Der brummbärige BKW-Chef tritt ab

Bern

Kurt Rohrbach - Der Name ist untrennbar mit dem Berner Energiekonzern BKW und dem Atomkraftwerk Mühleberg verbunden. 12 Jahre lang führte der heute 57-jährige Seeländer das Unternehmen. Jetzt hört Kurt Rohrbach auf.

Die andere Seite des abtretenden BKW-Chefs: Kurt Rohrbach züchtet mit seiner Ehefrau Windhunde. Er assistiert der Tierärztin sogar bei Eingriffen an Hunden.

Die andere Seite des abtretenden BKW-Chefs: Kurt Rohrbach züchtet mit seiner Ehefrau Windhunde. Er assistiert der Tierärztin sogar bei Eingriffen an Hunden.

(Bild: Urs Lindt / zvg)

Dominik Balmer@sonntagszeitung

Gleich geht das Donnerwetter los. Am Telefon ist Barbara Egger, SP-Regierungsrätin des Kantons Bern und Verwaltungsrätin des Energiekonzerns BKW. Sie soll zu Kurt Rohrbach Auskunft geben. Der langjährige BKW-Chef hört Ende Jahr auf. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die beiden im Verwaltungsrat oft gestritten haben. Doch Egger sagt: «Ich habe sehr gerne mit Kurt zusammengearbeitet. Er argumentiert messerscharf. Und er ist sehr witzig.»

Der Medienraum am Hauptsitz der BKW in der Stadt Bern. An der Wand hängt ein riesengrosses Bild des Wasserkraftwerks Aarberg. Das Städtchen liegt nur wenige Kilometer von Büren an der Aare entfernt, wo der 57-jährige Rohrbach mit seiner Frau in einem alten Bauernhaus wohnt.

In diesem Raum hat im Jahr 1980 auch die Karriere von Rohrbach begonnen. Hier war sein Büro, als er, damals Elektroingenieurstudent an der ETH, ein Praktikum absolvierte. Mehr als ein halbes Leben hat Rohrbach seither bei der BKW verbracht. Und er bleibt auch nach seinem Rücktritt im Konzern: als zweiter hauptamtlicher Vizepräsident des Verwaltungsrats. Ab 2013 heisst die neue Chefin Suzanne Thoma.

Dass er bleibt, hat dem langjährigen Chef Kritik eingebracht. Es hiess, er könne nicht loslassen. Er werde seiner Nachfolgerin dreinreden. «Kurt wird sich zurückhalten», glaubt Regierungsrätin Egger, «er kann ins zweite Glied zurücktreten.»

Feindbild Rohrbach

11. März 2011: Ein Erdbeben löst in Japan einen Tsunami aus. Die Flutwelle zerstört mehrere Reaktoren in Fukushima, es kommt zur Kernschmelze. Ein katastrophaler Unfall. Es zeigt sich: Die Meiler in Japan sind typengleich mit demjenigen des Atomkraftwerks Mühleberg. «Fukushima am Wohlensee», schreiben die Zeitungen. Die Anti-AKW-Bewegung erwacht zu neuem Leben; sie nährt sich auch vom Feindbild Rohrbach. Grüne Politiker betiteln ihn als «Atomstrom-Urgestein».

«Es war nicht immer einfach», sagt Rohrbach heute, «und es stört mich auch nicht, wenn ich mit der Kernenergie identifiziert werde. Aber ich möchte nicht darauf reduziert werden.»

Zwar wurde die BKW jüngst auf die Atomkraft reduziert, der Konzern investierte unter dem langjährigen CEO aber auch kräftig in erneuerbare Energien – «aus Überzeugung», wie Rohrbach betont. Weil es kein Sensorium gebe, um Radioaktivität wahrzunehmen, sei die Technologie schwer zu vermitteln. Deshalb habe er auch Verständnis, wenn man die Kernenergie ablehne. Im heutigen Umfeld sei diese breite Systemkompetenz ein Vorteil, sagt Rohrbach. Oft hätten ihm Berater dies zwar ausreden wollen. Sie scheiterten. «Ich bin recht beratungsresistent», sagt er und lacht.

In Fernsehauftritten machte Rohrbach vielleicht auch deswegen nicht immer die beste Figur. Beeindruckte vor allem mit seiner tiefen Stimme, wirkte aber emotionslos. Zumindest im Vergleich mit dem telegenen Heinz Karrer, dem Chef des Stromkonzerns Axpo.

Regierungsrätin Egger findet, Rohrbach habe in der Kommunikation manchmal «hartnäckig und stur» gewirkt. Das habe man ihm auch so gesagt. Aber «bedächtig» sei er nicht. Daniel Schafer, Chef der Stadtberner Energieversorgerin EWB, bezeichnet den Kollegen scherzhaft als «brummbärigen Berner – wie ich auch einer bin». Kurt Rohrbach sei «sehr zugänglich. Und er hat viele Talente.»

Windhunde als Vorbilder

In der Tat. Rohrbach hatte vor dem Studium erst mit einer grafischen Ausbildung geliebäugelt. Gelegentlich fotografierte er auch für das «Bieler Tagblatt». Und während seines Studiums belegte er zusätzlich Kurse in Immaterialgüterrecht und Weinkunde. Heute assistiert er seiner Frau, einer Tierärztin, ab und zu gar bei kleineren Eingriffen an Hunden. Das kinderlose Paar züchtet gemeinsam Persische und Schottische Windhunde.

Aus seiner Passion, wie es Rohrbach nennt, zieht er auch Parallelen für die Führung in der Wirtschaft. Die Windhunde wurden ursprünglich für die Jagd gezüchtet, heute werden sie in Rennen eingesetzt. Das bedeutet: Die Hunde brauchen ein Coaching, dann rennen sie los, «und man kann nicht mehr Einfluss nehmen», erklärt Rohrbach. So sah er auch seine Rolle als Chef der BKW: ein Coach, der seinen Angestellten Freiheiten lässt und sie, wenn es sein muss, verteidigt.

«Ein grundehrlicher Typ»

Einer, der ihn gut kennt, ist Fritz Kilchenmann. Der Anwalt war 16 Jahre lang Verwaltungsratspräsident der BKW. Davon war Rohrbach während 9 Jahren CEO. Kilchenmann will zwar «nicht auf Einzelheiten eingehen». Er sagt nur: «Kurt Rohrbach kommuniziert klar und ist ein grundehrlicher Typ.» Wie es ist, kürzerzutreten, hat Kilchenmann 2010 bei seinem Abgang erlebt. «Ich konnte meine Zeit besser einteilen.»

Rohrbach beschreibt sein Empfinden kurz vor dem Rücktritt so: «Es ist, als würde ich nach einer langen Wanderung den Rucksack ablegen.»

Berner Zeitung

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