Der neue Raiffeisen-Präsident fühlt den Puls der Basis

Worb

Guy Lachappelle reist zu den Mitgliedern der Raiffeisenbank Worblen-Emmental.

Warmer Empfang: Guy Lachappelle (Mitte) in Worb. Foto: Nicole Philipp

Warmer Empfang: Guy Lachappelle (Mitte) in Worb. Foto: Nicole Philipp

Stephan Künzi

Er meldete sich aus der Mitte der versammelten Raiffeisenmitglieder in Worb und wollte wissen: «Haben Sie in St. Gallen etwas angetroffen, was Ihnen richtig Freude machte?»

Seine drängendsten Fragen waren eigentlich schon beantwortet. Das machte der ältere Herr auch klar, als er sich erhob und zu seiner kurzen Rede an die Adresse von Guy Lachappelle ansetzte. Es ehre ihn sehr, dass der neue Präsident von Raiffeisen Schweiz «schon nach vier Monaten von St. Gallen her zu uns kommt». Das sei eine Premiere «und macht mich stolz».

Rundum sehr viel Lob

Guy Lachappelle stand vor der Basis der Raiffeisenbank Worblen-Emmental und war, wie er eingestand, ob so viel Lob den Tränen nahe. Wortreich hatte er zuvor die Bodenständigkeit der lokal verwurzelten Raiffeisenbanken heraufbeschworen, weiter die Kundennähe hervorgestrichen, die ihm so in seiner Zeit bei der Basler Kantonalbank nie begegnet sei.

Auf die Frage aus dem Saal gab er nun zur Antwort: «Mich hat sehr viel gefreut.» Zwei Dinge seien ihm am ersten Tag in St. Gallen aufgefallen. Die tiefe Verbundenheit der Leute mit ihrer Bank. Und das ausgeprägt unternehmerische Denken jeder einzelnen Bank.

Der neue Präsident sagte aber auch, dass ihm der Wechsel zu Raiffeisen nicht leichtgefallen ist. Er habe diesen Entscheid lange angezweifelt, «ich erlebte nicht die einfachste Phase meines Lebens». Unvermittelt war er mitten in jenem Thema, das an diesem Abend zwar dauernd an-, nie aber richtig ausgesprochen wurde: Raiffeisen kaut nach wie vor am tiefen Fall von Übervater Pierin Vincenz.

Vor Jahresfrist, als landauf, landab die Raiffeisenbanken ebenfalls zur traditionellen Versammlung luden, war die Krise weit akuter. Vincenz sass in Untersuchungshaft, derweil die Staatsanwaltschaft in Ruhe Beweise sammeln und klären konnte, inwieweit sich der Vorwurf der ungetreuen Geschäftsbesorgung erhärten liesse.

Der ehemalige Raiffeisenchef stand im Verdacht, sich an diversen Transaktionen bereichert zu haben – und riss, weil sein Umfeld besser hätte hinschauen sollen, gleich die ganze Bank in die Krise.

«Was zwischen 2012 und 2015 passiert ist, darf sich nicht wiederholen», betonte Guy Lachappelle. Er lobte die Kultur und die Werte, die in den Banken vor Ort gelebt würden, sie müssten nun auch wieder in der St. Galler Zentrale Einzug halten.

Rundum gute Zahlen

Bei den Leuten in Worb kamen solche Worte gut an, weitere Anregungen oder auch Kritik gab es nicht mehr. Kein Wunder, die Raiffeisenbank Worblen-Emmental hat auch das letzte, so turbulente Jahr gut gemeistert. Die Verantwortlichen präsentierten in allen Teilen positive Zahlen – ausser bei den Mitgliedern.

Dafür hatten sie aber eine Erklärung zur Hand: Der Rückgang um 20 auf 12601 Mitglieder sei nicht einem schlechten Image, sondern Todesfällen und Wegzügen geschuldet.

Berner Zeitung

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