Der Süden soll die Hälfte der Anflüge schlucken

Bern-Belp

Weniger Lärm, weniger Umweltbelastungen: Aus Sicht der Behörden und des Flughafens Bern-Belp bringt der Südanflug fast nur Vorteile.

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Johannes Reichen

Für die Behörden ist der Fall klar: Die geplanten Südanflüge auf den Flughafen Bern-Belp werden nicht zusätzliche Lärm- und Umweltbelastungen verursachen. «Im Gegenteil, es werden künftig weniger Personen vom Fluglärm betroffen sein», sagt Urs Holderegger, Sprecher des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl).

Auch im Emmental und im Oberland werde es keine «signifikante Belastungszunahme» geben. Die Flughafenbetreiberin Alpar will den satellitengestützten Südanflug ermöglichen. Das neue Regime soll im Frühling 2015 eingeführt werden. Die Pläne liegen ab Montag in Belp, Münsingen und Bern öffentlich auf.

Freude in Bern

Im Norden des Flughafens nimmt man den geplanten Südanflug mit Freude zur Kenntnis. «Mit dem neuen Anflugregime werden die Stadt Bern und das Unesco-Weltkulturerbe entlastet», teilte der Gemeinderat von Bern am Donnerstag mit. Das dicht besiedelte Gebiet werde heute auf geringer Höhe überflogen, was ein grosses Sicherheitsrisiko darstelle.

Im Süden aber befürchten viele Gemeinden zusätzlichen Lärm. «Wir werden uns auf einiges gefasst machen müssen», sagt etwa Wichtrachs Gemeindepräsident. Auch fühlt sich die private Fliegerei an den Rand gedrängt.

Schulungen nötig

Grundlage für die Lärmberechnungen ist der Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt. Was die Anzahl Flugbewegungen angeht, so basiert er auf dem Jahr 2011. Damals wurden im Belpmoos rund 59'000 Flugbewegungen registriert, wobei rund 7000 Bewegungen auf Linienflüge fielen. Grob gerechnet machte dies im Schnitt pro Tag etwa zehn Starts und zehn Landungen aus.

Für das Jahr 2020 werden rund 9500 Linienflugbewegungen prognostiziert. «In der Anfangsphase ab nächstem Jahr dürften die meisten Landungen noch via Norden erfolgen», sagt Holderegger. Denn die Flugzeuge müssten zuerst ausgerüstet und die Piloten geschult werden. Und bei Föhnlagen erfolge der Anflug auch künftig via Norden. Nach der Anfangsphase aber dürften sich der Norden und der Süden die Anflüge etwa teilen – also je sechs bis sieben pro Tag.

Der Flughafen wird schon heute vereinzelt vom Süden her angeflogen. Dabei würden Bern, Muri, Allmendingen und Rubigen überflogen – viel tiefer als auf dem geplanten Südanflug, sagt Holderegger. Wichtrach beispielsweise wird künftig auf einer Höhe von 440 Metern über Grund überflogen (Bildstrecke oben).

Berechtigte Kritik

Teilweise berechtigt ist aus Sicht des Bazl dafür die Kritik von Vertretern der Kleinaviatik. So haben bereits der Schweizerische Hängegleiterverband und der Aeroclub der Schweiz ihren Widerstand angekündigt. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt. «Der kommerzielle Verkehr hat gegenüber der privaten Fliegerei Priorität», sagt Urs Holderegger. Auch der Nordsektor des Flugplatzes Thun könne künftig nur noch eingeschränkt benutzt werden.

Die Flughafenbetreiberin Alpar wird sich am Dienstag zu ihren Plänen äussern. Nicht nur zum neuen Anflugregime, sondern auch zu einer neuen, vierten Ausbauetappe. Im Belpmoos sollen ein neuer Rollweg und Abstellflächen für Flugzeuge gebaut werden.

Berner Zeitung

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