Der Blick zum Himmel

Der britische Cellist Steven Isserlis und das von Mario Venzago geleitete Berner Symphonieorchester nahmen das Publikum mit dem Programm «Eine Art best of» im Kultur-Casino Bern mit auf eine unterhaltende, träumerische Reise.

Brachte Leidenschaft in die Komposition ein: Der britische Cellist Steven Isserlis spielte am Donnerstagabend im Berner Kultur-Casino zusammen mit dem Berner Symphonieorchester.

Brachte Leidenschaft in die Komposition ein: Der britische Cellist Steven Isserlis spielte am Donnerstagabend im Berner Kultur-Casino zusammen mit dem Berner Symphonieorchester.

(Bild: zvg)

Kaum von seiner China-Tournee zurückgekehrt, spielte das Berner Symphonieorchester (BSO) am Donnerstagabend in Bern – und nahm sich «Till Eulenspiegels lustige Streiche, nach alter Schelmenweise» zur Brust: Die Tondichtung für grosses Orchester von Richard Strauss lebt von ihrer Bildhaftigkeit, von der scherzhaften Ironie.

Die instrumentale Farbigkeit und die wesentlichen klanglichen Kontraste wurden vom Orchester aber nicht präzis illustriert und meist flach gespielt. Nur beim Tod von Till Eulenspiegel zeigte sich das Orchester hingebungsvoll und vermochte die Tragik realistisch zu verkörpern. War das Orchester vielleicht noch erschöpft von der anstrengenden China-Reise? Oder blieb ein bisschen wenig Zeit zum Proben?

Eine umfassende Fantasie

Gar nicht erschöpft war der Solist des Abends: der britische Cellist Steven Isserlis, einer der renommiertesten und erfahrensten Solisten unserer Zeit, bekannt vor allem für seine Virtuosität und sein grosses Interesse an histo­rischer Aufführungspraxis. Er spielte das Cellokonzert a-Moll von Robert Schumann. Dieses romantische elegische Spätwerk ist eine umfassende Fantasie, in der die drei Sätze ohne Pause ineinander übergehen.

Nicht nur mit dem für ihn typischen Blick Richtung Himmel hat Isserlis seine Leidenschaft in die Komposition eingebracht. Durch sein einfühlsames Spiel brachte er das Poetische und die Lyrik des Werks effektvoll in Farbe und Dynamik auf die Bühne. Isserlis verstand es hervorragend, Solostimme und Orchester miteinander zu verflechten. Der Cellist ist einer, der sich voll und ganz jedem einzelnen musikalischen Moment widmet und sich der Musik hingibt. So kann auch das Publikum den Lauf der Musik freier geniessen.

Weiter ging es mit Brahms: Die Symphonie Nr. 1 c-Moll ist ein Werk, das Brahms sehr spät, also erst im Alter von 43 Jahren, und unter dem grossen Erwartungsdruck der musikalischen Welt komponiert hat. Bekannt auch als «Beethovens Zehnte» konnte der Romantiker Brahms sich damit als Klassiker mit Zukunft ausdrücken, der die sinfonische Tradition von Beethoven fortführen und erneuern wollte.

Wenig Dynamik

Beim Konzert im Berner Kultur-Casino haben das gleichmässige Tempo sowie die Dynamik nicht die nötige Spannung hervorgebracht, trotzdem schaffte es das Berner Symphonieorchester, die Einigkeit des Werkes bis zum eindrucksvollen Ausklang aufzu­zeigen.

Die nächsten Konzertedes BSO: www.konzerttheaterbern.ch.

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