Der Bär hätte bleiben müssen

Ostermundigen

In einer medienwirksamen Aktion haben Hochhaus-Befürworter das historische Wirtshausschild des Bären in Ostermundigen abmontiert. Ohne Bewilligung. Nun müssen sie den goldenen Bären womöglich wieder anbringen.

Roger Schneiter, Präsident des Pro-Hochhaus-Komitees, rückt dem Bären zu Leibe.

Roger Schneiter, Präsident des Pro-Hochhaus-Komitees, rückt dem Bären zu Leibe.

(Bild: Stefan Anderegg)

Markus Zahno

Hier geht es nicht um Argumente für oder gegen das Hochhaus, das auf dem Ostermundiger Bärenareal geplant ist. Hier geht es einzig und allein um die Frage, was erlaubt ist und was nicht.

Drei Wochen ist es her: Die Hochhaus-Promotoren luden beim Bären zu einer PR-Aktion ein. Man wolle «ein Zeichen des Aufbruchs in eine neue Ära» setzen, erklärten sie den Medienleuten und den zahlreichen Schaulustigen. Dann griff Roger Schneiter, Präsident des Pro-Hochhaus-Komitees, zur Trennscheibe und löste das imposante Gasthofschild mit dem goldenen Bären.

Nach einer Weile war es geschafft: Das 50 Kilo schwere Schild war abmontiert und wurde in eine Holzkiste verpackt. Beim Neubau werde der Bär einen neuen, würdigen Platz erhalten, versprachen die Promotoren. Zum Schluss gab es Glühwein und Haselnusslebkuchen für alle – verbunden mit der Empfehlung, am 29. November Ja zum Hochhaus zu stimmen.

Eine Busse?

Doch die Aktion hat einen Haken. Der Gasthof Bären ist von der Denkmalpflege als «erhaltenswert» eingestuft. Bis die Baubewilligung für den Neubau vorliegt, muss er bleiben, wie er ist. Das Gasthaus sei von «identifikativer und lokalhistorischer Bedeutung», schreibt die Denkmalpflege im Bauinventar. Es sei ein «malerischer Heimatstilbau» mit – Achtung – einem «hübschen Wirtshausschild».

Damit ist klar: Der goldene Bär ist Bestandteil dieses erhaltenswerten Baudenkmals. Laut bernischem Denkmalpflegegesetz wird mit 50 bis 100'000 Franken Busse bestraft, wer ohne Bewilligung «vorsätzlich ein Denkmal zerstört, beschädigt und verändert». Und weiter: «Eine Strafe entbindet nicht von der Verpflichtung zur Widerherstellung des rechtmässigen Zustandes.»

«Nicht daran gedacht»

Wer ein erhaltenswertes Gebäude verändern will, muss eine Bewilligung bei der Gemeinde einholen. Ist dies beim Bären-Schild geschehen? «Nein, es gab kein Gesuch», antwortet Peter U. Müller, Leiter der Ostermundiger Abteilung Hochbau. Laut Gesetz hätte die Gemeinde als Baupolizeibehörde sofort einschreiten müssen, als das Bären-Schild demontiert wurde.

Das hat sie nicht getan – im Gegenteil: Verschiedene Gemeindebehörden waren bei der Demontage dabei. Etwa Gemeindepräsident Thomas Iten. «Uns war nicht bewusst, dass das Schild zum Gebäude dazugehört», erklärt er, «deshalb wäre es uns nicht im Traum in den Sinn gekommen, dass es für diese Aktion eine Bewilligung braucht.»

Besitzer einverstanden

Und nun: Wie weiter? Theoretisch muss die Gemeinde Ostermundigen die «Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes» verfügen. Der goldene Bär muss also wieder montiert werden. «Wir werden mit den Verantwortlichen Kontakt aufnehmen», kündigt Peter U. Müller an. Wann dies geschieht, lässt er offen – deutet aber an, «dass wir als Baupolizei noch wichtigere Aufgaben haben».

Auch Roger Schneiter, der dem goldenen Bären mit der Trennscheibe zu Leibe gerückt ist, war sich nicht bewusst, etwas Unrechtmässiges getan zu haben. «Schliesslich waren die Grundeigentümer des Gasthofs Bären einverstanden.» Nun, da er vom Gegenteil belehrt wurde, sagt er: «Wenn wir ein Urteil erhalten, dann montieren wir den Bären halt wieder.»

Berner Zeitung

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