Der Kanton stösst seine Hütten ab

Guggisberg

Strom gibts nicht in der Einberghütte. Wasser fliesst draussen am Brunnen, und das WC ist ein Plumpsklo. Jetzt will der ­Kanton die Liegenschaft für 280 000 Franken verkaufen.

Die Einberghütte ist alt und idyllisch gelegen. Die Berg- und Skiriege möchte sie trotzdem weiterhin als Vereinszuhause nutzen.

Die Einberghütte ist alt und idyllisch gelegen. Die Berg- und Skiriege möchte sie trotzdem weiterhin als Vereinszuhause nutzen.

(Bild: Enrique Muñoz Garcia)

Seit bald neunzig Jahren mietet die Berg- und Skiriege des TV Länggasse die Einberghütte. Nach der Bursthütte und der ­Süftenenhütte will das kantonale Amt für Grundstücke und Gebäude (AGG) jetzt auch seine letzte Hütte im Gantrischgebiet verkaufen. Sie liegt unweit des Restaurants Schwarzenbühl im Se­lital und wird demnächst zum Verkauf ausgeschrieben.

Kauf abgelehnt

Dem Verein Berg- und Skiriege gewährte das AGG ein Vor­kaufsrecht für die Liegenschaft. Trotz allen nostalgischen Ge­fühlen ­beschloss der Verein an einer ausserordentlichen Hauptversammlung, auf den Erwerb der über hundertjährigen, sa­nierungs­bedürftigen Hütte zu verzichten. Den Kaufpreis von rund 280 000 Franken hätte man vielleicht noch irgendwie zu­sammenkratzen können, aber «ohne eine Hypothek hätte es nicht geklappt», sagt ein langjähriges Mitglied, das seinen Namen nicht nennen will. Der Mann ist überzeugt, dass Zinsen und Betriebskosten die finanziellen ­Verhältnisse des Vereins weit übersteigen würden.

Vereinsintern wurde lange und intensiv über den Kauf der Hütte debattiert. Die Meinungen waren geteilt. Aber unter dem Strich gab es mehr Argumente gegen den Kauf. Etwa, dass mit Spenden zu wenig Eigenkapital zusammenkäme. Oder auch, dass die Einberghütte nicht an die Stromversorgung angeschlossen ist, Wasser nur draussen im Brunnen fliesst und sich die Besucher mit einem Plumpsklo und fehlenden Duschen abfinden müssen. Auch die Zufahrt, ein einfacher Holzerweg, müsste repariert werden. Geheizt und gekocht wird mit Holz, das die Vereinsmitglieder seit je selber sägen und spalten. Alljährlich veranstaltet man eine gemeinsame Hüttenputzete.

Alte packen an

«Unterhaltsarbeiten haben wir selber ausgeführt, allerdings hat uns der Kanton dafür entschädigt und auch das Material bezahlt», berichtet der Vereinsangehörige und betont: «Das alles bedeutet Arbeit, und viele der Jungen ­machen da nicht mehr mit. Uns fehlt es an Nachwuchs.» Der fehlende Nachwuchs sei ebenfalls ein Grund dafür, dass der Verein auf den Kauf der Hütte verzichte. Und das relativ hohe Durchschnittsalter der 135 Mitglieder hat zur Folge, dass die sportlichen Aktivitäten eher abnehmen. Auf dem Jahresprogramm stehen heuer noch eine Schneeschuhtour und eine Wanderung. Im Vordergrund steht das gemütliche Zusammensein in der Einberghütte.

Vertrag bereits gekündigt

Das AGG hat der Berg- und Skiriege bereits gekündigt. Kann die Hütte nicht verkauft werden, wird sie weiterhin vermietet. «Bei einer Neuvermietung müsste der heutige Mietzins überprüft werden», teilt das AGG schriftlich mit. Es sei nicht rentabel, solche Häuser zu bewirtschaften, weil sie nur Kosten verursachten. Wie hoch die Miete bis jetzt war, will niemand sagen.

Bei der Berg- und Skiriege hofft man, die Hütte weiterhin mieten zu können. Ob diese auch in Zukunft der Angelpunkt des Vereins bleibt, hängt in der Schwebe. Auch wenn die Riege die Hütte wieder mietet, können die verbleibenden Mitglieder den Unterhalt und die Holzerei irgendeinmal nicht mehr selber stemmen. Aber vielleicht findet das AGG einen Käufer und wird damit im Gantrischgebiet keine Hütte mehr besitzen. Dann müsste die Berg- und Skiriege sich ein neues Zuhause suchen.

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