Die Behauptung des Kantons bleibt unbelegt

Der Kanton sagt nach wie vor nicht, wieso er die Alleen in den Unterlagen zur Tramabstimmung Bern-Ostermundigen derart schlechtgeschrieben hat.

Wie steht es um die Bäume an der Viktoria- und Ostermundigenstrasse?

(Bild: Urs Baumann)

Auf welche Unterlagen stützte der Kanton seine Behauptung, ein Drittel der Bäume entlang von Viktoria- und Ostermundigenstrasse seien «krank oder wachstumsschwach» und müssten «in den nächsten 15 Jahren ohnehin durch Jungpflanzen ersetzt werden»?

Die Frage blieb auch am Donnerstag, einen Tag nach der Veröffentlichung des Baumgutachtens von Fabian Dietrich, völlig offen. Die Gegner der Tramlinie, die Bern dereinst mit Ostermundigen verbinden und an beiden Alleen eine arge Reduktion der Bestände zur Folge haben wird, hatten die Expertise in Auftrag gegeben. In der Hoffnung, ein Argument mehr gegen das ungeliebte Projekt in die Hände zu bekommen.

Dietrich hat es tatsächlich geliefert. Er hielt fest, dass höchstens 16 Prozent und damit nur halb so viele der 221 Bäume mittelfristig keine Zukunft hätten. Akut bedroht seien sogar nur 18 Exemplare – umso mehr würde da interessieren, wie der Kanton auf sein Drittel kam, das er in den Unterlagen zur Tramabstimmung ausdrücklich so festgeschrieben hatte. Und so den Gegnern den Wind aus den Segeln zu nehmen versuchte.

Die kantonale Verkehrsdirektion mochte auf die brennende Frage schon am Mittwoch keine Antwort geben. Viel lieber verwies sie an die Staatskanzlei, weil diese für das Abstimmungsbüchlein zuständig sei. Diese wiederum reichte gestern die heisse Kartoffel an die grossrätliche Kommission für Staatspolitik und Aussenbeziehungen (SAK) weiter. Um mit Blick darauf, dass die Abstimmungsbeschwerde der Gegner vor Bundesgericht noch immer hängig ist, gleich noch zu ergänzen: «Zu laufenden Verfahren gibt die SAK keine Auskunft.»

Aus den Reihen der Tramgegner, die über Staatskanzlei und Verkehrsdirektion ebenfalls bereits an die Information zu kommen versuchten, sickerte wenigstens so viel durch: Offenbar führt die Stadt Bern einen Kataster über die Bäume. Über deren Gesundheitszustand sagt dieser aber nichts aus.

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