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Der Sternenmarkt strahlt am hellsten

Der neue Sternenmarkt auf der Kleinen Schanze lockt viel Publikum an. Die Konkurrenz spürt dies, will sich aber nicht beklagen.

Inspiration und Know-how holten sich die Berner Sternenmarkt-Macher in Zürich. Entstanden ist ein Berner Publikumsmagnet.
Inspiration und Know-how holten sich die Berner Sternenmarkt-Macher in Zürich. Entstanden ist ein Berner Publikumsmagnet.
Iris Andermatt

Ein Pilgerzug bewegt sich vom Bahnhof zur Kleinen Schanze, wo seit Ende November der Sternenmarkt als Weihnachtserlebnis lockt. Beim Parkeingang neben dem Bundeshaus gibts kandierte Früchte, Nougatblöcke in allen Sorten, eine Clownin mit Ballonen wartet auf Bastelanweisungen, und in den Augen der Besucherinnen und Besucher spiegeln sich Lichter und die Weihnachtskugeln.

Die Gäste watscheln wie Pinguine durch den Park, das Gewusel ist ähnlich wie am Zibelemärit, andere vergleichen es mit dem Gurtenfestival: «Wir haben die gleiche Menge Würste produziert wie für den Gurten, nie und nimmer haben wir erwartet, dass wir diese Menge auch verkaufen», sagt Matthias Kallen vom Morewurster. Auch Kevin Schmid vom veganen Foodtruck Outlawz hat nach einer Woche die Menge abgesetzt, die er für vier Wochen produziert hatte.

Nebst diesen beiden Anbietern hat es 62 weitere Stände, die brummen. Die Chalets werden wochenweise vermietet, wer den ganzen Monat hier Essen verkauft, zahlt 5500 Franken und beteiligt die Sternenmarkt-Macher ab einem Umsatz von 60'000 Franken mit 12 Prozent. Wer Waren verkauft, zahlt 3000 Franken monatlich.

Markus Arnold und Tom Weingart, die den Sternenmarkt betreiben, freuen sich, dass es gut läuft. Sämtliche Einnahmen der Getränkestände, der Ra­cletteverkäufe, des Fonduechalets, die Standmieten und Umsatzbeteiligungen dürften die Kassen klingeln lassen.

Arnold relativiert diese Einkünfte: «Wir bezahlen täglich Tausende von Franken für die Reinigung des Geländes und der Toiletten. Auch das Sicherheitspersonal rund um die Uhr und der Strom muss eingerechnet werden.» Ausserdem betont er die vorgängigen Investitionen mit den 64 Chalets, die sie den Mietern stellen.

An Stadtgrün Bern, das für den Park zuständig ist, bezahlen sie 200 Franken pro Tag plus für jeden Auf- und Abbautag 100 Franken. «Zudem bezahlen wir Miete für die Milchbar», so Arnold. Alles belaufe sich auf einen mittleren fünfstelligen Betrag für den ganzen Monat.

Zürcher Partner im Boot

Die Feedbacks der Besucher seien durchwegs positiv, sagt Arnold. «Wir haben gemerkt, dass wir nicht vom Wochentag ab­hängig sind, sondern nur vom Wetter.» Auch sonntags und montags laufe es sehr gut, aber nur, wenn es nicht regnet. Ge­rade die erste Woche, in der es reg­nete, sei nicht einträglich ge­wesen.

Ihnen war bewusst, dass dieses Projekt zu zweit nicht durchführbar ist. Sie holten sich Katja Weber, Marc Blickenstorfer und Roger Link, die in Zürich das Weihnachtsdorf organisieren, als Partner ins Boot. «Der Sternenmarkt ist aber keine Kopie aus Zürich», so Arnold. Der Kantönligeist gehe ihm auf die Nerven, wichtig sei doch, dass das Geld in der Schweiz bleibe. Schliesslich schaffe man hier auch zahlreiche Arbeitsplätze und berücksichtige möglichst viele Schweizer Unternehmen für Aufträge.

