Der BLS machen Biber zu schaffen

Gürbetal

Im Schotterbett brechen die Steine weg, im Kanal am Fuss des Bahndamms staut sich das Wasser zurück. An der BLS-Linie im Gürbetal haben sich Biber niedergelassen – einer wurde kürzlich überfahren.

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Stephan Künzi

Plötzlich war die Delle da, plötzlich brachen aus dem Schotterbett Steine weg, die eigentlich Schwellen und Schienen in Position halten sollten. Hinter einem Riegel im kleinen Kanal am Fuss des Bahndamms begann sich das Wasser zu stauen.

Abgenagte Äste und angeraffelte Baumstämme sowie die typischen Schleifspuren in der Grasnarbe weisen auf ihre Anwesenheit hin: Die Biber haben das Rinnsal, das zwischen den Bahnhöfen von Thurnen und Kaufdorf über weite Strecken der Gürbetallinie der BLS folgt, als Lebensraum entdeckt und im angrenzenden Bahndamm einen Bau gegraben.

Die kantonale Wildhut bestätigte am Dienstagabend entsprechende Beobachtungen von Anwohnern. Sie nehmen die Spuren der Nager, die hierzulande 200 Jahre lang als ausgerottet galten und sich erst in jüngerer Zeit wieder stärker ausbreiten, schon seit ein paar Monaten wahr.

Zuweilen lassen sie sich sogar beim abendlichen Ausflug ins Freie beobachten. Dann schwimmen sie friedlich durchs aufgestaute Wasser, tauchen unvermittelt zum Bahndamm hin ab – und verschwinden so rasch, wie sie gekommen sind, wieder von der Bildfläche.

BLS will abklären

Die BLS dagegen ist erst vor zwei Tagen auf die Tiere aufmerksam geworden. Dafür gleich auf die brutale Art: Ein Zug habe am Montag im Bereich des Kanals einen Biber überfahren, führte ebenfalls Sprecherin Helene Soltermann aus. Zu den Schäden am Trassee konnte sie noch nichts sagen. Man sei nun für das Problem sensibilisiert und werde in den nächsten Tagen der Sache auf den Grund gehen.

Biber gehen von selber

Dass sich Biber an Infrastrukturanlagen der Bahn zu schaffen machen, ist selten. Und wenn doch, dann warnt Christof Angst als Leiter der nationalen Biberfachstelle vor überhasteten Reaktionen: Die Erfahrung zeige, dass die Sicherheit unter den Aktivitäten der Tiere nicht leide: «Ein Biberbau unter den Geleisen kann nicht zu einem Einsturz oder einer Entgleisung führen.»

Handeln müssen die betroffenen Bahnen trotzdem, wobei Christof Angst betont: «Die Biber dürfen durch die erforderlichen Arbeiten natürlich nicht gefährdet werden.» Auf eine Störung reagierten die Tiere ohnehin von selber, «sie verlassen den Bau und gehen zur Gefahrenzone hinaus.» Dann fülle man den Bau auf und vergittere sicherheitshalber auch die Uferböschung rundherum. So verhindere man, dass die Tiere erneut ein Loch zu graben versuchten: «Sie müssen sich halt einen neuen Ort suchen.»

Einen Durchlass verstopft

Laut Angst ist der Vorfall an der BLS-Linie im Gürbetal erst der dritte seiner Art schweizweit. Die ersten Schlagzeilen gab es vor gut vier Jahren im Unterwallis, wo die Biber einen Damm der SBB untertunnelten, der wie im Gürbetal einem Kanal entlangführte.

Der Kanton Wallis schätzte die Situation als so gefährlich ein, dass er die streng geschützten Tiere töten lassen wollte. Allein der Bund verweigerte ihm die notwendige Bewilligung, und er stützte sich dabei nicht zuletzt auf die Meinung der SBB. Analog zu Biberfachmann Christof Angst machten auch sie keine unmittelbare Gefahr aus.

Weniger Aufsehen erregte im vergangenen Jahr ein Zwischenfall bei Unterstammheim im Kanton Zürich. Biber verstopften dort einen Durchlass im SBB-Trassee, worauf sich ein See aufstaute, der seinerseits den Damm aufzuweichen drohte. Umbauarbeiten an der heiklen Stelle sollen nun sicherstellen, dass die Biber das Loch nicht wieder verstopfen können.

Berner Zeitung

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