Der Bahnhof Bern wird erdbebensicher

Bern

Das Parkhaus Grosse Schanze in Bern und ein Teil der Perrondecke des Bahnhofs sind nicht erdbebensicher. ­Damit sie es werden, sind ­zurzeit 15 Bauarbeiter im ­Einsatz. Sie verstärken Wände und Decken für rund 12 Millionen Franken.

Mit Bewehrungseisen machen ­Andreas Keller (l.) und Roland Jakob (r.) den Bahnhof sicherer.

Mit Bewehrungseisen machen ­Andreas Keller (l.) und Roland Jakob (r.) den Bahnhof sicherer.

(Bild: Beat Mathys)

Ralph Heiniger

Die Stadt Bern gehört zu denjenigen Zonen der Schweiz, in der die Gefahr, Opfer eines Erdbebens zu werden, relativ gering ist. Zu diesem Urteil kommt die seismo­logische Gefahrenkarte unseres Landes. Allerdings: Auch in der Stadt Bern kann man ein Erdbeben nicht kategorisch ausschliessen. «Es gibt – wie bei allen Naturgefahren – immer ein gewisses Restrisiko», sagt Martin Meier, Kommunikation SBB. In Belp ereignete sich zum Beispiel 1881 ein grösseres Erdbeben. Laut Experten ist im Kanton Bern einmal in hundert Jahren mit einem Beben der Stärke 5 zu rechnen.

Eine solche Naturkatastrophe wäre für den Bahnhof Bern verheerend. Der 60-jährige Gebäudekomplex, in dem täglich fast 270'000 Personen ein- und ausgehen, würde erheblich beschädigt. Die grosse Platte, welche die Perrons überdeckt und auf der sich das Bahnhofparking, die Grosse Schanze, die Bahnhofvorfahrt und das Postautoterminal befinden, würde ein mittelschweres Erdbeben kaum überstehen. Zumindest noch nicht. Um den Bahnhof erdbebensicher zu machen, sind seit letzten Sommer 15 Bauarbeiter im Einsatz. Sie sanieren und verstärken die Tragkonstruktionen des Perrondachs, der Perronhallenwände und des Parkhauses Grosse Schanze. Für rund 12 Millionen Franken machen sie den Bahnhof bis Anfang 2018 erdbebensicher.

Ab 2018 könnte der Bahnhof ein starkes Erdbeben überstehen», sagt Projektleiter Andreas Keller von der Firma Bächtold & Moor AG. Welchem Wert auf der Richterskala ein «starkes Erdbeben» genau entspricht, hängt jedoch von verschiedenen Faktoren wie Lage des Epizentrums oder Dauer des Erdbebens ab und sei daher schwierig zu beziffern, so Keller.

Wände verankert

Als eine von mehreren Massnahmen zur Stabilisierung bohren die Bauarbeiter zurzeit im zweiten Obergeschoss des Parkhauses Löcher in die Wand. Die Löcher richten sich mit einem Winkel von 25 Grad nach unten und sind etwa 30 Meter tief. Durch sie ­werden Stahlkabel gezogen und schliesslich im Fels verankert. Auf drei Etagen werden insgesamt 80 solcher Anker angebracht, wie Bauleiter Roland ­Jakob erklärt. «Jeder einzelne Anker könnte rund 100 Tonnen halten.» Auch die Strasse zwischen Parkhauseinfahrt und Parkterrasse weist aktuell einige Löcher auf. Darin befinden sich auf der ganzen Länge miteinander verbundene Bewehrungseisen, die am Schluss mit den Ankern in der Wand verbunden sind.

Besonders hart werden die anstehenden Arbeiten im Innern der Perrondecke. «Wir haben hier bereits Löcher gebohrt, um Stahlprofile durchzuziehen.» Diese werden in den nächsten Wochen geliefert, dann werden etwa 15 Bauarbeiter bis Ende dieses Jahres damit beschäftigt sein, die einzelnen Elemente der 300 Meter langen, maximal 1,70 Meter hohen Deckenkonstruktionen miteinander zu verbinden. Für Notfälle und um Zeit zu sparen, haben die Bauarbeiter bereits mehrere zusätzliche Zugänge zur Deckenkonstruktion herausgebrochen. Dennoch: «Hier zu arbeiten, wird nicht einfach», sagt Jakob.

Wie Andreas Keller erklärt, sind zurzeit trotz den Bauarbeiten fast alle Parkplätze im Parkhaus nutzbar. «Die Fahrstreifen sind während der Bauarbeiten einfach etwas enger als vorher.» Vorläufig bleibt allerdings die ­Zufahrt zum Parkhaus erschwert. Doch diese soll im Herbst wieder normal befahrbar sein, also noch bevor die Bauarbeiten ganz abgeschlossen sind, so Keller.

Sicher und trocken

Die aktuelle Erdbebenunsicherheit des Bahnhofs besteht seit dem Bau des Gebäudes. Teile des Bahnhofs sind schon seit ihrer Inbetriebnahme im Falle eines Erdbebens einsturzgefährdet.

Im Zuge der weiteren Sanierungsarbeiten werden in der Perrondecke auch die Dehnungs­fugen ersetzt. Bei diesen Fugen handelt es sich um mit Spezialkunststoff gefüllte Zwischenräume, die den einzelnen Betonbauteilen des Bahnhofs minimale Beweglichkeit ermöglichen. Dank den neuen Fugen soll es auf den Perrons künftig trocken bleiben.

Berner Zeitung

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