Der Rössli-Wirt heisst immer gleich

Säriswil

Seit 125 Jahren hält Fritz Kaufmann das Wirtshaus Rössli auf Trab. Daran wird sich so schnell nichts ändern. Denn der nächste Fritz Kaufmann, mittlerweile die fünfte Generation, steht in den Startlöchern.

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Hans Ulrich Schaad

Seit 1887 existiert das Wirtshaus Rössli in Säriswil. Es hat sich in den gut 125 Jahren stark verändert. Begonnen hat es mit einem Wirtschäftli in zwei Wohnstuben eines Bauernstöcklis. Heute ist es ein weitherum bekanntes Speiserestaurant an schöner Lage, in dem regelmässig Essen und Veranstaltungen kombiniert werden. Eine Konstante gab es aber in all den Jahren: Der Rössli-Wirt hiess immer Fritz Kaufmann.

Die Familie Kaufmann hat das Wirten seit Generationen im Blut. Der heutige Wirt, Fritz Kaufmann IV., wusste schon früh, dass er in die Fussstapfen seines Vaters treten würde. Als er in der 5.Klasse war, durfte er mit der neuen elektrischen Knetmaschine Butterzöpfe herstellen. Die gelangen so gut, dass der kleine Fritz von einem Gast einen Fünfliber als Anerkennung erhielt. Von da an wollte er nur noch Wirt werden. Die ersten Berufswünsche, Pfarrer zu werden oder das zum Betrieb gehörende Lädeli zu führen, waren rasch vergessen. «Wenn die Eltern Freude an ihrem Beruf haben und diese weitergeben können, ergibt sich die Nachfolge von selber», erklärt der 62-Jährige.

Vater musste übernehmen

Er sei nie gezwungen worden, die Wirtelaufbahn einzuschlagen, betont Fritz Kaufmann IV. Ganz im Gegensatz zu seinem Vater. Der musste eine kaufmännische Lehre absolvieren und die Wirtschaft übernehmen. Dabei wäre er lieber Mechaniker geworden. Fritz Kaufmann III. sei eher auf dem Landwirtschaftsbetrieb und im Laden anzutreffen gewesen, während seine Ehefrau im Rössli zum Rechten geschaut habe.

Mit dem 25-jährigen Fritz Kaufmann steht die fünfte Generation bereit. Er besucht die Hotelfachschule in Zürich und absolviert gerade ein Praktikum im Hotel Schiff in Murten. Er ist erblich doppelt vorbelastet. Denn Mutter Elisabeth stammt ebenfalls aus einer Wirtefamilie. Ihr Bruder Otto Gerber führt den elterlichen Landgasthof in Schönbühl, in fünfter Generation.

Fritz Kaufmann V. machte zuerst eine Lehre als Landmaschinenmechaniker. Nicht etwa, weil er nicht wirten will. «Ich mache beides gerne», stellt er klar. Bei der ersten Berufswahl hat wohl der Grossvater, dem er als Junge in der Werkstatt helfen durfte, etwas abgefärbt, wie sein Vater ergänzt. Sein Sohn habe als Kind auch Wert darauf gelegt, Fritz und nicht Fritzli genannt zu werden, weil sein Vater für die Nachbarin immer der Fritzli geblieben sei.

Fritz V. erinnert sich, wie er als kleiner Bub zusammen mit seinen Geschwistern Niklaus und Isabel im Restaurant helfen durfte. Sie trugen die Körbe mit frisch gebackenem Brot und der Rössli-Züpfe zu den Gästen, die zugriffen und sie lobten. Das machte die Kleinen stolz. Es gab nie Streit zwischen den Geschwistern, welches das Rössli übernehmen soll. Ganz im Gegenteil: Alle packen an, wenn es nötig ist.

Die letzte Übergabe vor 31 Jahren verlief reibungslos. «Meine Eltern waren bereit, den Betrieb zu übergeben. Und ich war bereit, diesen zu übernehmen», erzählt der aktuelle Wirt. Die Eltern seien weiterhin für Rat und Tat da gewesen, ohne dreinzureden.

Verwechslungen

Bei so vielen Fritzen Kaufmann konnte es zu Verwechslungen kommen. Einmal sei ein Nachbar in die Gaststube gekommen und habe nach Fritz gefragt. Doch welcher? Es waren gleich drei Generationen anwesend. «Der Alte», meinte der Nachbar, worauf sich Fritz IV. angesprochen fühlte. «Nein, der ganz Alte», habe darauf der Gast präzisiert.

Die bisherigen vier Wirtepaare sind in der ehemaligen Gaststube auf den Leinenvorhängen verewigt. Auf dem linken steht jeweils der Name Fritz Kaufmann, auf dem rechten derjenige seiner Frau. Als Fritz IV. das Rössli übernahm, war er ledig. Deshalb stand dort zuerst der Name seiner Schwester. Zwei Jahre später, in der Nacht vor der Hochzeit, wurde der Vorhang ausgewechselt. «Es war eine grosse Überraschung und Ehre für mich, meinen Namen auf dem Vorhang zu sehen», erinnert sich Elisabeth Kaufmann. Weil das erstgeborene Kind ein Sohn ist, wurde auch er Fritz getauft.

Gibt es dereinst einen Fritz Kaufmann VI.? «Das entscheide ich nicht allein», antwortet der 25-jährige Single.

Berner Zeitung

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