Der Könizer Strassen-Strich verschwindet

Köniz

Ob Seftigen-Strasse oder Freiburg-Strasse: Die Gemeinde Köniz bricht mit der Tradition, bei der Beschriftung ihrer Schilder die Schreibweise mit Bindestrich zu verwenden.

Eine Könizer Eigenart, die bald der Vergangenheit angehört: In sämtlichen Strassennamen fällt der Bindestrich künftig weg.

Eine Könizer Eigenart, die bald der Vergangenheit angehört: In sämtlichen Strassennamen fällt der Bindestrich künftig weg.

(Bild: Christian Pfander)

Christoph Albrecht

Es ist ein winziges Detail, eine Nuance, ja eigentlich eine Belanglosigkeit. Und doch eben auch ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem sich Köniz bisher von anderen Berner Agglomerationsgemeinden abgehoben hat. Die Rede ist vom Bindestrich. Auf allen Schildern der Gemeinde taucht er auf, wo es eine Strasse zu benamsen gilt. Von der Köniz-Strasse im Liebefeld über die Freiburg-Strasse in Thörishaus bis hin zur Halten-Strasse in Niederscherli: Das Interpunktionszeichen drängt sich stets zwischen die Wortteile.

So weit, so unspektakulär. Etwas sonderbar scheint die Könizer Eigenart hingegen bei Strassen, die gemeindeübergreifend existieren und ein und denselben Namen tragen. Ein Beispiel: Verlässt man die Stadt Bern südlich über die Seftigenstrasse, findet man sich im Könizer Ortsteil Wabern auf einmal auf der Seftigen-Strasse wieder, ehe man den Bindestrich nach kurzer Verschnaufpause auf Kehrsatzer Boden auf der Seftigenstrasse in Belp wieder losgeworden ist.

Warum der Unterschied? Diese Frage hatte ein Bewohner, dem das klitzekleine Detail als einem der wenigen überhaupt aufgefallen sein dürfte, vor knapp einem Jahr an der Versammlung des Wabernleistes aufgeworfen. Die Antwort lieferte kurz darauf die Gemeindeverwaltung. Der Bindestrich sei schlicht und einfach Tradition, erklärte sie auf Nachfrage.

Wahrscheinlich, so die Mutmassung, spiegle sich in der Könizer Schreibweise das alte Bestreben wider, mit dem Bindestrich den Kern des Namens besser zur Geltung zu bringen. Die Variante mit dem Strich entspreche aber zu­gegebenermassen weder der offiziellen und eigentlich richtigen Schreibweise noch den Empfehlungen des Bundes für die Beschilderung der Strassen.

Genau das will Köniz nun ändern. Am Dienstag erklärte Neo-Gemeinderat Hansueli Pestalozzi (Grüne) an der diesjährigen Versammlung des Wabernleistes «das Problem mit dem Strassen-Strich» für gelöst. Die Könizer Regierung habe entschieden, die alte Tradition über Bord zu werfen und künftig auf die Schreibweise mit Bindestrich zu verzichten. So, wie das bei allen Strassennamen mit den Endungen -rain, -stutz oder -weg schon heute Usus ist.

Wenige Hundert Schilder mit durchgekoppelten Namen gibt es laut Pestalozzi in Köniz. Werden sie nun alle für teures Geld abmontiert und ersetzt? Ein Szenario, das – bei allem Anpassungswillen – manch einem Steuerzahler gewaltig gegen den Strich gehen dürfte. Es wird laut Pestalozzi aber nicht eintreten. Nur stark abgenutzte oder beschädigte Schilder würden ersetzt. Da diese aber sehr robust sein sollen, dürfte es noch Jahrzehnte dauern, bis der letzte Bindestrich aus Köniz verschwunden ist.

Berner Zeitung

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