Die Altstadt wird um eine Galerie ärmer

Bern

Umbauarbeiten lassen Susanne Zweifel keine andere Wahl. Sie schliesst ihre Münstergalerie in der Berner Altstadt.

«Kunst darf auch schön sein»: Unter diesem Motto stellte Susanne Zweifel neun Jahre lang ihre Bilder in der Münstergalerie aus.

«Kunst darf auch schön sein»: Unter diesem Motto stellte Susanne Zweifel neun Jahre lang ihre Bilder in der Münstergalerie aus.

(Bild: Beat Mathys)

Michael Bucher@MichuBucher

«Nüme lang ...» steht draussen an der Scheibe. Drinnen sitzt Susanne Zweifel – umgeben von Malereien, beschallt von sanften Gitarrenklängen aus dem CD-Player. «Nüme lang» wird die 69-jährige Malerin hier sitzen. Ihre Münstergalerie schliesst nach neun Jahren am 2. März. Spricht sie darüber, schwingt etwas Wehmut mit, doch meint sie mit einem warmen Lächeln: «Alles hat seine Zeit.»

Der Grund für die Schliessung hängt mit dem Umbau der Liegenschaft an der Münstergasse 32 zusammen. Im Sommer 2017 verkaufte der Kanton das denkmalgeschützte Haus an eine Privatperson (siehe Kasten). Der neue Besitzer will noch in diesem Jahr mit dem Umbau beginnen. Es ist jedoch nicht so, dass er Susanne Zweifels Mietvertrag gekündigt hätte, auch nicht, dass eine Mietzinserhöhung gedroht hätte. Sie habe ein gutes Verhältnis zum neuen Eigentümer, betont die Galeristin. «Ich habe von mir aus gekündigt.»

Erfrischend simples Credo

Ganz freiwillig ist der Auszug trotzdem nicht, und zwar wegen der Begleitumstände des Umbaus. Während mindestens eines Jahres werden in den Stockwerken oberhalb ihrer Ausstellungsfläche ehemalige Büros in Wohnungen umgewandelt. Viel Staub, Dreck und Lärm sind daher programmiert. «Unter diesen Umständen kann man keine Kunstgalerie betreiben», sagt Susanne Zweifel.

Seit 2010 stellt die Künstlerin ihre Werke in der Galerie an der Münstergasse aus. Zu malen begann die siebenfache Mutter 1997. Sie bildete sich autodidaktisch weiter, und bereits ein Jahr später hatte sie ihre erste Ausstellung. Susanne Zweifel malt hauptsächlich auf Leinwand, dies mit einer Acrylmischtechnik. Ihr Credo ist erfrischend simpel: «Kunst darf auch schön sein.»

Damit will sie sich vom zeitgenössischen Kunstverständnis abgrenzen. Dieses sei oft elitär und verlange nach einer symbolisch aufgeladenen, ja fast philosophischen Aussage hinter dem Werk. «Ich male nicht, um etwas zu verarbeiten oder zu vermitteln, sondern um etwas zu kreieren, das mir gefällt», sagt sie. Ihre Bilder sollen primär der Seele guttun – «aber nicht auf esoterische Art», schiebt sie lächelnd nach.

Behutsamer Abschied

Verkauft hat sie primär an Laufkundschaft, diese stammt aus der ganzen Schweiz. Mit ganztägigen Malkursen sicherte sie sich zudem ein Zusatzeinkommen. Und schliesslich beliefert sie seit zwanzig Jahren die Redaktion dieser Zeitung, welche die Todesanzeigen hin und wieder mit ihren Malereien bebildert. Ein Dienst, den sie gratis anbietet.

In ihrem Atelier in Meinisberg, wo sie auch wohnt, will Susanne Zweifel weiterhin malen. «Vielleicht werde ich versuchen, Einzelausstellungen in anderen Galerien zu realisieren», sagt sie. Eine Abschiedsparty wird es nicht geben. Lieber verabschiedet sie sich nach und nach von ihrer Kundschaft – auf ganz persönliche Art. Denn: «Massenaufläufe sind nicht so mein Ding.»

Michael Bucher

www.suzel.chwww.muenstergalerie.ch

Berner Zeitung

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