Der grüne SVP-Mann wechselt die Fronten

Worb

Im Worber Parlament hat er den Gemeinderat oft scharf kritisiert. Seit Anfang Jahr sitzt Bruno Wermuth (SVP) selbst in der Exe­kutive. Das sei nicht problematisch, sagt der Biobauer aus Vielbringen.

Bruno Wermuth: «Ich kenne Niklaus Gfeller seit der Schulzeit. Wir respektieren uns.»

Bruno Wermuth: «Ich kenne Niklaus Gfeller seit der Schulzeit. Wir respektieren uns.»

(Bild: Max Füri)

Herr Wermuth, Sie sind Landwirt. «Biolandwirt», wie Sie präzisieren. Also ein grüner SVPler?
Bruno Wermuth: Ja, absolut. Dazu stehe ich. Und es ist mir wichtig, mein Gedankengut im Gemeinderat einzubringen, gerade in meinem Departement Umwelt. Ich werde ökologische, ökonomische und soziale Werte in die Projekte einfliessen lassen.

Sie waren 19 Jahre Mitglied des Grossen Gemeinderates. Dort kritisierten Sie oft den Gemeinderat und besonders Niklaus Gfeller mit scharfen Worten. Belastet das die Zusammenarbeit mit ihm?
Nein, davon gehe ich nicht aus. Wir respektieren uns, können offen miteinander diskutieren. Ich kenne Niklaus seit der Schulzeit. Da steht man näher zu einer Person und weiss, warum sie so oder so handelt. Und was ich gesagt habe, dazu stehe ich.

Nach den Wahlen vor drei Jahren führte Gfeller mit allen Gewählten ein Einzelgespräch, um sie zur Kollegialität zu verpflichten. Hatten Sie auch ein solches Gespräch?
Nein, bisher nicht. Wir werden sicher noch miteinander sprechen, aber heute ist die Situation anders als vor drei Jahren.

Damals hatten sich im Wahlkampf fünf Gemeinderatskollegen gegen den Präsidenten gestellt. Deshalb verlangte Gfeller von den Wiedergewählten ein Bekenntnis zur Kollegialität.
Ich finde, das war richtig. Wo Bedenken bestehen, soll man ein offenes Gespräch führen.

Wie stehen Sie denn zur Kollegialität?
Sie ist wichtig für mich. Kollegialität ist die Grundvoraussetzung, damit ein Gemeinderat im Sinn des Volkes funktioniert.

Im Dezember gab es eine kurze Gemeinderatssitzung zur Departementsverteilung. Wie wurden Sie dort aufgenommen?
Ich wurde sehr gut und herzlich aufgenommen. Man überreichte mir sogar einen Blumenstrauss.

Was hat Ihrer Meinung nach in Worb oberste Priorität?
Das Projekt Dreiklang. Es muss rasch geklärt werden, wie viele Parkplätze dort entstehen sollen. Denn schon im Sommer soll das Baugesuch eingereicht werden. Auch bei anderen Projekten gibt es noch offene Fragen, zum Beispiel beim Sonne-Areal in Rüfe­nacht, bei der Überbauung am Sternenplatz und bei der Verkehrsberuhigung der Bern- und der Bahnhofstrasse. All dies wird an der Klausursitzung des Gemeinderates von nächster Woche zur Sprache kommen. Wichtig ist zudem, dass die Ortsplanungsrevision diesmal vom Volk angenommen wird.

Wo läuft etwas falsch, bei welchen Projekten möchten Sie etwas anders machen, als es angedacht ist?
In Rüfenacht sollte das Kirchgemeindehaus Sperlisacher saniert und weiterbetrieben werden. Die Kirchgemeinde müsste die Gebäude künftig zielgerechter bewirtschaften. Das wurden in der Vergangenheit zu wenig gemacht.

Finden Sie es richtig, dass sich die Gemeinde nicht an den Betriebskosten beteiligt?
Nein, ich bin anderer Meinung. Wenn die Gebäude öffentlich stark genutzt werden, müsste sich die Einwohnergemeinde am Betrieb beteiligen.

Die Legislatur dauert noch ein Jahr. In dieser Zeit könnte Ihr neues Amt das Sprungbrett für die Wahl ins Gemeindepräsidium sein. Überlegen Sie sich, im Herbst zu kandidieren?
Nein, das überlege ich mir nicht.

Warum nicht?
Ich kandidierte schon einmal und wurde nicht gewählt: als Peter Bernasconi Gemeindepräsident war. Man hatte damals das Gefühl, er sollte nach stillen Wahlen wieder einmal richtig gewählt werden. Nein, Gemeindepräsident zu werden, ist für mich kein Thema mehr.

Denken Sie, nach acht Jahren Niklaus Gfeller wäre die Zeit reif für einen Wechsel?
Eine Kampfwahl gegen einen amtierenden Präsidenten ist aussichtslos. Chancen bestünden nur, wenn der Präsident einen schwerwiegenden Fehler begangen hätte oder wenn ein Topkandidat bereitstünde. Man hört zwar Gerüchte. Ich selbst habe jedoch keine Ambitionen.

Bruno Wermuth (SVP) ist 54-jährig und Biolandwirt auf dem eigenen Hof. Wermuth ist nicht mehr verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt mit seiner Partnerin im Stöckli in Vielbringen.

Berner Zeitung

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