Der Bernapark stockt auf

Deisswil

Vor rund sieben Jahren hat Investor Hans-Ulrich Müller die alte Kartonfabrik in Deisswil gekauft und den Bernapark initiiert. Nun soll das Baugesuch für die erste grosse Ausbauetappe eingereicht werden.

Hans-Ulrich Müller in seinem Golfwagen.

Hans-Ulrich Müller in seinem Golfwagen.

(Bild: Andreas Blatter)

Stephanie Jungo

Hans-Ulrich Müller verliert keine Zeit. Schnell kommt er im Gespräch auf den Punkt. Während man noch über seine letzten Worte nachdenkt, ist er bereits ein Thema weiter. Genauso schnell ist sein Schritt. Und muss er auf dem weitläufigen Gelände der ­alten Kartonfabrik Deisswil schneller von Punkt A nach B kommen, setzt er sich kurzerhand in seinen Golfwagen.

Auf dem ehemaligen Industriegelände will Müller zusammen mit der Gemeinde Stettlen und privaten Partnern ein «einmaliges, durchmischtes Quartier mit Raum für Büro, Gewerbe, Wohnen und Freizeit schaffen». Bereits haben sich einige Unternehmen im Bernapark angesiedelt. In einer nächsten Etappe sollen nun 180 Wohnungen und mehr Platz für Büro- und Gewerbefläche entstehen.

Unter anderem soll das Fabrikgebäude dazu um zwei Etagen aufgestockt werden. Das Baugesuch ist bereit und soll noch diese Woche eingereicht werden. «Der Bernapark kombiniert alles, was ich in den letzten 30 Jahren gemacht habe», sagt Müller über das Projekt. Wenn ­alles gut läuft, könnten die Bauarbeiten bereits im Frühjahr 2018 beginnen.

Das ehemalige Fabrikgebäude wird um zwei Etagen aufgestockt, um Platz für Wohnungen zu schaffen. Bild: Zeno Lauener / zvg

120 Unternehmen

Gekauft hat Müller die Fabrik nach deren Schliessung 2010. Damals verloren über 250 Angestellte ihre Arbeit. «Als ich davon hörte, dachte ich in erster Linie an die Menschen.» Für die Mitarbeiter seien Lösungen gefragt gewesen. Müller stellte die Angestellten wieder ein, zahlte die Löhne weiter und half ihnen, eine neue Stelle zu finden. Gleichzeitig sollte das stillgelegte Fabrikgelände wiederbelebt werden. Ein KMU-Park sei dabei sein erster Gedanke gewesen. «Wie dieser genau aussehen sollte, wusste ich anfangs selbst nicht.» Mittlerweile haben sich 120 Unternehmen eingemietet. Darunter Skihersteller Fischer. Mit der nächsten Bauetappe soll das Areal nun sein neues Gesicht erhalten.

Kita im Bauernhof

Wenn Müller mit seinem Golfwagen über das Gelände kurvt, sprudeln die Ideen nur so aus ihm heraus. «Hier entsteht das Mobilitätszentrum», sagt er und zeigt auf ein Gebäude. In Zusammenarbeit mit dem Verkehrshaus der Schweiz sollen im Bernapark ab 2019 Ausstellungen mit Fahrzeugen die Geschichte der Mobilität erzählen. Und schon gibt der CS-Banker wieder Gas und erzählt, was sonst noch alles geplant ist. «Was hier entsteht, ist eine Art Stadtquartier.»

Der Projektperimeter umfasst dabei auch das umliegende Land, das teilweise zur Gemeinde Ostermundigen gehört. Auf dem angrenzenden Schwandihof sollen Kinder dereinst mithelfen, Tiere und Hof zu versorgen. Zudem sollen Wohnungen, eine Kita und eine Tagesschule entstehen. Bedingung dafür ist die Überführung des Grundstücks von der Landwirtschaftszone in die Bauzone. Müller hofft, dass die Gemeinde Ostermundigen dieser zustimmen wird.

Weiter sind im Bernapark eine Markthalle, ein Gesundheitszen­trum, eine Bierbrauerei und eine Konditorei mit Schauproduktion geplant. «Es ist eine alte Fabrik, man kann darin die unterschiedlichsten Dinge ausprobieren», sagt der 67-Jährige. Auch Platz für Künstler soll es geben, und mehrere gastronomische Angebote. «Wir planen ungefähr zehn Einheiten, die als Restaurants bespielt werden können.» Diese sollen gemietet werden können, um Gäste zu bekochen oder Konzepte auszutesten. Auch dieses Projekt ist als Experiment gemeint: «Wenn es funktioniert, verfolgen wir es weiter. Wenn es nicht klappt, werden wir es noch einmal überarbeiten.»

Noch bevor die Bauarbeiten für die nächste Etappe anfangen, steht ein weiteres Projekt bereits in den Startlöchern. Anfang Juli öffnet das Zentrum für Innovation und Digitalisierung (ZID) seine Türen.«Die grösste Gefahr für den Standort Schweiz ist, dass wir die Digitalisierung verpassen.» Im ZID sollen deshalb vor allem Start-ups unterstützt werden, die Antworten auf die neuen Herausforderungen suchen. «Die Räume stellen wir ihnen ein Jahr lang gratis zur Verfügung.»

Zusätzlich profitieren sie von einem Mentoringprogramm. Dafür hätten bereits Fachleute aus Forschung und Wirtschaft gewonnen werden können.

«Es ist noch ein langer Weg»

Müller weiss, dass man das Leben, das er sich im neuen Quartier vorstellt, nicht am Reissbrett planen kann. Auch sei ihm klar, dass seine Pläne für den Bernapark nicht einfach zu realisieren sind. «Es ist noch ein langer Weg.» Für einen Mann mit seinem Temperament braucht es mitunter Geduld, doch genau dies motiviert ihn auch: «Wenn jemand sagt, dass etwas nicht klappt, ist dies ein Ansporn für mich.»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt