Die Archäologie als mögliche Spielverderberin

Kallnach

Der geplante Kiesabbau in Kallnach rief an einem Informationsabend keine kritischen Fragen hervor. Im Boden liegen aber wichtige archäologische Funde. Deren Ausgrabung könnte teuer werden.

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Unter dem Challnechwald an der Hauptstrasse zwischen Kallnach und Fräschels liegen wertvolle Bodenschätze: eine gut 20 Meter mächtige Kiesschicht mit einem Volumen von 3,1 Millionen Kubikmetern. Diesen wertvollen Rohstoff möchte die Hurni Kies- und Betonwerk AG aus Sutz in den nächsten 40 Jahren abbauen und damit die Region versorgen. Zurzeit läuft das Verfahren für die Überbauungsordnung.

Aus der Eisenzeit

Unter dem Boden liegen aber auch archäologische Schätze. Nachgewiesen sind hallstattzeitliche Grabhügel aus der Zeit von 800 bis 400 vor Christus. Daneben vermuten Experten weitere Anlagen und Wege. Gestützt auf ein Gutachten könnten diese Funde quantitativ und qualitativ von kantonaler Bedeutung sein. In den nächsten Wochen sollen Sondierungen im geplanten Abbaugebiet weitere Aufschlüsse über diese Schätze geben.

Diese archäologischen Grabungen könnten teuer werden. An einem Infoabend in Kallnach sagte Martin Hostettler, der Projektleiter für das Abbauprojekt, dass die Kosten noch nicht bestimmt seien, aber 18 bis 20 Millionen Franken im Raum stünden. Zurzeit verhandeln die Burgergemeinde Kallnach als Landeigentümerin, die Hurni AG und der Archäologische Dienst über den Kostenverteiler. Es sind Beiträge vom Bund zu erwarten.

Je mehr die Burgergemeinde an diese Grabungen bezahlen muss, desto tiefer sind die Einnahmen für die Einwohnergemeinde. Sie erhält 40 Prozent der Mehrwertabschöpfung, abzüglich der Kosten für die Archäologie. Sollte aus dem Kiesabbau fast kein Geld in die Gemeindekasse fliessen, wird die Gemeindeversammlung der Überbauungsordnung kaum zustimmen. Die Grabungskosten könnten den Abbau sogar unrentabel machen.

Schwerverkehr plus 10 %

Insgesamt scheint das Vorhaben bei der Bevölkerung auf Wohlwollen zu stossen. Am Abend selber gab es keine kritischen Fragen. An einem ersten solchen Anlass im letzten Frühling und bei der Mitwirkung gab in erster Linie der Mehrverkehr zu reden. Der Kies wird zur Bearbeitung mit Lastwagen von Kallnach ins Hurni-Werk nach Sutz transportiert. Deshalb wurde im letzten Herbst zweimal während einer Woche der Verkehr durch Kallnach gezählt.

Der Gesamtverkehr werde durch die Transportfahren um rund ein Prozent zunehmen, der Schwerverkehr um zehn bis zwölf Prozent (zwölf LKW pro Stunde), sagte Hostettler. Die zuständige Kommission ist jedoch gegen eine Beschränkung der Anzahl Fahrten. Diese sollen über die Abbaumenge gesteuert werden. Der jährliche Abbau darf im Durchschnitt von jeweils fünf Jahren 100'000 Kubikmeter nicht überschreiten.

«Premium-Standort»

Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP) unterstrich in seinem Referat, dass der Challnechwald für den Kiesabbau ein «Premium-Standort» sei und dass die Region diesen brauche. Der Standort sei qualitativ und quantitativ überdurchschnittlich, sodass andere Interessen wie der Waldschutz zurückstehen müssten, sagte der Planungsdirektor.

Die Überbauungsordnung soll im September aufgelegt werden. Ende November wird die Gemeindeversammlung Kallnach entscheiden. www.challnechwald.ch

Berner Zeitung

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