gingen ihren Geschäften nach.

Verlust der Migros schmerzt 

Seit gestern ist Marianne Künzi guten Mutes, dass das Liebefeld wieder an diese Vergangenheit anknüpfen kann. Die vielen Leute, die an diesem Freitagvormittag den Neuhausplatz beleben, bestätigen die Präsidentin des Vereins Neuhausplatzgemeinschaft in ihrer Zuversicht. Am Morgen hat im markanten halbrunden Neubau der Fleischverarbeiter Lüthi & Portmann seinen Fabrikladen aufgemacht. Er bietet neben Fleisch im Offenverkauf und in den üblichen abgepackten Kleinmengen auch grössere Stücke in Selbstbedienung an. In einem separaten, begehbaren Kühlraum.

Der Andrang werde wohl nicht immer so gross sein, «schliesslich gibt es zur Eröffnung etwas gratis», wirft Marianne Künzi relativierend ein. Trotzdem verspricht sie sich vom neuen Angebot einiges. Detailhändler mit Lebensmitteln würden generell für einen konstanten Zustrom sorgen, sinniert sie. Umso besser, wenn sie wie der neue Fabrikladen neben privaten Abnehmern auch Wirte und Wiederverkäufer ansprächen.

Mehr Kunden hat der Neuhausplatz dringend nötig, die Ladengemeinschaft jedenfalls klagt seit Jahr und Tag über mangelnde Frequenzen. Akzentuiert hat sich die Situation vor 15 Jahren, als nach Coop auch die Migros ihre Filiale am Neuhausplatz dichtmachte. Seither, so die Klage, fehle das Angebot des täglichen Bedarfs und damit die für die verbliebenen Läden so wichtige Laufkundschaft.

Reis, so weit das Auge reicht

Wobei – leere Ladenlokale gibt es rund um den Neuhausplatz nur wenige, und auch die Lebensmittel fehlen nicht. Angeboten werden sie allerdings von Ausländern, entsprechend fremd fällt ihr Sortiment aus. Schweizer liessen sich davon nur bedingt ansprechen, hielt Marianne Künzi schon bei früherer Gelegenheit fest. In dieser Meinung fühlt sie sich bei einem Bummel durchs Quartier bestätigt.

Erst schaut sie beim Asiaten vorbei, wo ein feiner fernöstlicher Geruch durchs Lokal wabert, später beim Araber. Hier wie dort sticht gleich der Reis ins Auge, in grossen Säcken und unzähligen Varianten steht er zum Verkauf bereit. Beim Asiaten liegen weiter rätselhafte Gemüseknollen im Regal, beim Araber ziehen grosse Flaschen mit Joghurtspezialitäten die Aufmerksamkeit auf sich. Dafür entspricht sein Gemüse dem, was Schweizer für gewöhnlich einkaufen.

Das Ladenpersonal pflichtet Marianne Künzi bei. Die einheimische Kundschaft sei klar in der Minderheit, heisst es sowohl beim Asiaten als auch beim Araber. So weit die sprachlichen Barrieren überhaupt eine Verständigung zulassen – das Auge der Präsidentin bleibt derweil unvermittelt doch noch in der Auslage hängen. Die Oliven haben ihr Interesse geweckt.

Wieder draussen, blickt Marianne Künzi zur gegenüberliegenden Strassenseite, wo sich in zwei sichtbar angejahrten Häusern je ein einfacher Imbiss eingemietet hat. Einer sei bis vor kurzem ein auf afrikanische Frisuren spezialisiertes Coiffeurgeschäft gewesen, blickt sie zurück. Und: In den alten Lokalen komme es halt regelmässig zu Wechseln. Der Bummel führt ihr dies eins zu eins vor Augen: Zweimal stutzt sie beim Vorbeigehen, zum ersten Mal, als sie statt des erwarteten Trödlers den Asiaten mit seinen Lebensmitteln antrifft, zum zweiten Mal, als sie beim Tattoostudio vor einem leeren Fenster steht.

Landi hat reagiert

Hiesige Lebensmittel bietet im weiteren Umkreis des Neuhausplatzes die Landi. Die letzte Station an diesem Vormittag liegt knapp 400 Meter entfernt mitten in der Industrie, und Marianne Künzi gerät ins Schwärmen: Seit dem Verschwinden der Migros sei das Sortiment sukzessive ausgebaut worden. «Heute findet man hier alles, was es zum Leben braucht.»

Berner Zeitung

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