Der Autobahntest

Moment Wahl

Pro oder kontra umstrittene Bieler Autobahnumfahrung? Das wollte das Anti-Westast-Komitee von den Berner Nationalratskandidierenden wissen. Ein wichtiger Kandidat habe sich vor der Antwort gedrückt, schreibt das Komitee.

Anti-Westast-Kundgebung Ende letzten Jahres: Wer wie sie denkt, wird vom Komitee zur Wahl empfohlen.

Anti-Westast-Kundgebung Ende letzten Jahres: Wer wie sie denkt, wird vom Komitee zur Wahl empfohlen.

(Bild: Keystone Anthony Anex)

Stefan von Bergen@StefanvonBergen

Zum Wahlkampf gehört, dass überparteiliche Interessengruppen in ihr Weltbild passende Kandidatinnen und Kandidaten für den Nationalrat empfehlen. Der Arbeitgeberverband macht das schon lange. Die europafreundliche Operation Libero tut es ihm gleich. Jetzt springt auch das Komitee «Westast so nicht!» auf diesen Trend auf. Die Gegner des offiziellen Autobahnumfahrungsprojekts mit zwei Anschlüssen mitten in der Stadt Biel haben für ihre Empfehlung 420 Berner Nationalratskandidatinnen und -kandidaten zu ihrer Haltung zum Westast befragt.

Wer den Autobahntest im Sinne des Komitees bestand, ist nicht weiter erstaunlich: Zahlreiche Kandidierende der SP, der Grünen und der Grünliberalen sprechen sich gegen das ­Westastprojekt aus. Unter ihnen die Nationalratsmit­glieder Regula Rytz (Grüne), Kathrin Bertschy und Jürg Grossen (beide ­Grünliberale) sowie Nadine Masshart (SP). Die wenigen Mitglieder von FDP und SVP, die überhaupt antworteten, sind für den Bau des Westasts.

Eine Personalie streicht das Anti-Westast-Komitee hervor: Der Bieler SP-Ständerat Hans Stöckli habe sich um eine Antwort gedrückt. Stöckli ist von Interesse, weil er vor gut zehn Jahren als damaliger Bieler Stadtpräsident die Arbeitsgruppe leitete, die die heute vom Komitee bekämpften Stadtanschlüssein Biel durchsetzte. «Stöckli schweigt», schreiben die Westastgegner.

Stimmt das? Stöckli selber sagt auf Anfrage, er habe dem Anti-Westast-Komitee früh genug mitgeteilt, solange in Biel ein ergebnisoffener Dialog über das Projekt geführt werde, könne er sich nicht für oder gegen einen Verzicht aussprechen. Er habe aber seinen Standpunkt wie folgt dargelegt: Sollte der von ihm begrüsste Dialog eine umwelt- und stadtverträglichere Lösung ergeben, würde er diese unterstützen.

Das ist zwar kein eindeutiges Ja oder Nein auf die Verzichts­frage, die man in den Augen des Anti-Westast-Komitees nur mit Ja beantworten kann, aber es ist doch eine Haltung. Stöckli bewusstes Schweigen vor­zuwerfen, ist unfair. Fairness gehört zum Wahlkampf. Übrigens haben auch die Nationalratsmitglieder Matthias Aebischer, Adrian Wüthrich, Flavia Wasserfallen (alle SP) oder Aline Trede (Grüne) nicht reagiert. Drücken auch sie sich vor einer Antwort, oder haben sie bloss vergessen zu antworten? Eine Wahlempfehlung, die das nicht transparent macht, ist nicht besonders viel wert.

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