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Der Skilift auf der Rüschegg fährt schneller, als erlaubt

Er hat eine Kurve und fährt schneller als heute erlaubt: Seit diesem Jahr gilt der Skilift Eywald als technisches Denkmal. Voraussichtlich ab Sonntag können Wintersportler damit wieder auf den Lischboden sausen.

Es ist schon der vierzigste Winter, in dem Hans Zbinden den Skilift Rüschegg-Lischboden für die Saison rüstet. Im Schneegestöber klemmt er den Arm aller 164 Gehänge an das Stahlseil, weiter oben schrauben Kollegen die Bügel an. Früher waren diese noch aus Holz, sonst hat sich am 2,3 Kilometer langen Lift nicht viel verändert. Er führt noch immer das Seil aus dem Baujahr 1968, unter dessen Stahlmantel ein Hanfseil steckt. Noch immer sind seine Bestandteile etwas massiver und schwieriger handhabbar als bei anderen Liften. Seit diesem Sommer ist Landwirt Zbinden aber nicht mehr nur technischer Mitarbeiter der Seilbahn, sondern eine Art Denkmalpfleger. Denn das Bundesamt für Kultur (BAK) hat den Skilift Rüschegg-Lischboden zu einem «technischen Denkmal» erklärt.

Lang, kurvig, massiv

«Natürlich sind wir stolz auf diese Auszeichnung», sind sich Zbinden und seine Kollegen während einer kurzen Aufwärmpause einig. «Auch wenn wir eigentlich nichts davon haben.» Zum ersten Mal veröffentlichte das BAK heuer ein sogenanntes Seilbahninventar. Darin sind die historischen Schweizer Seilbahnen verzeichnet und bewertet; der Rüschegger Lift gehört zu den 67 Bahnen von nationaler Bedeutung. Das freut Peter Burri, Geschäftsführer der Skilifte, obwohl auch er die Konsequenzen nicht genau abschätzen kann: «Was diese kulturelle Schutzwürdigkeit für unseren Betrieb bedeutet, wird sich zeigen.» Vorerst sei ein schnee- und gästereicher Winter wichtig. In der vergangenen Saison waren die Lifte nur an 21 Tagen in Betrieb.

Dass ihr Bügellift speziell ist, war Zbinden und seinen Kollegen auch ohne Einschätzung des BAK klar. Obwohl in den Voralpen gelegen, ist er der viertlängste Skilift der Schweiz, war einst sogar der längste. Im oberen Streckenteil verläuft die Bahn in einer Rechtskurve. Eine Herausforderung für Skianfänger. «Aber beim zweiten Versuch klappts dann schon», weiss Zbinden.

Eine Habegger-Konstruktion

17 Stützen und eine Extra-Schlaufe in der Seilführung gleichen die Kräfte in der Kurve aus. Die Konstruktion stammt wie der ganze Lift vom Seilbahnhersteller Willy Habegger aus Thun. «Wegen des besonderen Aufbaus ist es teilweise schwierig, Ersatzteile zu finden», sagt Hans Zbinden. Sein jahrelang erworbenes Wissen ist hier ebenfalls kaum ersetzbar.

Damit die schwere Konstruktion in Fahrt kommt, müssen die Bügel mit fast 13 Stundenkilometer den Hang hinaufsausen. Die Skiliftmitarbeiter schmunzeln: «Das ist schneller, als grundsätzlich erlaubt wäre.» Innerhalb von elf Minuten stehen die Wintersportler auf dem Lischboden, von wo aus sie freie Fahrt auf 13 Pistenkilometern haben. Das Skigebiet im Eywald ist damit das grösste der Gantrisch-Region, die insgesamt sieben Skiorte anzubieten hat.

Lob für die Techniker

Neben der komplexen Kurvenlösung und der Länge des Lifts Eywald-Lischboden lobt das BAK vor allem dessen «beeindruckenden Erhaltungszustand». Dieser ist Zbinden und seinen sechs Kollegen zu verdanken. Schon seit vergangener Woche bereiten sie den Lift sorgfältig für den Saisonstart vor – darüber freuen sich nicht mehr nur Sportsfreunde, sondern nun auch Kulturliebhaber.

Rüschegg-Eywald: Voraussichtlich ab 25.12. täglich geöffnet. Tageskarte 35 Franken (Erwachsene) und 23 Franken (Kinder); Stundenkarten erhältlich. Nur mit dem Auto erreichbar. Schneetel.: 031 738 88 88. www.skilifte-rueschegg.ch

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