Mehr als ein Platzhirsch

Dass der Sternenmarkt den bestehenden Weihnachtsmärkten Kundschaft abgrast, sei klar, sagt Olivier Jaggy vom Weihnachtsmarkt auf dem Waisenhausplatz, wo 54 Markttreibende und ein Glühweinstand namens Platzhirsch geschäften. Dazu gehört auch der Markt auf dem Münsterplatz, wo Handwerker ihr Können zeigen. «Dass mehr Leute nach Bern reisen, merken wir nicht.

Aber unser Marktkonzept funktioniert immer noch gut, die Leute kommen, um Waren von guter Qualität zu kaufen», so Jaggy. Gerade Besucher aus Norditalien würden nach Bern fahren, weil die beiden Märkte auf dem Waisenhaus- und dem Münsterplatz europaweit einzigartig seien. «In Deutschland sind Handwerker so gesucht, dass man sogar eine Gage bieten würde.»

Olivier Jaggy, Berner Marktkommission, nimmt die Konkurrenz sportlich. Foto: Claudia Salzmann
Olivier Jaggy, Berner Marktkommission, nimmt die Konkurrenz sportlich. Foto: Claudia Salzmann

Die neue Konkurrenz sei zwar dafür verantwortlich, dass weniger Leute beim Platzhirsch Glühwein trinken, doch das bringe auch Vorteile mit sich: «Weil wir mehr Platz haben, können wir nun den Ort auch anders mö­blieren. Und wir können neue Ideen lancieren, zum Beispiel starten wir diese Woche mit Champagner und Austern», verrät er.

Dreissig Jahre habe man als Einzige das Potenzial für den Dezember in der Stadt Bern erkannt und dafür geweibelt: «Bern Welcome hat erst in der jüngeren Vergangenheit begonnen, die Stadt als Weihnachtsstadt zu vermarkten. Wir freuen uns, dass sie dies in Zukunft verstärkt tun wird.»

Gleiche Regeln für alle

Der Sternenmarkt als neuer Player in Bern motiviert auch Camil Schmid, der im zweiten Jahr im Ringgenpärkli die Bar Oskar Elch betreibt. Bei ihm kommt dazu, dass auf dem Kornhausplatz das Fonduechalet Alpenland die Sicht auf seine Winterbar versperrt. «Wir haben schon reagiert, mehr Lichter aufgehängt und die Bäume besser beleuchtet», sagt Schmid.

Er zahlt 150 Franken für die Nutzung des öffentlichen Parks pro Tag. Dieser Preis ist zwar billiger als beim Sternenmarkt, aber die Fläche im Ringgenpärkli ist erheblich kleiner. Beide Veranstalter müssen sich an Vorgaben von Stadtgrün halten, beispielsweise die Lichterketten polstern, damit sie keine Bäume verletzen. Schmid wünscht sich, dass für beide Events gleiche Regeln gelten. «Im Ringgenpärkli war das Anbringen der Lichter streng reglementiert.»

Ideen für nächstes Jahr

Noch laufen die Märkte bis in die Altjahreswoche weiter, doch alle Betreiber denken bereits ans kommende Jahr. Bei Oskar Elch will man am Konzept schrauben, der Weihnachtsmarkt am Waisenhausplatz muss eventuell die Standmieten erhöhen, und beim Sternenmarkt will man bessere Wege für den Nachschub schaffen.

Und Markus Arnold hofft auf noch mehr Berner Beteiligung: «Die Berner waren beim ersten Mal skeptisch, aber ich denke, dass nächstes Jahr noch mehr dabei sein wollen.» Ob es eine nächste Durchführung geben wird, ist jedoch noch nicht klar. Ein Gesuch für den Sternenmarkt 2019 muss laut der Gewerbepolizei wiederum vom Stadtberner Gemeinderat bewilligt werden.

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