Der junge Donald Trump von Frutigen

Der Berner Oberländer Jung-SVPler Nils Fiechter ist erst 20-jährig und ausnehmend freundlich, aber als «Burka-Bomber» und Mitorganisator der abgesagten Demonstration in Bern der neue Nachwuchsstar der politischen Provokation von rechts.

Ambitioniert, furchtlos, spurtreu: Nils Fiechter, Frutiger Nachwuchsstar der Jungen SVP.

Ambitioniert, furchtlos, spurtreu: Nils Fiechter, Frutiger Nachwuchsstar der Jungen SVP. Bild: Beat Mathys

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Donald Trump? Über Nils Fiechters jungenhaftes Gesicht huscht ein spitzbübisches Lächeln, und seine zur wetterfesten Gegenwindfrisur gegelten blonden Haare erinnern plötzlich an den luftigen Föhnputz des US-Präsidenten.

«Ich trage meine Haare schon länger in dieser Art als er», witzelt Fiechter im Restaurant Bärenhöfli an Berns Zeughausgasse, wo er mittags gerne Leute trifft und politisiert. «Trump halte ich in der Tat für einen hoch­interessanten Politiker.»

Weil seine Grossmutter in New Jersey lebt, reiste der polyglotte Frutiger Fiechter im November 2016 in die USA, um den Wahltag live vor Ort zu erleben, und er ­besuchte den Trump-Tower in Manhattan. Aber er teile längst nicht alles, was Trump sagt.

«Ich bin sicher einer der offensten SVPler, die es gibt.»Nils Fiechter

Die sexistischen Sprüche seien alles andere als okay, und nicht viel hält Fiechter auch von Trumps Absage an die Globalisierung: «Internationaler Austausch ist wichtig», sagt er, der Verwandte in Australien hat und schweizerisch-kanadischer Doppelbürger ist, weil seine alleinerziehende Mutter als Kind aus Kanada einwanderte. «Ich bin sicher einer der offensten SVPler, die es gibt.»

«Ich war ein Stürmi»

Was ihm am rebellenhaften US-Präsidenten aber «ausgesprochen imponiert», so Fiechter, «ist seine Konsequenz». Niemand habe Trump ernst genommen, dann sei er gewählt worden, und nun setze er radikal um, was er angekündigt habe. «Grossartig. Davon könnten Schweizer Politiker, die sich gerne nach dem Wind richten, viel lernen», sagt Fiechter.

Vom belächelten Outsider zum gewählten Elitenschreck: Das ist ein Weg, den sich Jungpolitiker Fiechter – im schweizerischen Miniaturformat – wohl auch für sich vorstellen könnte

Schon als Schüler habe er aus Prinzip den Widerspruch gesucht: «Ich war ein Stürmi.» Bei einer schulinternen Debattierwoche ging er als Sieger hervor und wurde an die Schweizer Meisterschaft geschickt, wo er wegen eines Anmeldungsfehlers aber nicht performen konnte.

Das stach ihm so in die Nase, dass er seine Neigung in echt ­ausleben wollte. In der Politik. Er habe begonnen, am TV Debattiersendungen reinzuziehen, er durchpflügte die Programme aller Parteien und entschied sich, bei der Jungen SVP einzusteigen. Mit Haut und Haaren.

«Kein billiger Provokateur»

Im Kreisverband Frutigen-Niedersimmental gab es die Junge SVP erst in Ansätzen, aber Newcomer Fiechter übernahm gleich das Präsidium: «Das war die Initialzündung.»

Er habe gezweifelt, ob er dem Präsidentenamt gewachsen sei, vor allem aber gemerkt, wie wichtig es in der Politik sei, sich voll reinzuhängen. Schritt für Schritt sei sein Selbstvertrauen gewachsen – und bald traute es sich der Jungspund zu, mit umstrittener Action die nationale Öffentlichkeit zu suchen.

Legendär ist sein Auftritt vom vergangenen Frühjahr, als er auf dem Bundesplatz als burkatragender Selbstmordattentäter mit Sprengstoffgürtel-Attrappe auftrat, um für die Volksinitiative für ein Verhüllungsverbot zu werben.

«Ich trug einen Nikab mit Augenschlitz, gar keine Burka», sagt Fiechter lachend, «aber die Aktion war ein voller Erfolg, und ich würde sie jederzeit wiederholen, weil ich voll dahinterstehen kann.» Es wurde Anzeige gegen ihn erstattet, die später abgewiesen wurde. Alles Roger: Der Name Nils Fiechter als neues Label für politische Provokation von rechts war lanciert.

Sich selber sieht Fiechter nicht als billigen Provokateur, sondern als einen, der durch harte Arbeit zu glasklaren Argumentarien kommt, die er deshalb gegen schärfsten Widerstand verteidigt, ohne ins Wanken zu geraten.

Dem früheren Fussballer hilft die mächtige Physis, dass er und sein Weltbild nicht so schnell kippen. Noch wichtiger aber ist das auf wenige Grundwerte – direkte Demokratie, Eigenständigkeit, Meinungsfreiheit – konzentrierte politische Koordinatensystem, an dem er seine Positionen ausrichtet.

Das erleichtere es ihm, aus dem Bauch rasant und mediengerecht Stellung zu beziehen, gelassen wie der ausgebuffteste Routinier.

Mit Sommaruga zum Bier

Er liebe kontroverse Podien, aber auch familieninterne Debatten mit seinem zur SP orientierten Onkel, und «ich hätte null Probleme, mit Bundesrätin Simonetta Sommaruga ein Bier zu trinken oder sogar einen ganzen Abend diskutierend zu verbringen», sagt Fiechter heiter.

Sein Leben pulsiert im Turborhythmus. Erst recht, nachdem er diese Woche die Kundgebung vom 18. März abgesagt hat. Von links und rechts stürzt Kritik auf ihn ein: «Provokateur!» «Hosenscheisser!»

Fiechter gibt erst recht Gas. Er stehe vor 5 Uhr morgens auf, um Mails zu beantworten und die sozialen Medien zu bedienen. Dann fährt der KV-Absolvent von Frutigen nach Bern zu seiner Arbeit im kantonalen Amt für Sozialversicherungen.

«Natürlich», sagt er, «werde ich mittlerweile auf der Strasse erkannt.» Schön, wenn Leute seinen politischen Effort schätzen würden. Nachts in Bern habe er aber immer einen Pfefferspray dabei, man könne nie wissen, ob es «Linkschaoten» auf ihn abgesehen hätten.

Bremsen können sie ihn eh nicht: Mit dem Lengnauer Adrian Spahr strebt Fiechter im Co-Präsidium die Nachfolge von Erich Hess an der Spitze der JSVP Bern an, zusätzlich fasst er eine Grossratskandidatur für das nächste Frühjahr ins Auge.

Ihm imponiere die Rhetorik von SVP-Nationalrat Roger Köppel, die Volksnähe von Ex-SVP-Präsident Toni Brunner, Trumps Gradlinigkeit. Vorbilder? «Ich will selber eine Marke werden», sagt Fiechter. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.03.2017, 22:19 Uhr

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