Der FC Lenin revolutioniert das Fussballspielen

Zimmerwald

Im FC Lenin spielt ein Dutzend Fussballer ausserhalb aller Kategorien, mit- und gegeneinander. Der Klub, der kein Klub ist, braucht keinen Schiedsrichter und kickt nur mit dem Ziel, Spass zu haben.

Ein etwas anderer Fussballklub: Der FC Lenin mit dem Gründer Caspar Bieler (Mitte). Er trägt das Ehren-T-Shirt und hält den Wanderpokal.

Ein etwas anderer Fussballklub: Der FC Lenin mit dem Gründer Caspar Bieler (Mitte). Er trägt das Ehren-T-Shirt und hält den Wanderpokal.

(Bild: Walter Pfäffli)

Der Gegner bei den Spielen des FC Lenin ist eigentlich kein Gegner, sondern ein Mitspieler. Anders als der Name suggeriert, ist der FC Lenin aus Zimmerwald kein Fussballklub, sondern eine Gruppe von elf Männern und einer Frau, die gerne Fussball spielen.

Im Winter ist es «Bänklischutte» in der Turnhalle der Schule Wald, im Sommer geht es auf dem Rasen auf Balljagd. «In der Halle spielen jeweils für fünf Minuten drei gegen drei. Die Gewinner bleiben, und drei neue Spieler kommen aufs Feld. Und so weiter», erklärt Caspar Bieler, der den Klub 1990 gegründet hat.

Zwischen 14 und 66 Jahren

Anfangs habe er sich nicht getraut, von FC Lenin zu reden oder gar zu schreiben. «Ich nannte unsere Gruppe einen Freundeskreis, als ich der Schulkommission schrieb und fragte, ob wir die Turnhalle oder den Rasen benutzen dürfen.» Sie durften. Und dürfen bis heute so Fussball spielen, wie sie es wollen.

«Eigentlich sollten wir uns nicht Lenin, sondern Paganini nennen: weil wir gerne schön spielen», sagt Bieler. Weil der Name Lenin aber stärker mit Zimmerwald verbunden ist als mit irgendeinem anderen Dorf, dürfte er sich voraussichtlich halten. Denn 2015 jährt es sich zum hundertsten Mal, dass sich Lenin und andere Genossen in geheimer Mission in Zimmerwald trafen.

Die Fussballer aus Leidenschaft sind altersmässig gut durchmischt. Der Älteste ist 66, der Jüngste 14 Jahre alt. Unter den zwölf Hobbysportlern befinden sich noch drei der Originalbesetzung und seit kurzem auch eine Frau: die Ehefrau eines Spielers. «Eine sehr gute Fussballerin, die in unser Team passt», sagt Caspar Bieler, der den Namen FC Lenin als Gag bezeichnet.

Auf den Namen stiess er, als sein ehemaliger Wohnungsvermieter, der Pöstler Blatter, erzählte, er besitze ein Bett, in dem Lenin geschlafen habe. «Bewiesen wurde das nie», sagt Bieler, den der Name Lenin seither nicht losgelassen hat. Dies ohne jegliche Begeisterung für den Marxismus-Leninismus, wie er sagt. «Wir waren damals zwar langhaarig, aber eine politische Motivation für den Namen gibt es nicht.» Eine Affinität zum Namen des russischen Bolschewisten kann Bieler aber nicht leugnen: Eine von ihm 1996 gegründete Jazz-Band heisst Hot-Lenin.

Pokal der «Ornithologen»

Caspar Bieler ist als Pfarrerssohn im Spiegel bei Bern aufgewachsen, wo er bei jeder Gelegenheit Fussball spielte. «Ausser in einem FC, weil mein Vater das nicht wollte», sagt er und mutmasst, dass er vielleicht gerade deshalb den etwas besonderen FC gegründet habe, in dem es nur um den Spass am Kicken gehe.

Bieler ist Lehrer in Belp, er unterrichtet Deutsch, Französisch, Geschichte und Bildnerisches Gestalten. Nicht Mathematik, denn Zahlen gehören offenbar nicht zu seinen Stärken. Denn als er das Fest zum 10-jährigen Bestehen des FC Lenin lancierte, war ihm entgangen, dass es das Grüppchen in Wahrheit schon seit elf Jahren gab. Seine Kollegen hatten den Rechnungsfehler aber bemerkt und überreichten dem Klub einen Pokal mit der Inschrift: «Die Ornithologen gratulieren dem FC Lenin zum 11-jährigen Jubiläum.» Lenin und seine Mitrevolutionäre hatten sich für ihren Aufenthalt in Zimmerwald als Ornithologen angemeldet.

Berner Zeitung

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