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Der Millionär geht zum Berufsberater

Daniel Bienz hat das grosse Los gezogen: Anfang Monat gewann der 21-Jährige aus der Region vor laufender Kamera 1 Million Franken. Richtig fassen kann er das noch immer nicht. Doch statt ans Verprassen denkt er an Weiterbildung.

«Zuerst einmal muss ich Steuern zahlen»: Daniel Bienz, gerade mal 21-jährig, hat in einer TV-Sendung eine Million gewonnen.
«Zuerst einmal muss ich Steuern zahlen»: Daniel Bienz, gerade mal 21-jährig, hat in einer TV-Sendung eine Million gewonnen.
Nadia Schweizer

Der Geldkoffer war eine Attrappe. Natürlich befand sich die «Swiss Awards»-Million nicht in dem Behälter, den Moderator Sven Epiney dem Sieger so symbolträchtig übergab – und gleich wieder wegnahm, kaum waren die Kameras weggeschwenkt. Das erzählt Daniel Bienz einige Wochen nach seinem grossen Glücksmoment. Er sitzt am Esstisch zu Hause auf dem elterlichen Bauernhof und streicht sich verlegen über den roten Bart. Der 21-Jährige kann immer noch nicht ganz fassen, was Anfang Monat im Zürcher Hallenstadion geschehen ist. «Es ist unglaublich.» Bienz hatte ein Los im Sack, das ihm seine Mutter geschenkt hatte. 50 Losbesitzer waren in die SF-Sendung eingeladen worden, in der auch der «Schweizer des Jahres» gewählt wurde. Einer dieser 50 sollte die Saalmillion gewinnen.

Plötzlich reden die Leute

Dieser eine mit der Losnummer 29 war Daniel Bienz. Und der sorgte mit seiner jugendlich-unverblümten Art für Lacher, als er trotz einer Warnung Epineys sofort seinen ganzen Namen ausplauderte. «Bisher habe ich erstaunlicherweise noch keine Bettelbriefe erhalten», sagt der Elektromonteur, der im Moment in der Armee als Unteroffizier dient. Sein Alltag habe sich nicht verändert – und das soll so bleiben, deshalb will er auch seinen genauen Wohnort in der Region Bern nicht in der Zeitung lesen. «Die Leute reden ohnehin schon viel.»

Davon hört Daniel Bienz aber nicht viel mehr als ein paar Sprüche. «Wenn im Militär etwas kaputtgeht, sagen die Kollegen im Scherz: ‹Macht nichts, das kann ja der Bienz zahlen.› Und im Ausgang fragen die Frauen, ob ich ihnen Drinks spendiere.» Daniel Bienz lächelt verschmitzt. Von diesen Frauen wolle er nichts wissen. «Wenn ich eine Freundin möchte, dann eine, die gar nichts weiss von dem Geld.»

Er beschenkt die Familie

Überwiesen erhielt Daniel Bienz vorerst «nur» 650'000 Franken: Von Schweizer Lottogewinnen ab 50 Franken fliessen zunächst 35 Prozent Verrechnungssteuer an die Steuerverwaltung. Diesen Teil des Geldes erhält der Glückspilz aber zurück, wenn er seinen Gewinn deklariert hat.

Seine 650'000 Franken hat Daniel Bienz erst mal auf einem Jugendsparkonto parkiert. Bei zwei Prozent Zins verdient er allein damit 13'000 Franken pro Jahr. Dabei kommt er momentan gar nicht dazu, viel auszugeben – noch bis Mitte Februar ist er im Militär und nur am Wochenende zu Hause. Vielleicht will er sich im Sommer ein neues Motorrad kaufen, Töfffahren ist sein liebstes Hobby: Pünktlich an seinem 18.Geburtstag stand er im Laden und leistete sich seine erste Maschine. Er denkt aber auch an die Familie. Der Mutter will er Klavierstunden zahlen. Und vielleicht schenkt er sich mit Eltern und Bruder ein paar Tage Ferien. Mehr habe er nicht geplant. «Zuerst einmal muss ich wohl Steuern zahlen.»

Arbeit geht vor

Der pflichtbewusste junge Berner denkt nicht daran, sich auf dem Geld auszuruhen. Im Gegenteil; weil er in seinem Job als Elektromonteur nicht glücklich war, will er sich weiterbilden, die Berufsmatura machen, später wohl an die Fachhochschule. «Das Problem ist, dass ich überhaupt nicht weiss, in welche Richtung ich gehen soll.»

Deshalb plant der frischgebackene Millionär demnächst einen Besuch beim Berufsberater.

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