Der Stapi ist so frei

Bern

Ohne Absprache mit seinen Kolleginnen und Kollegen präsentierte Stadtpräsident Alexander Tschäppät bei der ersten gemeinsamen Pressekonferenz noch seinen persönlichen Wunschzettel.

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Christoph Hämmann

Bei Alexander Tschäppät kommt einiges zusammen, das ihn von seinen Regierungskolleginnen und -kollegen abhebt: Er ist Reto Nause im Gemeinderat zwei Legislaturen, den anderen gar drei voraus, seit acht Jahren führt er das Gremium als Stadtpräsident – und er wird in drei Jahren sicher nicht mehr kandidieren.

Wie frei es sich vor diesem Hintergrund agieren lässt, war am Mittwoch während der ganzen Medienkonferenz offenkundig. Das Tüpfchen aufs i setzte Tschäppät, als er nach dem Redereigen seiner Kolleginnen und Kollegen noch einmal das Wort ergriff.

Drogenanlaufstelle verlegen

«Ohne dies mit dem Gemeinderat abgesprochen zu haben, lege ich gerne noch meinen persönlichen Wunschzettel vor», hob Tschäppät an. Erster Herzenswunsch für seine letzte Legislatur ist, «dass wir in der Innenstadt Raum schaffen für die Jugendlichen». Er denke dabei an die 16-Jährigen, die noch nicht in Clubs gingen, so Tschäppät.

Wenn man für diese einen zentral gelegenen Ort finde, liesse sich vielleicht gleichzeitig ein Nutzungskonflikt im Gaswerk beseitigen, zumal der dortige Gaskessel vielen Jungen schon zu peripher gelegen sei: «Mit der Verlegung der Drogenanlaufstelle böte sich ein guter Standort für einen zentralen, zeitgemässen Treffpunkt für die Jugend.» Von den Jungen reden, aber hauptsächlich am Gaskessel rütteln und das Fass «Drogenanlaufstelle» öffnen – das macht dem Stapi so schnell niemand nach.

Schütz-Parkplätze verlegen

Auch der zweite Wunsch birgt Zündstoff: Die Schützenmatte möchte er aufwerten, indem Carterminal und P+R im Neufeld ausgebaut würden. «Dann könnten wir die Schützenmatt-Parkplätze dorthin verlegen», so Tschäppät, der die Tankstelle an der Mittelstrasse in der Länggasse gleich mitverlegen möchte. «So könnte sich dort die mediterrane Stimmung weiter ausbreiten.»

Beim dritten Wunsch denkt er an eine Stadterweiterung im Osten: «Ich werde dazu beitragen, dass der Bundesrat seinen Entscheid korrigiert, den A-6-Autobahn-Tunnel aufzuschieben.» Mit dem vierten Wunsch lässt er Kritik am Standort Gaswerk für die geplante Schwimmhalle durchschimmern: «Ich wünsche mir, dass wir einen geeigneten Standort definieren», so Tschäppät.

Fast schon harmlos – nach allen Erfahrungswerten aber besonders unrealistisch – erscheint der letzte Wunsch, «als Stapi einen YB-Meistertitel zu feiern».

Berner Zeitung

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