Der Zapfenkünstler

Kehrsatz

Hans-Ulrich Flühmann aus Kehrsatz fertigt aus Korkzapfen Bilder an. Der 69-Jährige hat sich auf Berner Sehenswürdigkeiten spezialisiert.

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Beim Blick in die Wohnung von Hans-Ulrich Flühmann in Kehrsatz fällt eines sofort auf: Zahlreiche Bilder zieren die Wände. Sie sind das Werk seiner Frau Lis. Seit Jahren schon malt sie abstrakte Kunst. Seit kurzem nun versucht sich auch ihr 69-jähriger Ehemann als Künstler. Nicht mit Farbe und Pinsel ausgestattet, sondern mit Messer, Leim und vielen, vielen Korkzapfen. Mittlerweile ist auch er mit zweien seiner Werke in der Wohnung präsent. Das eine zeigt den Berner Zytglogge, auf dem anderen ist das Bundeshaus zu sehen.

Perfektionist

Als gelernter Elektroniker bezeichnet sich Flühmann als handwerklich begabt, «auch bin ich geduldig und ein ziemlicher Perfektionist». Alles Eigenschaften also, die seinem Hobby in die Karten spielen. Lange kam jedoch Flühmanns künstlerische Ader nicht zum Vorschein. Der zweifache Vater und Grossvater arbeitete während 40 Jahren als Generalagent bei einer Versicherungsgesellschaft.

Und in seiner Freizeit widmete er sich in erster Linie dem Fussball. Eine Passion, die ihm in die Wiege gelegt wurde. Sein Vater, Hans Flühmann, der am Dienstag im Alter von 96 Jahren verstorben ist, spielte einst in der ersten Mannschaft der Young Boys und holte mit dieser, worauf ganz Bern seit mittlerweile 30 Jahren wartet: einen Titel. 1944/1945 gehörte er dem Cupsiegerteam an, das im Final St. Gallen mit 2:0 bezwang.

Sein Sohnemann Hans-Ulrich Flühmann hingegen ist fussballtechnisch ein Könizer Urgestein. Nach seiner Aktivkarriere stand er dem FC während 14 Jahren als Präsident vor. Später amtete er als Speaker. Eine Funktion, die Flühmann, mittlerweile zum Ehrenpräsidenten ernannt, auch heute noch ab und an ausübt.

Zufall half mit

Kein Wunder also, entdeckte er sein neues Hobby erst nach seiner Pension und nachdem er beim FC Köniz etwas kürzer­getreten war – und per Zufall. «In einem Schaufenster in Wabern habe ich vor rund 3 Jahren ein Bild aus Korkzapfen gesehen», erzählt der Hobbygolfer. Als Weinliebhaber hatten sich auch bei ihm zu Hause einige Korkzapfen angesammelt, und so sagte er sich: «Das probiere ich auch mal aus.» Es entstand – indem er die Korkzapfen zu einem einfachen Muster zusammenfügte – ein erstes Werk.

Bilder in diesem Stil fertigte Flühmann einige an, ehe er nach einer neuen Herausforderung suchte. «Immer nur diese Muster, das war mir dann doch zu langweilig.» Es entstand die Idee mit den Berner Sehenswürdigkeiten. Auch massgeschneiderte Bilder für Geburtstage oder Hochzeiten guter Freunde stellt Flühmann her. Und er ist offen gegenüber ausserkantonalen Motiven. «Wenn mich jemand bittet, ein Bild der Kapellbrücke in Luzern anzufertigen, dann mache ich mich an die Arbeit.»

Voller Keller

An einem Bild wie jenem des Zytglogge oder des Bundeshauses sitzt er zwischen 150 und 180 Stunden im «Atelier» in einem Zimmer seiner Wohnung – und verarbeitet in dieser Zeit über 1500 Korkzapfen. So gern Hans-Ulrich Flühmann sich auch mal ein Glas Wein gönnt, der Vorrat an Korkzapfen war bald einmal aufgebraucht. «Ich durfte mich bei meinem Weinhändler im Wallis bedienen», erzählt er. Lastwagenweise hätte er Zapfen mit nach Hause nehmen können. Das tat er dann doch nicht, trotzdem sagt seine Frau: «Der Keller ist voll mit Korkzapfen.» Auch Gäste brächten regelmässig welche mit.

Aber Achtung: Korkzapfen ist nicht gleich Korkzapfen. So unterscheiden sie sich beispielsweise punkto Farbe und Grösse. «Korkzapfen von Champagnerflaschen sind grösser als jene von Weinflaschen», präzisiert Flühmann. Auch bei der Beschaffenheit gebe es Unterschiede. In der Tat ist bei einigen Zapfen der Kraftaufwand beim Schneiden nicht zu unterschätzen. Kein Wunder sagt Flühmann: «Ich arbeite nie länger als drei Stunden am Stück – oder bis ich kein Gefühl mehr in den Fingern ­habe.»

Berner Zeitung

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