Der Kampf ums Tram hat begonnen

Ostermundigen

Mit einem Spaziergang auf der Bernstrasse in Ostermundigen hat der Gemeinderat am Freitag den Abstimmungskampf zu den neuen Tram­vorlagen eröffnet. Emotionen sind auch diesmal garantiert.

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Es liegt den Behörden viel an dieser Abstimmung. So viel, dass am Donnerstag alle sieben Gemeinderatsmitglieder auffuhren, um die Medienleute durch Ostermundigen zu führen. Um ein Argument nach dem andern aufzuzählen, warum es wichtig sei, dass das Volk am 3. April Ja sage zur Sanierung der Bernstrasse und zum Tram von Bern nach Ostermundigen.

Vor dem alten Haus neben der Bahnhofunterführung, das seit einem Jahr vom Kollektiv Osterhase besetzt ist, bleibt die Gruppe stehen. Solche stark sanierungsbedürftige Liegenschaften – später wird noch der Begriff Lotterliegenschaften fallen – gebe es in Mundigen zu viele, sagt Gemeindepräsident Thomas Iten (parteilos). «Wir brauchen dringend Erneuerungen.» Iten ist überzeugt: Mit einem Tram würden die Grundstückpreise steigen – und damit auch die Motivation der privaten Eigentümer, Lotterliegenschaften abzureissen und Neubauten zu realisieren.

28 Millionen

«Kommen Sie», sagt Gemeinderat Synes Ernst (CVP) und steigt die Treppe von der Bahnhofunterführung hinauf auf das Perron zwischen Gleis 2 und 3. Menschen im Rollstuhl, Mütter mit Kinderwagen, Senioren mit Rollator: «Ohne Begleitperson haben sie keine Chance, auf dieses Perron zu kommen», sagt Synes Ernst. Es bleiben noch maximal acht Jahre Zeit dafür, den Bahnhof umzubauen und behindertengerecht zu machen. Dieses Projekt allein koste total 40 Millionen Franken, so der Gemeinderat. Im Tramprojekt sei der Bahnhofumbau inbegriffen. Dazu die Sanierung der Bernstrasse und der ­alten Werkleitungen – das alles koste die Gemeinde, Subventionen sei Dank, nur 28 Millionen.

Solche Aussagen bringen die Gegner auf die Palme. Dass die Gemeinde nur 28 Millionen Franken zahlen müsse, sei alles andere als sicher, betonen sie. Tatsächlich sind die Bundesgelder für das Tramprojekt zwar nach wie vor gesichert. Die Beiträge von Kanton und Stadt Bern dagegen sind nach dem Nein zum Tram Region Bern verfallen. Der Grosse Rat und das Stadtberner Stimmvolk müssten nochmals darüber abstimmen. «Ein Ja dort wäre aber recht wahrscheinlich», sagt Mundigens Gemeinderätin Ursula Lüthy (Grüne).

Mundigen wie Medellín?

Schon dem ersten Tramentscheid 2014 war ein emotionaler Abstimmungskampf vorausgegangen. In Leserbriefen und an Podiumsgesprächen griffen sich Gegner und Befürworter zum Teil unter der Gürtellinie an. Jeder sah sich als Verkehrsfachmann. Das scheint diesmal nicht anders zu sein. Ein Beispiel: Tramgegner lancierten die Idee, vom Zentrum Ostermundigen bis in die Rüti eine Gondelbahn zu bauen. Trambefürworter reagierten darauf zum Teil mit Spott, worauf die Gegenseite mit Zeitungsartikeln zu dokumentieren versuchte, dass Gondelbahnen in Städten wie Medellín bestens funktionierten.

Irgendwie erinnert das Hin und Her an ein Leiterlispiel. Nach dem Nein zum Tram Region Bern schien es beendet, doch dann erwirkten knapp 800 Leute mit einer Volksinitiative eine neue Abstimmung. Zurück auf Feld eins. Und falls das Stimmvolk am 3. April erneut Nein sagt: Beginnt dann die dritte Runde? «Nein», antwortet Gemeinderat Andreas Thomann (SP), «dann ist das Tram definitiv gestorben.» Dann gelte es, möglichst rasch ein anderes Sanierungsprojekt für die Bernstrasse auszuarbeiten. «Dieses würde aber teurer. Viel teurer.» Die Gegner würden, wenn sie vor Ort wären, sofort widersprechen.

Berner Zeitung

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