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Alec von Graffenrieds Hüsli ist illegal

Ein blockhausähnlicher Unterstand im Wald des Berner Stadtpräsidenten Alec von Graffenried in Rüti bei Riggisberg muss rückgebaut werden.

Der Unterstand am Rand des Würzenwaldes muss bis Ende September verschwinden.
Der Unterstand am Rand des Würzenwaldes muss bis Ende September verschwinden.
Christian Pfander

Am Rande des Würzenwaldes in Rüti bei Riggisberg steht seit 2017 ein neuer, blockhausähnlicher Unterstand. Er ist auf allen Seiten offen, eingerichtet mit Tischen und Bänken. Ein Grill steht bereit, daneben ein Berg Brennholz.

Fritz Krebs, Teilzeitwegmeister in Rüti, hat das Gebäude erstellt, als Privatmann, wie man bei der Gemeinde betont. Wie Krebs sagt, sei der Unterstand als Geschenk für den Berner Stadtpräsidenten Alec von Graffenried gedacht, in dessen Wald er auch steht.

Von Graffenried bestätigt diese Tatsachen per E-Mail: «Der Sachverhalt trifft zu. Ich bin Miteigentümer eines Waldstücks in Riggisberg. Der örtliche Wegmeister unterstützt uns seit Jahren bei der Waldpflege. Er hat bei einem Wanderweg am Strassenrand einen Unterstand erstellt, ohne die Gemeinde vorher zu avisieren.» Er habe mit der Gemeinde vereinbart, dass der Unterstand demontiert werden solle, teilt von Graffenried mit.

Illegaler Bau

Weil das Wald-Picknickhüsli illegal erstellt wurde, hat die Baukommission Riggisberg von Fritz Krebs eine Baueingabe verlangt und auch Stapi von Graffenried kontaktiert. «Der Grundeigentümer hat aber keine nachträgliche Baubewilligung gewünscht», erklärt der Riggisberger Bauverwalter Martin Guggisberg auf ­Anfrage.

Allerdings, so betont Guggisberg, liege es gar nicht in der Kompetenz der Gemeinde, ein Gebäude zu bewilligen, das im Wald steht. «Das müsste die Forstbehörde tun. Als Gemeinde hat man da wenig Spielraum.»

Waldabteilung weiss nichts

Bei der kantonalen Waldabteilung weiss man nichts vom illegal erstellten Unterstand. «Wir haben keine Kenntnis von einer solchen Baute», sagt der Zuständige, Ronald Bill, und verweist auf Artikel 35 der kantonalen Waldverordnung. In dieser steht, dass nur Bauten im Wald möglich sind, wenn sie exakt auf diesen Standort angewiesen sind und einem öffentlichen Bedürfnis entsprechen. Zudem dürfen sie die Waldfunktionen nur unwesentlich beeinträchtigen.

Dem gibt es nichts mehr anzufügen ausser: Verordnung nicht erfüllt. Oder wie Guggisberg sagt: «Das Recht ist für alle gleich.» Im Klartext heisst das: Wird etwas ohne Bewilligung erstellt, muss es rückgebaut werden. In diesem Fall – so wollen es die Gemeinde Riggisberg und der Waldeigentümer – bis Ende September.

Kein Ersatzstandort in Sicht

Wegmeister Krebs war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Aber er muss einen neuen Standort für seinen Unterstand suchen. Das weiss auch Gemeindepräsident Michael Bürki (SVP), der lange nicht über den illegal erstellten Bau informiert war. «Er entstand in Eigenregie. Dabei weiss jeder Gartenbesitzer, dass es eine Bewilligung braucht, wenn er ein Hüsli aufstellen will», betont Bürki.

«Der Bau entstand in Eigenregie. Dabei weiss jeder Gartenbesitzer, dass es eine Bewilligung braucht, wenn er ein Hüsli ­aufstellen will.»

Michael BürkiGemeindepräsident

Zu von Graffenrieds Idee, den «schmucken Unterstand» abzubrechen und an einem anderen Ort aufzustellen, sagt Bürki: «Wir haben uns bis jetzt nicht nach einem geeigneten Platz umgesehen.» Und weiter: «Wenn Krebs sich beim Gemeinderat erkundigen würde, wo man das Gebäude hinzügeln könnte, würden wir ihm helfen.»

In absehbarer Zeit ist das umstrittene Hüsli Geschichte. Wer im Würzenwald am Trockenen picknicken will, muss sich beeilen.

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