Gurlitt-Erbe verursacht eine halbe Million Verlust

Bern

2014 war ein gutes Betriebsjahr für das Kunstmuseum Bern – wenn da das Gurlitt-Erbe nicht wäre. Statt mit 300'000 Franken Gewinn steht die Institution nun mit einer halben Million Franken im Minus da.

Verlust trotz gutem Geschäftsjahr: Das Kunstmuseum Bern hatte 2014 hohe Ausgaben wegen des Gurlitt-Erbes.

Verlust trotz gutem Geschäftsjahr: Das Kunstmuseum Bern hatte 2014 hohe Ausgaben wegen des Gurlitt-Erbes.

(Bild: Keystone)

Stefanie Christ@steffiinthesky
Michael Feller@mikefelloni

Wird das Gurlitt-Erbe nun doch zur Hypothek, die allzu schwer auf den Schultern des Kunstmuseums Bern lastet? In der gestern veröffentlichten Jahresrechnung 2014 sieht es ganz danach aus. 524129 Franken beträgt der Verlust – und wie er zustande kam, zeigt sich deutlich: Der Aufwand von «rechtlichen und kunsthistorischen Abklärungen» in Bezug auf die Gurlitt-Sammlung betrug 830'207 Franken.

Das Problem: Wegen des hängigen Rechtsstreits um das Gurlitt-Erbe – ein Teil der Verwandtschaft ficht das Testament an – ist noch nicht klar, ob der Bilderschatz mitsamt Immobilien und sonstigem Vermögen dereinst in den Besitz des Museums kommt. So lange schlagen sich die positiven finanziellen Auswirkungen nicht auf die Jahresrechnung nieder, nur die Lasten.

Eigentlich ein gutes Jahr

Der Gurlitt-bedingte Verlust kommt für das Museum nicht überraschend: «Die Kosten waren für den Stiftungsrat vorhersehbar», sagt Matthias Frehner, Direktor des Kunstmuseums, auf Anfrage. Doch mit welchen Mitteln wird der Fehlbetrag aufgefangen? «Mit Reserven», so Frehner.

Ob auch das laufende Geschäftsjahr mit einem Verlust abschliessen wird und wie hoch er ausfallen könnte, kann Frehner zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten, «da noch Gerichtsentscheide ausstehend sind».

Die Wahrscheinlichkeit, dass Gurlitts Erbe dem Museum abgesprochen wird, ist nach heutigem Kenntnisstand zwar gering. Tritt der Fall der Fälle dennoch ein, wäre also ausser Spesen nix gewesen.

Zuwachs an Drittmitteln

Ohne die Last des Erbes hätte das Museum einen stolzen Gewinn von 306078 Franken eingefahren, das 13-Fache vom Vorjahr. Zum guten Resultat hat ein deutlicher Zuwachs an Drittmitteln wie Sponsorengeldern beigetragen. Auch die Besucher kamen, obwohl 2014 ein eigentlicher Publikumsmagnet wie eine Hodler- oder eine Picasso-Ausstellung fehlte.

83'342 Personen besuchten die Ausstellung, etwas weniger als 2013 (87'527), doch das Ergebnis liegt im Schnitt der letzten Jahre. Dazu kommen 16301 Sammlungseintritte (2013: 9593).

Von den Wechselausstellungen hebt sich «Sesam öffne Dich! Meisterwerke aus der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte» mit 42'959 Besuchern leicht vom restlichen Programm ab. Das Gesamtangebot des Kunstmuseums inklusive Café lockte 110'646 Gäste an (Vorjahr: 104'041).

Berner Zeitung

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