Bern

Der gute Geist im Künstlerhaus

BernElf Kunstschaffende experimentieren zurzeit in ihren Ateliers im Schwob-Haus. So lautet der Wille der ­einstigen Besitzerin, der Kunstmalerin Susanne Schwob (1888–1967).

Gemütlich und kreativ: Die Künstler ­Aldir Polymeris, Olivia Abächerli, ­Nicolle Bussien und Lea-Nina Fischer (von links) im Atelier des Schwob-Hauses.

Gemütlich und kreativ: Die Künstler ­Aldir Polymeris, Olivia Abächerli, ­Nicolle Bussien und Lea-Nina Fischer (von links) im Atelier des Schwob-Hauses. Bild: Raphael Moser

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Ein verwunschener Garten umgibt die Jugendstilvilla in der Länggasse. Ein Schild verweist auf die einstige Besitzerin: Susanne Schwob. 1967 ist die aus einer Industriellenfamilie stammende Kunstmalerin verstorben. Die Villa hatte sie der Stadt Bern vermacht unter der Bedingung, dass ihr Haus weiterhin von Kunstschaffenden genutzt werde. Das ist bis heute der Fall.

Aldir Polymeris ist einer der elf Kunstschaffenden, die hier zurzeit ein Atelier gemietet haben. In seiner Ecke des Raumes, den er sich mit vier anderen teilt, herrscht Kabelsalat. Er sei gerade am Erarbeiten einer Performance zum Thema Wellness, so der Künstler.

Bezahlen müsse man pro Qua­dratmeter, aufgenommen werde nur, wer zuerst ein Bewerbungsformular ausfülle und glaubhaft darlegen könne, dass er etwas zum Gemeinwohl beitrage. Gemeinsam essen, sich über die Arbeit austauschen – das ist den Bewohnern, die mehrheitlich in ihren Zwanzigern sind, wichtig.

Die «Schwobis»

Zurzeit präsentieren die «Schwobis», wie sie sich selbst nennen, ihre Arbeiten in der Berner Stadtgalerie. Bei einem Rundgang durch die Ateliers des Schwob- Hauses lässt sich ahnen, wie unterschiedlich die Projekte der jeweiligen Künstler sind. Lea-Nina Fischer experimentiert mit Düften.

Ähnlich wie die Situationisten in den Fünfzigerjahren sorgt sie für irritierende Raumerlebnisse. Dafür arbeite sie mit einem Parfümeur zusammen. «Im Moment experimentiere ich mit Moder-, Plastiksack-, Sonnencreme- und Pferdeduft», so die Künstlerin. Somit ist auch das Geheimnis des sonderbaren Geruchs gelüftet, der vom Keller her strömt . . . Fischer hat dort eines ihrer Döschen platziert.

Ideales Licht

In unterschiedlichen Medien drückt sich Olivia Abächerli aus. In der Stadtgalerie hat sie eine Radiostation eingerichtet, während Nicolle Bussien mittels einer Installation aus Klappstühlen einen Text zum Umgang mit Videomaterial präsentiert.

Ob das Susanne Schwob gefalllen hätte? Sie selbst war eine eher traditionelle Malerin. Als erste Frau war sie Mitglied der eid­genössischen Kunstkommission und prägte gemeinsam mit Grössen wie Antonio Auguste Giacometti oder Oskar Reinhard in den Jahren 1936 bis 1942 die Biennale von Venedig mit. Die verglaste Nordfront in ihrem Atelier sorgte für ideales Licht zum Malen.

Kürzlich habe jemand ein Gemälde von Schwob im Haus vorbeigebracht, erklärt Polymeris. Es ist ein im realistischen Stil gemaltes Herrenporträt. Noch haben die Schwob-Künstler das Bild nicht aufgehängt. Es steht etwas verloren im Treppenhaus. Gedacht wird der Mäzenin monatlich mit verschiedenen Events.

Diese sind immer am Achten eines jeden Monats eingeplant, war die Malerin doch an einem achten Oktober zur Welt gekommen. Die Open-House-Veranstaltung vom Samstag, bei der unter anderem eine Architektin Interessierte durch das Haus führt, ­findet ausnahmsweise an einem Neunten statt.

Der Grund sei ein pragmatischer, da man einen Samstag bevorzugt habe. Zufälligerweise ist Susanne Schwob an einem Neunten verstorben. Aber kein Grund zur Sorge – der Geist, der im Schwob-Haus herrscht, ist ein guter.

Open House: Samstag ab 16 Uhr, Falkenhöheweg 15, Bern. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.09.2017, 13:59 Uhr

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