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Der dubiose Kunst-Deal

In Bern hat am Montag der Prozess gegen zwei mutmassliche Betrüger begonnen. Es geht um vermeintliche Kunstkäufe, verlorenes Vertrauen und verprasste Millionen.

Mit Werken von Tizian und Rembrandt lockten die mutmasslichen Betrüger ihre Investoren in die Falle.(Symbolbild/iStock)
Mit Werken von Tizian und Rembrandt lockten die mutmasslichen Betrüger ihre Investoren in die Falle.(Symbolbild/iStock)

Am Montag nahm ein ungleiches Paar auf der Anklagebank am Wirtschaftsstrafgericht Platz. Da der Geschäftsmann, ein Berner im blauen Anzug, gross gewachsen, langes, fast weisses Haar. Und dort der Beizer: ein Zürcher in Jeans und T-Shirt, klein gewachsen, Glatze. Zusammen sollen sie einen mutmasslichen Kunstbetrug abgezogen haben, der schier unfassbare Dimensionen angenommen hat.

Angefangen hat alles mit einem angeblichen Schnäppchen. Der Beizer – ein Mann der Langstrasse – behauptete, einen waschechten «Tizian» erstanden zu haben, ein Gemälde vom grossen Meister höchstpersönlich. Das Werk habe er einer wohlhabenden Zürcher Familie zu einem unverschämt guten Preis abgekauft. Für rund sieben Millionen Franken.

Dann wurde die Sache gar noch besser: Dieselben Verkäufer würden auch noch einen «Rembrandt» veräussern, die Konditionen auch da: hervorragend. Auf dem Kunstmarkt brächten beide Bilder ein Mehrfaches ein, sagte der Beizer. Um den Deal zu finalisieren, brauche er nur: etwas Geld.

«Es tönte plausibel»

Mit dieser Geschichte trat er an potenzielle Investoren heran und versprach ihnen gleichzeitig eine satte Gewinnbeteiligung. Ein sicheres Geschäft, dachten sich viele und stellten dem Beizer in den folgenden Jahren immer wieder stattliche Beträge zur Verfügung.

Unterstützung erhielt er dabei gemäss Anklage vom Geschäftsmann aus Bern, der seinerseits Geldgeber akquirierte. In der Anklageschrift finden sich seitenweise Zahlungen, die zwischen 2007 und 2016 geflossen sind. Viele in bar und ohne jegliche Belege. Die Deliktssumme beträgt insgesamt rund acht Millionen Franken.

Am Montag sagten mehrere der Geprellten vor Gericht aus. Drei von ihnen sind als Privatkläger ins Verfahren involviert. «Es tönte alles immer plausibel», erklärte einer. «Das Vertrauen war gross», ein anderer. Kunstkenner ist keiner von ihnen. Wenn einer mal misstrauisch war, dann googelte er nach «Tizian» und stellte beruhigt fest, dass es den Meister tatsächlich gab.

Es gab nie einen Kauf. Keinen Weiterverkauf. Und das Geld, es war weg.

Oder der Beizer schaffte es, die Zweifel zu zerstreuen, indem er die Investoren einlud, den «Rembrandt» in einem Zürcher Kunstdepot zu besichtigen. Ihnen Dokumente zeigte, die die Echtheit der Bilder bezeugen sollten. Und Bankauszüge der Liechtensteinischen Landesbank präsentierte, Kontostand: 20 Millionen Franken.

Aber es gab nie einen Deal. Keinen Kauf. Keinen Weiterverkauf. Und das Geld, es war weg. Wo es genau hinfloss, auch das ist Gegenstand dieses bemerkenswerten Verfahrens im Berner Amtshaus.

Fest steht, dass ein Teil schlicht verprasst wurde. Darüber hinaus hatte namentlich der Beizer über eine Million Franken nach Brasilien geschickt, zu seiner Freundin. Die hatte ihrerseits rund 1,4 Millionen aus den Darlehen in ihre Heimat überwiesen.

Wertlos

Ausserdem scheint gesichert, dass die Bilder nie einen namhaften Wert hatten. Der «Tizian»? Wohl eine Kopie. Der «Rembrandt»? Ein Non-Valeur. Und überhaupt ist keiner der beiden je rechtsgültig an den Beizer gegangen.

Die Staatsanwaltschaft legt beiden Männern gewerbsmässigen Betrug zur Last. Sie ist überzeugt, dass der Beizer und der Geschäftsmann «eng und wechselseitig miteinander zusammengewirkt» haben und weder in der Lage noch willens waren, die Darlehen zurückzuzahlen. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Das Urteil soll am 29. Mai eröffnet werden.

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