Der Unvollendete

Murten

Ein neuer Fuss- und Radweg entlang der Bahnlinie in Murten endet mitten im Feld in einer Sackgasse. Die zweite Etappe wird erst 2020 gebaut. Die Anwohner freuen sich trotzdem.

Dieser Weg endet quasi auf dem Abstellgleis. Foto: Raphael Moser

Dieser Weg endet quasi auf dem Abstellgleis. Foto: Raphael Moser

Hans Ulrich Schaad

In den letzten Monaten wurde entlang der Bahnlinie ab der Station Muntelier-Löwenberg in Richtung Murten fleissig gebaut. Eine neue Brücke wurde über den Bach gelegt, eine Stütz­mauer errichtet, parallel zu den Gleisen ein Maschendrahtzaun aufgestellt und ein zweieinhalb Meter breiter Weg asphaltiert.

Doch dieser endet nach etwas über einem halben Kilometer abrupt, mitten im Landwirtschaftsland. Entsprechend steht bei der Einmündung ein Sackgassesignal.

Warten auf den Kredit

Ein asphaltierter Weg, der im Niemandsland endet, mutet seltsam an. Das sei auf den ersten Blick so, sagt Murtens Bauverwalter Stefan Portmann. Aber dahinter stecke eine «lange und komplizierte Geschichte», um anzufügen, dass die zweite Etappe im nächsten Jahr gebaut werde, sofern der Generalrat dendafür vorgesehenen Kredit von 350000 Franken genehmige.

Normalerweise würden solche Projekte in einem Zug realisiert, sagt Portmann, aber: «Hier hatten die beteiligten Partner nicht die gleichen Vorgaben und Fristen.» Auf der einen Seite die Stadt Murten, welche die politischen Abläufe respektieren muss. Auf der anderen Seite die SBB, die wegen eines unbewachten Übergangs unter Zeitdruck standen.

Murten plant schon seit einigen Jahren eine Verbindung für den Langsamverkehr zwischen dem Zentrum und dem Gebiet Löwenberg, wo sich unter anderem ein McDonald’s, ein Ent­sorgungshof und ein Denner befinden. Und Anfang November eröffnet Coop in diesem Gebiet ein grosses Einkaufszentrum.

Frist abgelaufen

Die SBB hatten mit dem unbewachten Bahnübergang Ochsen ein Problem. Über diesen waren die Felder auf der Nordwest­seite der Gleise erschlossen. Weil er nicht mit Schranken gesichert war, mussten die Züge jeweils pfeifen. Dieses Warnsignal, mindestens achtmal pro Stunde, störte die Anwohner im angrenzenden Quartier von Muntelier. In September 2017 reichten sie eine Petition mit über 150 Unterschriften ein und forderten Massnahmen.

Die gesetzlichen Vorgaben für die SBB waren eigentlich klar: Der unbewachte Übergang hätte bis 2014 saniert werden müssen. Weil das zeitlich nicht möglich gewesen sei, hätten die SBB eine «konforme Übergangsmassnahme» ergriffen, schreibt die Medienstelle auf Anfrage. Es wurde eine Bedarfsschranke aufgestellt, die auf Anfrage geöffnet werden kann. Damit war das Problem aber noch nicht gelöst.

Der langfristige Erhalt der Querung war für die SBB aus Kostengründe keine Alternative: «Ein gesicherter Übergang mit Einbindung in die bahnspezifische Sicherheitstechnik plus Unterhalt wäre viel teurer ge­wesen.» Die Variante Umfahrung über einen Weg auf der anderen Seite der Gleise nütze zudem dem Langsamverkehr. Die Medienstelle betont, dass die Petition in den Überlegungen der SBB keine Rolle gespielt habe. Ausschlaggebend gewesen seien die Anforderungen des Bundes. Die Frage nach den Kosten konnten die SBB wegen interner Abwesenheiten nicht beantworten. Stefan Portmann spricht von rund 550000 Franken für diese erste Etappe. Murten hat den Weg im Auftrag der SBB bauen lassen.

Bewilligung liegt vor

Mit dem soeben erstellten Teilstück ist diese Umfahrung für landwirtschaftliche Fahrzeuge Tatsache. Die Felder sind über den neuen Weg ab dem Kreisel Dorfmatte in Muntelier erschlossen, der ungesicherte Bahnübergang Ochsen ist definitiv geschlossen. Damit müssen die Züge nicht mehr pfeifen, die Anwohner können aufatmen.

Die Fussgänger und Velofahrer müssen noch bis im nächsten Jahr auf die durchgehende Verbindung warten. Ausser dem Kreditantrag im Generalrat im Dezember sollte der zweiten Etappe, den rund 500 Metern bis zur Muntelierstrasse im Bereich Rugang, nichts mehr im Weg stehen. «Die Baubewilligung liegt vor», sagt Stefan Portmann. Diese schreibt vor, dass die landwirtschaftliche Erschliessung nur von der Seite Muntelier her gestattet ist.

Ein Trottoir fehlt

Für das letzte Teilstück der geplanten Langsamverkehrsachse, ein Trottoir entlang der Hauptstrasse im Löwenberg, kann Stefan Portmann noch keinen zeitlichen Angaben machen. Weil hier der Kanton Freiburg respektive das Bundesamt für Strassen zuständig ist, kann Murten nur Wünsche anbringen und auf ein Entgegenkommen hoffen.

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