Der Schlagabtausch ums Tram geht von neuem los

Bern/Ostermundigen

Die neuen Pläne sind die alten: Die Stadtberner Verkehrsdirektorin Ursula Wyss präsentierte das zweite Tramprojekt. Im November kommt das Geschäft an die Urne – der Grosse Rat debattiert bereits im Juni.

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Fast schien es, als wolle Gemeinderätin Ursula Wyss (SP) ihren Gegnern den Wind ein für alle Mal aus den Segeln nehmen. Am Montag trat die Stadtberner Verkehrsdirektorin vor die Medien und machte klar: Der Berner Gemeinderat will nach wie vor den 10er-Bus nach Ostermundigen eins zu eins auf Tram umstellen. Folgt ihm der Stadtrat, stimmt Ende November das Volk an der Urne über die notwendigen 24,9 Millionen Franken ab.

Wenn man die Kapazitätsprobleme auf der Buslinie lösen wolle, gebe es keine Alternative, führte Wyss aus. Das hatte sie schon vor drei Jahren immer wieder betont. Trotzdem scheiterte im Herbst 2014 eine erste Vorlage, die auch auf dem Könizer Ast der 10er- Linie ein Tram vorsah, am Widerstand der zwei Vorortsgemeinden.

Vor Jahresfrist sagte Ostermundigen in einem zweiten Anlauf doch noch Ja, und so wandte sich Wyss nun an die Kritiker, ­ohne sie direkt zu nennen: In vernünftiger Zeit realisierbar sei das Tram nur auf der Basis des bisherigen Projekts.

«Wenn wir wieder über Linienführungen diskutieren, fällt das Projekt aus dem aktuellen Agglo­merationspro­gramm des Bundes.» Und ohne diesen wichtigen Geldgeber könnte erst eine Generation später gebaut werden.

Alleen, Altstadt, zweite Achse

Die Tramgegner möchten aber diskutieren. Ihr Augenmerk gilt im Moment aber dem Grossen Rat, der im Juni über einen Kantonsbeitrag von 102 Millionen Franken berät. Es geht um den grössten Einzelbrocken an das alles in allem 264 Millionen Franken teure Projekt, an dem neben weiteren Partnern auch der Bund mit 52 Millionen, Ostermundigen mit 28 Millionen und eben die Stadt Bern mit 24,9 Millionen beteiligt sind.

Jürg Schweizer, Alt-Denkmalpfleger des Kantons Bern, argumentiert an der Spitze der Kritiker. Er verstehe nicht, dass es mit dem Tramprojekt derart eile, erklärt er. Nach dem Nein zur ersten Vorlage wäre ein Marschhalt nötig gewesen: «Statt auf dem bisherigen Projekt zu beharren, hätte man den Fächer nochmals aufmachen müssen.»

Schweizer wirbt nochmals für eine Linienführung, wie er sie bereits vor drei Jahren ins Spiel gebracht hat. Sie ersetzt den 10er-Bus nicht eins zu eins, sondern folgt erst dem 20er-Bus bis ins Wankdorf. Von dort würde das Tram via Schermenweg zum Bahnhof Ostermundigen fahren und dann auf die 10er-Linie einbiegen. Varianten via Breitenrain- oder Tellstrasse wären denkbar (siehe Grafik in der Bildstrecke).

Die Alleen zwischen Viktoriaplatz und Ostermundigen würden geschont, und weil das Tram die Altstadt links liegen liesse, wäre die zweite Tramachse unnötig. Darauf wies Schweizer bereits 2014 hin, jetzt streicht er noch hervor: Das Gebiet Wankdorf-Schermenweg käme zu willkommenen Impulsen, «man darf eine Stadterweiterung nicht immer nur im Westen denken».

Dass eine Tram­linie in dieser Art ein Stück länger wäre, weiss Schweizer. Zugleich stellt er aber klar, dass die Haltestellen weiter auseinanderlägen und das Tram schneller unterwegs wäre. Den ETH-Professor und Verkehrsexperten Ulrich Weidmann sieht er auf seiner Seite: Weidmann habe kritisch darauf hingewiesen, dass mit einer reinen Umstellung der Linie 10 keine neuen Gebiete erschlossen würden.

Unvermittelt geht der altbekannte Schlagabtausch zwischen den Kritikern und Befürwortern der Tramlinie wieder los – denn auch Gemeinderätin Wyss weiss Weidmann auf ihrer Seite: Der Experte habe 2011 bestätigt, dass das nun vorliegende Projekt die beste Lösung sei, und es gebe keinen Anlass, anzunehmen, dass sich daran etwas geändert habe, führte sie aus.

Erst in zehn Jahren fertig

Wyss betonte weiter, dass die Alleen trotz Tram erhalten blieben. Sie gestand zwar ein, dass etliche Bäume gefällt und durch Jungpflanzen ersetzt werden müssen, weil sie im Weg stehen oder angeschlagen sind. Sie sprach aber lieber davon, dass die Baumreihen erneuert würden. Bernmobil- Direktor René Schmied skizzierte derweil noch den Zeitplan: Auch wenn der Grosse Rat und die Stadt Bern dieses Jahr Ja sagen, geht es noch zehn Jahre, bis das Tram fährt.

Berner Zeitung

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