Die Berner Firma Eico macht dem Osterhasen Konkurrenz

Bern

30'000 Eier werden in einer Stunde gekocht und gefärbt. Bei der Firma Eico in Bern laufen die Maschinen in den Tagen vor Ostern auf Hochtouren. Doch auch übers Jahr sind die farbigen Eier gefragt.

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«Pfffff -tschgg.» So tönt es, wenn aus zwölf nebeneinanderliegenden Düsen während fünf Sekunden flüssige Farbe sprüht. In Zwölferreihen aufgestellt drehen sich die noch weissen Eier vor der Düse wie Balletttänzerinnen um die eigene Achse. Nach dem ersten «Pfffff» sind sie unten blau und oben gelb. Nach dem zweiten rund um den Bauch ganz violett. Doch nicht alle zwölf sehen nach diesem Vorgang gleich aus. Immer nur zwei werden in den gleichen Farben besprüht. Denn nach dem Trocknen werden sie automatisch in Eierschachteli gefüllt. Je eines pro Farbe. Auf der Anlage nebenan tönt es zwar gleich. Das Resultat ist aber ein anderes: Dort werden die unifarbenen Eier gefärbt und von flinken Frauenhänden in Zehnerschachteln verpackt. Auch hier kommt kein Ei der gleichen Farbe in die gleiche Schachtel. Ein anderes Verfahren brauchen die Bioeier. Sie werden auf farbgetränkten Schwämmchen geschüttelt, bis sie gleichmässig marmoriert sind. «Die Farben müssen aus organischem Material sein», sagt Eico-Geschäftsleiter Hannes Messer.

Vom Bauernhof in die Färberei

Die Reise der Eier beginnt auf dem Bauernhof. Schon Stunden nachdem sie gelegt worden sind, sind sie bei der Firma Eico an der Weyermannsstrasse in Bern. In der «Ankunfts»-Halle riecht es denn auch nach Hühnerstall. Stichprobenweise werden die Eier auf ihre Frische geprüft und kommen danach in die Sortiermaschine. Dort werden zuerst die offensichtlich beschädigten aussortiert, danach werden sie maschinell nach unsichtbaren Sprüngen abgeklopft und zuletzt durchleuchtet zum Feststellen allfälliger Bluteinschlüsse. Zuletzt wird jedes Ei nach Gewicht in eine separate Bahn gelenkt. Ein Teil gelangt von dort aus als Roheier in den Verkauf. «Die Grösse der Eier ist auch für die Färberei wichtig, denn kleinere Eier eignen sich besser», sagt Hannes Messer. Ihre Schale sei dichter und darum weniger bruchanfällig. Ebendiese Eier mit einem Gewicht von unter 70 Gramm werden vor dem Transport in die Färberei im oberen Stockwerk noch etwas gelagert, weil sich frische Eier weniger gut schälen lassen. Vor der Kochstrasse, einem langen Tunnel aus Chromstahl, legt ein Mitarbeiter die Eier in Zwölferreihen auf ein Förderband. So durchlaufen sie die Kochschlaufe. «Es ist wichtig, dass die Eier alle gleich schwer sind, denn sie sollen so gekocht werden, dass sie ganz im Innern noch etwas flüssig sind.» Hannes Messer ist überzeugt, dass eine so regelmässige Eierkocherei zu Hause in der eigenen Küche gar nicht möglich sei. Er bricht unmittelbar nach der Kochstrasse ein noch heisses Ei auf. Tatsächlich ist ganz im Innern das Eigelb noch leicht flüssig. «Beim Nachgaren wird sich das geben», sagt er. 30'000 Eier werden durchschnittlich pro Stunde gekocht und gefärbt. «Früher war das Eierfärben ein sehr saisonales Geschäft», weiss Hannes Messer.

Nicht nur an Ostern

In den letzten Jahren habe sich das geändert. «Wir machen heute vor Ostern knapp 50 Prozent der Jahresproduktion und nach Ostern etwas über 50 Prozent.» Das gleiche Produkt hat dann eben verschiedene Namen. Was übers Jahr Picknick- oder Salatei heisst, ist an Ostern ein Osterei. «Vor Ostern arbeiten rund zehn Personen mehr bei uns», sagt Messer. Übers Jahr sind 60 Personen in der Eico beschäftigt. Es werden zu drei Vierteln Schweizer Eier angeliefert und zu einen Viertel Eier aus dem EU-Raum. «Pfffff-tschgg» macht die Maschine, flinke Hände legen die farbigen Eier in die Verpackungen, grosse Kartonschachteln werden gefüllt, und ab geht die Osterpost zu den Grossverteilern – und von dort in so manches Osternest.

Berner Zeitung

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