Der «Präsident der Unzufriedenen»

Walkringen

Ein Dutzend Mitarbeitende sind unter Peter Stucki zurückgetreten. Im Interview sagt der Walkringer Gemeindepräsident, dass vor allem Differenzen innerhalb des Gemeinderats zu den Abgängen geführt haben.

Für Gemeindepräsident Peter Stucki liegen die Probleme der Gemeinde vor allem in der Vergangenheit.

Für Gemeindepräsident Peter Stucki liegen die Probleme der Gemeinde vor allem in der Vergangenheit.

(Bild: Urs Baumann)

Martin Burkhalter@M_R_Bu

Peter Stucki, unter Ihrer Führung gab es zahlreiche Abgänge, sowohl im Gemeinderat als auch in der Verwaltung. Weshalb?
Peter Stucki: Ich habe den Eindruck, dass sich die Differenzen mit einer Gemeinderätin auch auf die Verwaltung abgefärbt hatten.

Welche Differenzen gab es?
Ich bin mit einer Person des Gemeinderats mit Haut und Haaren nicht ausgekommen.

Mit wem?
Ich möchte keine Namen nennen.

Worum ging es?
Als ich als Gemeindepräsident anfing, gab es ein grosses Unbehagen in der Bevölkerung gegenüber dem Gemeinderat. 2012 hatte die Gemeindeversammlung das Budget abgelehnt. Ende 2013 traten dann die Gemeindeschreiberin und die Gemeindepräsidentin zurück. Dann kam ich und wollte Frieden in die Sache reinbringen. Für den Gemeinderat und besonders für die Frau, die als Gemeindepräsidentin nachrücken wollte, gehörte ich aber immer zu den Oppositionellen.

Und wie haben Sie reagiert?
Ich kam mir vor wie der Gemeindepräsident der Unzufriedenen. Ich war sogar kurz davor, zurückzutreten.

Sie sind geblieben, dafür sind andere gegangen. Sie begründeten die Abgänge auch damit, dass in der Gemeinde schon vorher der Wurm drin gewesen sei. Ihre Vorgängerin widerspricht dem vehement.
Ich möchte das Vorher lieber gar nicht kommentieren. Aber wenn, dann müsste man sich doch die Frage stellen, weshalb die Vorgängerin überhaupt zurückgetreten ist.

Sagen Sie weshalb.
Weil sie sich mit Anschuldigungen aus der Bevölkerung konfrontiert sah. Das Volk hat damals gesagt, und ich möchte nicht, dass das aus meinem Mund kommt, die Gemeindebehörde sei eine Wohlfühloase. Und ja, in einer Wohlfühloase gibt es natürlich keine Abgänge.

Verschiedene ehemalige Mitarbeiter gaben an, wegen Ihnen gegangen zu sein. Sie werden auch beschuldigt, Mitarbeiter übel beleidigt zu haben.
Ich könnte mich nicht erinnern, dass ich je einen Angestellten beleidigt hätte. Nie im Leben, ich habe ja mit denen gar nichts zu tun.

Und innerhalb des Gemeinderats? Kam es dort zu Beleidigungen?
Nein, den grössten Teil der Querelen gab es, weil die Mitbewerberin für das Gemeindepräsidentenamt nach der Nichtwahl nicht zurückgetreten ist. Das sehen übrigens noch andere so. Das ist auch mit ein Grund, dass heute noch hintendurch Fäden gegen mich gesponnen werden.

Eine Supervision, die den internen Zwist vielleicht hätte schlichten können, haben Sie aus finanziellen Gründen abgelehnt. Ist es jetzt nicht letztlich teurer gekommen?
Das wäre zu analysieren, und ich möchte es nicht ausschliessen. Wir haben zweimal eine Klausur mit dem Regierungsstatthalter abgehalten, und immer war es die gleiche Person, die nicht zufrieden war.

Und weshalb wollten Sie, Herr Stucki, keine Supervision?
Das machte keinen Sinn. Mein Eindruck ist: Wenn du mit einer Person diskutierst und diskutierst und trotzdem nicht den gleichen Nenner findest, dann muss es eine andere Lösung geben.

Und die Lösung war, dass zwei Gemeinderätinnen zurücktreten?
Ja, das war jetzt die Lösung. Aber das habe ich den beiden ja nicht befohlen. Eine Veränderung hat es aber gebraucht. Ich habe den Eindruck, dass auch der beste Mentor das nicht wieder auf gute Wege hätte bringen können.

Weshalb gehen ehemalige Mitarbeiter öffentlich gegen Sie vor? Die könnten ja auch einfach schweigen.
Ich glaube, dass da jemand nachgeholfen hat. Ich habe mich mit den Letzten, die gegangen sind, unter vier Augen unterhalten, so ganz gemütlich. Ich habe gefragt, was das Problem sei, was wir besser machen könnten und wo der Schuh drücke. Und niemand kam mit solchen Anschuldigungen, die jetzt in der Zeitung stehen. Wenn in meiner Firma mal einer wegging, dann haben wir miteinander gesprochen, und dann habe ich gewusst warum. Ich habe den Eindruck, das kommt alles aus derselben Ecke.

Aus welcher?
Das kann nur aus der Verliererküche gekommen sein!

Und wie geht es jetzt weiter?
Wir haben jetzt mit einer Supervision mit den Gemeinderäten begonnen. Ich habe den Eindruck, dass wir unter den neuen Umständen gut und vor allem konstruktiv zusammenarbeiten werden.

Kommt das nicht etwas spät?
Ja, vielleicht, aber es ist gleichzeitig auch nie zu spät. Und Sie müssen sehen, unsere Amtszeit geht noch bis Ende 2016. Inzwischen sind wir im Gemeinderat und in der Verwaltung schon wieder recht gut unterwegs.

Weshalb geht das jetzt plötzlich? Und vorher nicht?
Das ist das positive Ergebnis einer Veränderung.

Zwölf sind gegangen. Hätte nicht nur einer gehen sollen?
Über meinen Rücktritt haben wir gesprochen. Würde ich jetzt zurücktreten, würden die Leute sagen: «Wir haben es ja gewusst, jetzt, wo es schwierig wird, läuft er davon.» Das will ich nicht. Und ich möchte auch das Feld nicht anderen überlassen, weil dann wäre ich ein schlechter «Cheib» gegenüber denen, die mich gewählt haben. Ich möchte für unsere Gemeinde noch viel Positives tun, und ich denke, mit dem jetzigen Gemeinderat und der Verwaltung schaffen wir das.

Berner Zeitung

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