Die Asylunterkunft in Niederscherli bewegt

Niederscherli

Der Informationsabend zur Unterkunft für Asylsuchende zog sehr viele Leute an. Trotz einiger kritischer Voten blieb die Stimmung weitgehend positiv.

Grosses Interesse: Rund 400 Leute wollten sich über die geplante Unterkunft für Asylsuchende informieren.

Grosses Interesse: Rund 400 Leute wollten sich über die geplante Unterkunft für Asylsuchende informieren.

(Bild: Raphael Moser)

Stapelweise werden Stühle in die Turnhalle geführt. Dennoch gibt es nicht für alle Anwesenden eine Sitzgelegenheit. Das Interesse am Informationsabend zur geplanten Unterkunft für Asylsuchende in der Zivilschutzanlage Bodengässli war am Mittwochabend gross.

Ursprünglich sollte in der Aula informiert werden, doch aus Platzgründen mussten die Organisatoren in die Turnhalle ausweichen. Rund 400 Leute wollten wissen, was sie erwartet, wenn Anfang November die ersten Asylsuchenden in Niederscherli eintreffen werden.

Das Leben der Flüchtlinge sei «kein Zuckerschlecken», sagt Dominik Wäfler von der Heilsarmee Flüchtlingshilfe und erzählt von den engen Platzverhältnissen mit den Dreistockbetten und den 9.50 Franken, die jeder und jede pro Tag zur Verfügung hat, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Die Anwesenden hören interessiert zu, auch, als Iris Rivas, die Leiterin des Migrationsdienstes, einen Überblick über die kantonale Situation liefert und Gemeindepräsident Ueli Studer (SVP) die Beweggründe des Gemeinderats erläutert. Dieser hatte sich geschlossen und aus eigener Initiative dafür ausgesprochen, dem Kanton die Zivilschutzanlage neben dem Schulhaus zur Verfügung zu stellen und so bis zu 100 weitere Plätze für Asylsuchende zu schaffen.

Die Nähe zum Schulhaus ist es auch, die einigen Anwohnern Kummer bereitet. Sie habe Angst, ihre Tochter abends alleine nach draussen zu schicken, sagt eine Frau, und ein Anwohner zweifelt, dass der geplante Zaun, der die Unterkunft vom Schulareal trennen solle, Wirkung zeigen werde.

Engagierte Diskussion

Die Verantwortlichen betonen mehrmals, dass es in der Gemeinde, also in der Kollektivunterkunft Sandwürfi, noch nie Probleme mit den Bewohnern gegeben habe. «Es gibt keine Garantie, dass nie etwas passiert», sagt Dominik Wäfler, und Studer ergänzt, dass man diese auch nicht geben könnte, wenn keine Asylsuchenden nach Niederscherli kämen. Die Diskussion ist engagiert. Eingeplant wäre eine halbe Stunde, die Fragerunde dauert jedoch gut doppelt so lange.

Trotz der Brisanz des Themas – die Leute bleiben ruhig und meist sachlich, sodass der Informationsabend sehr geordnet verläuft. Einzelne kritische Voten zum Zentrum lösen Pfiffe, aber auch Applaus aus. Studer betont, dass es eine aussergewöhnliche Situation sei, die viele Herausforderungen mit sich bringe. «Auch wir vom Gemeinderat wissen noch nicht alles.» Aber er sei zuversichtlich, dass die Gemeinde das bewältigen könne. Die Asylunterkunft bewegt.

Auch in der Schule. Schulleiter Sam Meyer erzählt, dass seine Schüler auf ihn zugekommen seien mit dem Wunsch, die Unterkunft zu besichtigen. Es sei nicht nur ein Nebeneinander, sagt er, sondern vielleicht auch mal ein Miteinander.

Grüssen und Lächeln

Dora Schenk hat im Asylzentrum Riggisberg tagtäglich mit Flüchtlingen zu tun. Sie erzählt von den positiven, bereichernden Erfahrungen, die sie immer wieder macht. Sie versucht, den Anwesenden die Ängste zu nehmen, und hat für sie einen Rat: Die Leute sollen die Asylbewerber grüssen und lächeln. «Das ist etwas Winziges, das aber eine enorme Wirkung hat.»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt