Der Tierpark wird zur Konzertbühne

Bern

Mikrofone, Verstärker und Elektrogitarren – inmitten von Zootieren. Dies ist die «Sommerkulturbühne», die das Berner Dählhölzli heuer erstmals durchführt.

Musik im Berner Tierpark ist nichts Neues. Jedes Jahr findet die Jazzmatinee mit der Band The Wolverines statt.

Musik im Berner Tierpark ist nichts Neues. Jedes Jahr findet die Jazzmatinee mit der Band The Wolverines statt.

(Bild: Enrique Muñoz García)

Sheila Matti

«Musikalischer Hochgenuss, inmitten der Dählhölzli-Tiere» – mit diesen Worten kündigt der Tierpark Bern auf seiner Website die «Sommerkulturbühne» an. Zwischen Juli und September finden drei Konzerte im Dählhölzli statt.

Am Abend können die Besucher «groovigen Gitarrenklängen» lauschen, während «in der Ferne ein Leopardengebrüll einstimmt» oder «Wölfe im Takt heulen», beschreibt der Tierpark. «Ganz neu und einzigartig in der Schweiz» sei diese Idee, steht ganz oben in fetten Buchstaben.

«Sobald wir merken, dass es  den Tieren nicht gut geht, brechen wir die Konzerte ab.»Bernd Schildger, Direktor Tierpark Bern

Mikrofone, Verstärker und Elektrogitarren inmitten von Tiergehegen – ein Bild, das auch Fragen aufwirft. Passt ein Konzert wirklich in einen Zoo? Oder bedeutet der dadurch entstehende Lärm nicht zu viel Stress für die Tiere?

«Solche Kritik ist durchaus berechtigt», findet Tierparkdirektor Bernd Schildger. Auch er und sein Team hätten sich mit all diesen Fragen beschäftigt. «Schliesslich sind wir dann aber zur Überzeugung gekommen, dass wir unseren Tieren eine solche Veranstaltung durchaus zumuten können.»

Gegen die Langeweile

Bei der «Sommerkulturbühne» handle es sich nicht um ein komplett neues Konzept, erklärt Bernd Schildger: «Die Idee, Musik ins Dählhölzli zu bringen, ist schon 43 Jahre alt.» Bereits sein Vorvorgänger, Hannes Sägesser, habe viele Aktionen im Tierpark veranstaltet und unter anderem auch die Jazzband The Wolve­rines für einen Auftritt eingeladen. Daraus wurde eine fixe Tradition: Jedes Jahr tritt die Band an der Jazzmatinee beim Brätliplatz des Zoos auf.

«Die daraus gewonnenen Erfahrungen haben gezeigt, dass den Tieren ein bisschen Musik nichts ausmacht», berichtet Schildger. Das bestätigte im Mai ein Besuch vor Ort: Während die Wolverines in ihre Trompeten bliesen, spielten die beiden Schneefüchse im Gehege nebenan ungestört miteinander. Von Stress keine Spur.

Tatsächlich könne ein solcher Anlass für die Tiere sogar eine Bereicherung sein, gibt Schildger zu bedenken: «Das grösste Problem für Zootiere ist Langeweile.» Die Totenkopfäffchen seien dafür das beste Beispiel: Wenn das Vivarium für Geburtstage oder Apéros vermietet wird, würden die Tierchen vor lauter Neugier fast an der Scheibe kleben.

Das Tierwohl hat Priorität

Auch für Samuel Furrer von der Fachstelle für Wildtiere des Schweizer Tierschutzes stellt die «Sommerkulturbühne» kein Problem dar: «Ich kenne das Dählhölzli und traue es den Verantwortlichen zu, dass sie sich alle Mühe geben, das Wohl der Tiere in den Vordergrund zu stellen.» Dazu gehöre etwa, dass man sich im Vorfeld überlege, wie man reagiere, wenn es den Tieren doch plötzlich zu viel werde.

«Dafür haben wir 28 hervor­ragende Kontrollmechanismen», sagt Bernd Schildger und verweist damit auf die Tierpflegerinnen und -pfleger. Diese würden während der Konzerte auf ihre Schützlinge achtgeben und Alarm schlagen, falls etwas passiere: «Sobald wir merken, dass es den Tieren nicht gut geht, brechen wir die Konzerte ab – das haben wir auch den Künstlern und Besuchern so kommuniziert.»

Kein Drum-’n’-Bass-Konzert

Aus der «Sommerkulturbühne» soll kein riesiges Festival werden. «Natürlich wäre es schön, wenn sie zu einem regelmässigen Anlass werden würde», meint Bernd Schildger, «aber wir haben auch unsere Schmerzgrenze.» So rechnet er etwa nur mit 300 Besucherinnen und Besuchern – für mehr würde der Platz nicht reichen. Auch genügend Abstand zwischen den Konzerten sei wichtig – rund ein Monat ist es heuer.

Und schliesslich hat Schildger auch bei der Auswahl der Künstler darauf geachtet, dass diese eher ruhige Musik machen. Auftreten werden William White, Trummer und Nadja Stoller mit dem Trio Rehblick sowie Neneh Alexandrovic von Nenehmusic. «Ein Drum-’n’-Bass-Konzert hingegen – mit dröhnendem Bass und vielen tiefen Frequenzen – käme sicher nicht infrage.»

Berner Zeitung

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