Der Gurnigelbad-Pächter zählt auf seine Pub-Erfahrung

Riggisberg

Hansueli Binggeli hat viele Pläne mit dem Restaurant und Hotel Gurnigelbad. Alle sollen sie zu ihm kommen: Töfffahrer, Erholungsuchende, vor allem aber Kinder. Und Schnitzeljäger.

Neuer Pächter: Hansueli Binggeli, genannt HB, vor dem Haus.

Neuer Pächter: Hansueli Binggeli, genannt HB, vor dem Haus.

(Bild: Andreas Blatter)

Johannes Reichen

Hansueli Binggeli sitzt im Restaurant und sagt: «Ich will hier Gas geben.» Er steht draussen auf der Terrasse und sagt: «Wir müssen jetzt Gas geben.» Er sagt es in einem Hotelzimmer und oben bei der Eisbahn, ein Dutzend Mal an diesem Nachmittag. Er will Gas geben. Er war früher einmal Töfffahrer. Jetzt zieht er beim Gehen, man sieht es kaum, leicht sein rechtes Bein nach.

Seit einem Monat ist das Gasthaus Gurnigelbad geschlossen, die Handwerker sind jetzt da. Binggeli ist der neue Pächter. Er trägt ein knallrotes Hemd, darauf das Logo von «Center of Events». Vor einem Monat hat er eine GmbH mit diesem Namen gegründet.

Das Treffen im Pub

Binggeli hat viele Pläne für das Gurnigelbad, dessen beste Zeit hundert Jahre zurückliegt. Das Kurhaus war in ganz Europa bekannt. Binggeli kennt diese Geschichte. Vielleicht will er hier bald ein Schwefelbad einrichten.

Am grossen Tisch in der Gurnigelbad-Gaststube sitzt Roger Lerf. Der Anwalt aus Belp ist seit anderthalb Jahren Besitzer des Hauses. Er schuf auch das Label «Center of Events». Vor einem Monat machte er Tabula rasa. Daniel und Monika Quarti, die hier fünfundzwanzig Jahre lang wirteten, mussten gehen. Und Lerf fuhr nach Rüschegg und traf Binggeli in dessen Pub. «Es hat sofort gefunkt», sagt Roger Lerf. Sie hätten dieselbe Wellenlänge.

Der Aktionskünstler

Hansueli Binggeli ist 47 Jahre alt und wird seit Kindheitstagen HB gerufen, weil ein Kamerad seinen Namen zu kompliziert fand. Vor ein paar Jahren begann Binggeli, ein paar Wettbewerbe und Anlässe zu organisieren, Dartschiessen, Töfftreffs, solche Sachen, er zog von Beiz zu Beiz. Bald aber suchte er ein festes Lokal, es hätte auch eine Garage sein können, doch er fand ein Haus in Rüschegg. Dort führt er jetzt das HB’s Pub. Er ist Wirt und eine Art Aktionskünstler. Er bietet da Aktion um Aktion an.

Aber jetzt will er mehr. «Ich suche die Herausforderung. Läge ich eine Woche am Strand, würde ich mir überlegen, was ich in dieser Zeit sonst machen könnte.» Und eigentlich, sagt Binggeli, habe er immer etwas Grosses gewollt. Etwas mit viel Platz. Der Gurnigel kam ihm gerade recht. Er ist sehr enthusiastisch.

Die zwei Grundsätze

Es gibt zwei wichtige Grundsätze für Binggeli. Erstens: Man muss den Leuten etwas bieten, dann kommen sie von selbst. Zweitens: Menschen ziehen Menschen an. Er rettete einst den schlechten Donnerstagabend in seinem Pub damit, dass er Pouletflügeli und Pommes für 10 Franken auf die Karte nahm.

Binggeli setzt in seinem Pub auf Spiel und Spass, auf Spareribs und Schweinssteaks. Am Dienstag ist Oldtimertreff, am Mittwoch Töfftreff, am Donnerstag Harley- und Chopper-Treff. Es gibt einen Töffteller und ein Bikermenü. Und gerade jetzt den «15er-Sunntig». Wer 15 Jahre ist oder jünger, bekommt immer am Sonntag Nuggets oder Hamburger, Pommes und Glace für, klar, 15 Stutz.

Er will faire Preise bieten

Was im Pub funktioniert, das soll auch im Gurnigelbad klappen. «Ich weiss, was ich tue, und ich weiss, was ich kann und was nicht», sagt Binggeli. Dienstag ist Fonduetag, Käse für 10, Chinoise für 20 Franken. Mittwoch ist Schnitzeltag, 10 Franken. Donnerstag ist Spaghettitag, 5 Franken. Er setzt auf «faire» Angebote, und das bedeute, dass im Gurnigelbad niemand «überrissene Bergpreise» bezahlen müsse.

Binggeli will auch das Hotel wiederbeleben, 15 Zimmer beherbergt das Gurnigelbad. Und wer zu viel getrunken hat, für den steht das Massenlager bereit. 80 Betten, Militärgroove, «für 5 Franken». Vor allem aber will er den Kindern etwas bieten. Er denkt an einen Streichelzoo, an Elektroautos. Und an eine Kinderbetreuung. Er vergisst auch die Eltern nicht.

Anstrengende Tage

Und sich selbst? In diesen harten Tagen des Neuanfangs muss er sich manchmal ausruhen auf einem der vielen Betten im Gurnigelbad. Seine Energie reicht nicht für ganze Tage, schon lange nicht mehr. 1992 erlitt Binggeli eine Hirnentzündung. Ein halbes Jahr lang war seine rechte Körperseite gelähmt, die Ärzte sagten ihm, er werde seinen rechten Arm nie mehr bewegen können und nie mehr richtig sprechen.

«Jetzt rede ich so schnell, damit man die Fehler nicht so gut hört», sagt Binggeli. Den rechten Arm kann er wieder bewegen, aber nicht mehr voll, und auch mit dem linken kann er keinen Nagel einschlagen. Denn seit 1992 leidet er auch an einer Thrombose. Und 1993 kratzten ihm die Ärzte einen Tumor aus dem Kopf.

Frischer Wind, frische Luft

Der neue Pächter steht auf und führt durch das riesige Haus im Gurnigelbad. Noch gibt es viel zu putzen, viel aufzuräumen, viel zu entsorgen. Manchmal schüttelt er einfach nur den Kopf. «Neu machen können wirs ja nicht», sagt er.

Aber er ist nicht allein. Zehn Personen gehören zu seinem Team. Und wenn nötig, kann er auf viele Helfer zurückgreifen. In den Stelleninseraten schrieb Hansueli Binggeli: «Wir suchen Leute, die auch mal Vollgas geben können.»

Gurnigelbad: Neueröffnung am 24.August. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 23 Uhr, Freitag/Samstag bis 0.30 Uhr.

Berner Zeitung

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