SVP fordert Marschhalt im Fall Gurlitt – Berner Regierung lehnt ab

Bern

Im Erbschaftsstreit um das Gurlit-Erbe will die Berner Kantonsregierung ihre Linie beibehalten. Einen Marschhalt aus den Kreisen der SVP lehnt sie ab.

Kunstmuseum Bern: Die Gurlitt-Forschungsstelle hat die Arbeiten noch nicht aufgenommen. Dies kann erst geschehen, wenn das Museum rechtskräftig als Erbe anerkannt ist.

Kunstmuseum Bern: Die Gurlitt-Forschungsstelle hat die Arbeiten noch nicht aufgenommen. Dies kann erst geschehen, wenn das Museum rechtskräftig als Erbe anerkannt ist.

(Bild: Urs Baumann)

Die Berner Kantonsregierung will im Erbschaftsstreit um die umstrittene Sammlung des deutschen Kunstsammlers Cornelius Gurlitt weiterhin am eingeschlagenen Kurs festhalten. Einen aus den Reihen der SVP geforderten Marschhalt lehnt sie ab.

SVP-Grossrat Peter Brand hatte Bedenken geäussert, dass das Kunstmuseum Bern bereits jetzt eine Gurlitt-Forschungsstelle aufbaue, noch bevor überhaupt feststehe, ob das Haus das Gurlitt-Erbe überhaupt zugesprochen erhalte.

Museum dementiert Vorwurf

Sollte das Kunstmuseum das Erbe nicht erhalten, müssten wohl die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler die bereits aufgelaufenen Kosten für die Forschungsstelle übernehmen, kritisierte Brand. Auch für andere bis dato aufgelaufene Kosten müsste wohl die öffentliche Hand gerade stehen. Der Regierungsrat mag Brands Befürchtungen nicht teilen und empfiehlt dem Parlament, den Vorstoss abzulehnen. Das Kunstmuseum handle als privatrechtliche Stiftung und als solche unabhängig, schreibt die Kantonsregierung in ihrem Antwort auf Brands Vorstoss.

Der Stiftungsrat des Kunstmuseums habe «im Sinne sorgfältiger und vorausschauender Geschäftsbesorgung» die Voraussetzungen geschaffen, damit das Haus mit den Forschungsarbeiten sofort loslegen könne, wenn es rechtskräftig als Erbe anerkannt sei.

Von einer Aufnahme der Arbeiten bereits jetzt «kann keine Rede sein», schreibt der Regierungsrat in seiner Antwort. Im Gegenteil: bis zu einem rechtskräftigen Entscheid würden die Aufwendungen des Museums auf das Nötigste beschränkt. Das habe das Museum auch so kommuniziert.

Komplizierte Erbstreitigkeit

Bereits im vergangenen Herbst hatte das Kantonsparlament einen Vorstoss aus den Reihen der BDP abgelehnt, der verlangte, dass für den Fall Gurlitt keine öffentlichen Gelder eingesetzt werden. Damals hiess es, man wolle die Tür nicht schon zuschlagen. Der im Mai 2014 verstorbene Kunstsammler Cornelius Gurlitt hatte überraschend das Kunstmuseum Bern als Alleinerbin eingesetzt. Zum Gurlitt-Erbe gehört insbesondere eine illustre, jedoch teilweise mit Raubkunstverdacht belegte Sammlung.

In einer Vereinbarung mit den deutschen Behörden hat das Kunstmuseum letzten November vereinbart, dass mit Raubkunstverdacht belegte Werke der Sammlung in Deutschland bleiben. Dort wird eine Taskforce die Herkunft klären und die Werke an die rechtmässigen Eigentümer zurückgeben. Gleichzeitig will sich das Berner Haus aktiv und in Zusammenarbeit mit Deutschland an der Herkunftsforschung beteiligen. Geleitet wird die Berner Forschungsstelle vom Schweizer Kunsthistoriker Oskar Bätschmann.

Cousine von Gurlitt zieht Urteil weiter

Um das illustre und mutmasslich millionenschwere Erbe ist ein komplizierter Erbstreit entbrannt. Eine Cousine Gurlitts hat das Testament angefochten. In erster Instanz ist sie unterlegen. Inzwischen hat die Cousine den Fall an die nächst höhere Instanz weitergezogen. Hinter den Kulissen ziehen Heerscharen von Anwälten und Beratern die Fäden im Fall Gurlitt.

sh/sda

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